Porträt der Jury-Präsidentin der Berlinale Frances McDormand

Bereits mehrfach wurde die US-Actrice für ihre Rollen ausgezeichnet. Nun ist sie es, die Preise verleiht - als Jury-Präsidentin der Berlinale.

Von Susan Vahabzadeh

Das Schöne an Festivals ist ja, dass das Publikum nie ganz unter sich ist - in den meisten Vorstellungen sitzen irgendwo im Dunkeln die Mitglieder der Jury, sehen zeitgleich die selben Filme, und man kann sich in jeder Sekunde ausmalen, was in ihren Köpfen vorgeht.

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Bei der Berlinale hat in diesem Jahr die Schauspielerin Frances McDormand den Vorsitz übernommen. Von Preisen versteht sie etwas: 1993 in Venedig ist sie mit der "Coppa Volpi", dem Darstellerpreis, ausgezeichnet worden, den das ganze Ensemble bekam für Robert Altmans "Short Cuts"; sie wurde dreimal für den Oscar nominiert und hat ihn 1997 für die Hauptrolle in "Fargo" gewonnen - eine der ganz großen Charakterdarstellerinnen des amerikanischen Kinos.

Es liegen Welten zwischen durchgestylten Hollywood-Sternchen und der Schauspielerin Frances McDormand, die sich ihre Lorbeeren im Independent-Kino verdient hat. Sie ist weder hübsch noch hässlich, hat aber eine enorme Präsenz. Manchmal, wie in "The Man Who Wasn't There", sieht man, wie schön sie sein kann, wenn sie sich herausputzt - aber dazu kommt es meistens nicht.

Sie spielt lieber die Spröde, mit viel Selbstironie, ganz fein in den Nuancen; meistens kommen Powerfrauen dabei heraus. Vor allem als Professorin wird sie gern besetzt: In "Was das Herz begehrt", im Wettbewerb der Berlinale außer Konkurrenz dabei, nimmt sie genüsslich den Macho Jack Nicholson auseinander. Und in "Die Wonderboys" (2000) hilft sie dem strauchelnden Michael Douglas wieder auf die Beine.

McDormand, 1957 in Illinois geboren und Absolventin der Yale Drama School, ist gleich mit einer Hauptrolle eingestiegen, als sie 1984 mit dem Filmemachen anfing: Sie spielte die untreue Ehefrau in "Blood Simple", dem ersten Film der Brüder Joel und Ethan Coen.

Mit der Rolle sorgte sie gleich für Furore, ihr Regisseur Joel Coen hat sie aber definitiv nicht mit der Filmfigur verwechselt - die beiden haben noch im selben Jahr geheiratet. Von ihren zwei Kindern ist eines adoptiert - so wie Frances McDormand selbst.

Auf der Leinwand ist sie oft in problematischen Beziehungen zu sehen, in Alan Parkers Rassisten-Drama "Mississippi Burning" sagt sie gegen ihren Ehemann aus, in Altmans "Short Cuts" hat sie Ärger mit dem Ex, der ihre Wohnung in Einzelteile zerlegt.

In Joel Coens "Fargo" spielte sie eine der wenigen sympathischen Figuren, die den Coens je eingefallen ist, eine sehr komische Rolle - ein bisschen merkwürdig und betulich ist sie da, hochschwanger und permanent auf Futtersuche, aber nur sie, die Polizistin, behält einen halbwegs klaren Kopf, während sie es mit lauter völlig bekloppten Klein- und Großkriminellen zutun bekommt.

Sie arbeitet stetig, aber nicht übermäßig, insofern ist es erstaunlich, dass sie in diesen Tagen in zwei aktuellen Filmen im Kino zu sehen ist: in "Laurel Canyon" und "Was das Herz begehrt". Zum Filmstar macht sie das noch lange nicht - sie will auch keiner sein. "Schauspieler arbeiten, und Filmstars haben Karrieren", hat Frances McDormand einmal gesagt: "Ich bin eine Charakterdarstellerin, das ist einfach so."