Der Iran beweist das Scheitern eines Staates, der auf religiösen Prinzipien aufgebaut ist: Politisch isoliert, wirtschaftlich verelendet, bleibt der Gesellschaft von der Religion nur der Zwang, und manche Iraner sagen, vielleicht seien ausgerechnet sie die am wenigsten religiöse Gesellschaft der ganzen Region.
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Klappern und Tänze
In Afrika nun lässt der Papst sich feiern, aber er profitiert nur von der riesigen Frustration der Menschen, die sich von ihren eigenen Herrschern kolonisiert fühlen und von Europa vergessen. Früher waren mehr Menschen arm, aber es war eine einsame Armut, die von den Möglichkeiten im Rest der Welt nichts wusste. Heute besitzen selbst Wüstenstämme Handys.
Mit der Technik kam die Vergleichbarkeit und mit den Vergleichen die Enttäuschungen. Sekten, Kirchen und Moscheen linderten die Verzweiflung mit Klappern und Tänzen und der Aussicht auf Belohnung im Jenseits. Es ist ein seit Jahrtausenden schwacher Trost, gleichzeitig ein Surrogat für politische Ansprüche. Wenn sich im nächsten Leben alles fügt, erträgt man derzeitiges Unrecht eben leichter.
Seit Menschengedenken empfiehlt sich Religion derart als Wegweiser durch die Höhen und Tiefen des Lebens, als spirituelle Heimat, aber in unterschiedlichem Maße auch als Richtschnur für das tägliche Leben.
Die Vielfalt der Lebensentwürfe ist heute in vielen Teilen der Welt so groß wie sie es nie war. Antworten, die vor 2000 progressiv waren, erfassen heute nur einen Bruchteil der Wirklichkeit. In traditionellen Gesellschaften ist diese Kluft noch nicht so groß wie in Europa oder Nordamerika. Doch das ist nur eine Frage der Zeit.
Scheidungen und coming outs
Die beständige reproduktionswillige Idealfamilie war immer ein Lebensmodell neben anderen, aber viele Menschen arrangieren sich heute mit Scheidungen, Neuanfängen, anderen Partnern, fremden Kindern, coming outs - auch und gerade in Afrika. So sind die Angriffe des Papstes auf die "Diktatur des Relativismus" eigentlich nur noch Rückzugsgefechte.
Der religiöse Dogmatismus erlebt zwar gerade einen Aufschwung in der arabischen Welt, in Afrika, sogar in so fortschrittsverliebten Gesellschaften wie Amerika.
Auf Zeiten geistiger Enge aber folgen immer wieder Ausbrüche, und vielleicht setzt der Pendelschwung gerade schon ein. Man mag zu Barack Obamas Förderung der embryonalen Stammzellen-Forschung stehen wie man will.
Aber sein Bekenntnis zu einer freien Wissenschaft wirkt nach Jahren kreationistischer Denkverbote der fundamentalistischen Christen wie ein frischer Wind. Wissenschaftliche Entscheidungen, beschied er, sollten künftig auf der Grundlage von Fakten getroffen werden, nicht aufgrund einer "Ideologie".
Ein später Sieg für Bertrand Russell. Für ihn war würdevolles Leben einzig in einer aufgeklärten Gesellschaft vorstellbar. "Die Welt braucht einen furchtlosen Ausblick auf die Zukunft", schrieb er 1927, "und eine freie Intelligenz."
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- Aids, Kondome und der Papst Der Gummi-Paragraph 17.03.2009
- Benedikt XVI. und Afrika Papst: Kondome verschlimmern Aids-Problem 17.03.2009
- Papst in Afrika Kleptokraten und Wunderheiler 20.03.2009
- Hamburger Weihbischof Jaschke "Kein Tabu beim Thema Kondom" 18.03.2009
- Papst und Aids "Es ist fahrlässige Tötung" 18.03.2009
(SZaW vom 21./22.03.2009/irup)
... wie es also nicht geht. Das können Journalisten ziemlich gut. Und wie geht es jetzt?
es ist sehr beruhigend, dass wenigstens die sz hier flagge zeigt...
Albert Schweitzer war Professur für evangelische Theologie, unvergessen sein Beitrage zur Jesus-Forschung, außerdem hat er einen Gedenktag der evangelischen Kirche.
Ich wäre mir wirklich Unsicher, was er mit Wahrhaftigkeit und Wahrheit meinte, zentrale Begriffe christlichen Glaubens.
Aber das Zitat finde ich wirklich schön :)
Albert Schweitzer sagte einmal..."Nur eine Zeit, die den Mut der Wahrhaftigkeit aufbringt, kann Wahrheit besitzen, die als geistige Kraft in ihr wirkt. Wahrhaftigkeit ist das Fundament des geistigen Lebens"... und nicht der Glaube an an höhere Mächte füge ich hinzu.
Zum Thema der herrlichen Polemik dieses Artikel, der die erste Seite der Wochenendausgabe schmückte, frage ich mich, warum jemand einen solchen Artikel schreibt, dessen einzige Qualifikation offensichtlich der Grundkurs Ethik in der Kollegstufe zu sein scheint.
Komplett frei von jeglichem Wissen und Verständnis von und über Religion und Glauben.
Wenn das "furchtlose Auslick auf die Zukunft und die freie Intelligenz" sein soll, dann sag ich nein Danke, denn es ist wirklich nicht schwer, den Papst gehaltvoll zu kritisieren, aber leichter geht es natürlich noch mit Allgemeinplätzen, wie Frau Zekri hier eindruckslos demonstrierte.
Paging