Porträt Es bleibt spannend

"Die Romantik lässt einen nicht los": Daniel Müller-Schott auf Wanderschaft zwischen verschiedenen musikalischen Welten.

(Foto: Christine Schneider)

Daniel Müller-Schott spielt Dvořáks Cellokonzert

Von Rita Argauer

Wenn ein Musiker in der oberen Liga des Geschäfts mitspielt, muss er heutzutage eigentlich eine Art Joker sein. Das technische Niveau ist so sehr gestiegen, dass das Business virtuose Alleskönner braucht - die möglichst dazu in der Lage sind, glamourös wie anführend ihre Solo-Stimme in ein Orchester zu legen. Und gleichzeitig einfühlsam, herzoffen, intim und etwa zum Trio verschmolzen Kammermusik spielen können.

Immerhin häufen sich derzeit auch die mit Solo-Stars besetzten Kammermusikkonzerte. Namhafte Größen gründen Kammermusikformationen, die mehr sind als ein konzertbedingtes Zusammenkommen. Seit 2007 darf etwa das Trio Zimmermann reifen, das Frank-Peter Zimmermann mit dem großartigen Bratscher Antoine Tamestit und Christian Poltéra am Cello gründete. Und Anne-Sophie Mutter spielt zwar immer noch hauptsächlich die großen Violinkonzerte mit Orchester, gab aber im vergangenen Jahr die Gründung eines Trios mit Yefim Bronfman und Lynn Harrell bekannt. Für die Veranstalter ist das ein Segen - da können sie ein Konzert gleich mit drei bekannten Namen bewerben. Für die Musiker steckt in diesem Zusammenschlüssen jedoch Feinarbeit.

Denn es verlangt viel von einer Künstlerpersönlichkeit, die es gewohnt ist, einem Orchester vorzustehen und ihre Stimme solistisch über den Klangkörper zu erheben, diese Stimme in kleinster Besetzung mit den anderen verfließen zu lassen, in den Hintergrund zu treten und nuancenreich zwischen musikalischer Dominanz und Unterstützung der Mitmusiker zu wechseln. Der in München geborene Cellist Daniel Müller-Schott huscht über diese Übergänge gerade fast routiniert. Denn sein Konzertplan für die vergangenen Monate wechselte zwischen ihm als Solisten, der gerade ein Album mit Dvořáks Cello-Konzert veröffentlicht hatte und dieses gemeinsam mit großen Orchestern aufführte, und den ersten Auftritten in einem dieser starbesetzten Trios: Müller-Schott, zusammen mit der Klarinettistin Sharon Kam und dem Pianisten Enrico Pace.

Für Müller-Schott ist gerade als Cellist die Kammermusik ausgesprochen wichtig. Denn obwohl er das Trio-Konzert, das in München Anfang Februar angesetzt war, wegen eines familiären Trauerfalls hatte absagen müssen, ist die wichtige Beeinflussung der Kammermusik auf seine Solisten-Tätigkeit für ihn ganz klar: "Das Musizieren in Kammerbesetzung hilft mir, auch bei Dvořák die Sensibilität zu haben, auf die Solo-Stimmen, die es ja auch im Orchester gibt, zu reagieren." Gerade im dritten Satz spielt das Cello darin zusammen mit einer Solostimme der Geige - damit das zusammenklingt und sich als gemeinsame Einheit über dem Orchester ausbreiten kann, dafür braucht es für Müller-Schott die Erfahrung des kleinstbesetzten Musizierens.

"Ich habe immer auch Kammermusik gespielt", sagt er. Die Klarinettistin Sharon Kam, mit der er nun im Trio auftritt, kennt er als musikalische Partnerin schon seit 1993, seit dieser Zeit haben sie auch immer wieder zusammen gespielt. Und mit dem Pianisten Pace hatte er einige Sonaten-Abende bestritten - das Zusammenkommen im Trio ist also nicht namensbedingt, sondern aufgrund musikalischer Freundschaft entstanden. "Besonders als Cellist muss man aber auch Kammermusik spielen", fügt er an - denn die Literatur an Cello-Konzerten ist einfach sehr dünn.

Eines davon ist das von Dvořák, das er nun mit dem National Symphony Orchestra Washington unter dessen Chefdirigenten Christoph Eschenbach in München spielt. "Es ist eines der schönsten Instrumentalkonzerte überhaupt", sagt Müller-Schott. Schon bevor er angefangen habe, Cello zu spielen, kannte er das Stück, das Dvořák - zerrissen von Aufbruchsstimmung und Heimweh - während seiner Zeit als Chefdirigent in New York komponiert hatte. Mit 15 hat sich Müller-Schott dann das erste Mal der Partitur gewidmet, mit Anfang 20 gab der Musiker mit diesem Konzert sein Debüt in den USA in Chicago.

Damit ein Konzert, das er in seiner Musiker-Karriere nun schon sehr oft gespielt hat, spannend bleibt, geht er auf die Suche nach neuem darin, etwa mit Hilfe des Urtextes und der Handschrift; aber auch mit der Erfahrung, die er aus der Neuen Musik gezogen hat.

Denn seine Veröffentlichungen vor dem Dvořák-Konzert waren mit Prokofjew, Britten und Schostakowitsch in der Moderne des 20. Jahrhunderts verortet. Dazu spielte er einige Uraufführungen. Doch: "Die Romantik lässt einen nicht los." Die klanglichen Erfahrungen, das unkonventionellere Spiel, das er mit der Neuen Musik erlernt hat, zieht er nun mit in die Romantik. Anschließend steht für sein nächsten Album wieder ein doch recht prominenter Zusammenschluss an. Denn zusammen mit Julia Fischer hat er kürzlich Ravel aufgenommen.

Daniel Müller-Schott, National Symphony Orchestra Washington, Mo., 15. Feb., 20 Uhr, Philharmonie, Gasteig, Rosenheimer Str. 5, 21 83 73 00