Neue SZ-Serie: Slam drüber Entspannt wie im Wohnzimmer

Slam drüber

Die Bühnen der Wortspieler. SZ-Serie (1)

Jeden Sonntag im Vereinsheim: "Schwabinger Schaumschläger"

Von Antje Weber

Literatur hat in München längst auf die Bühnen gefunden; Dichtervorträgen kann man seit Jahren nicht nur in großen Institutionen lauschen, sondern auch im kleinen Rahmen, in Kneipen und Theatern. Ob Lesebühne oder regelrechter Poetry Slam mit Wettbewerb - wir stellen in den nächsten Wochen vor, wo in der umtriebigen, gut vernetzten Münchner Szene was los ist. Enden wird unsere Serie Ende März, wenn die Bühnendichter zu Hochform auflaufen: bei den Bayerischen Meisterschaften im Poetry Slam, erstmals in München ausgetragen.

"Es könnte doch einfach entspannt sein! Es könnte doch einfach einfach sein!", singt das Duo Kupfer sehnsuchtsvoll. Dabei ist der Konjunktiv hier im Vereinsheim ziemlich unpassend: Bei der "Schwabinger Schaumschläger Show" ist es einfach entspannt, und einfach einfach wirkt es auch.

Zehn Jahre gibt es diese Lesebühne schon, und beim Jubiläum Ende April wird bestimmt noch das eine oder andere Bier mehr fließen als sonst schon. Dann wird auch wieder einmal Jaromir Konecny mit auf der Bühne stehen, mit dem Moses Wolff die Show einst gründete; "mein Baby" sagt Gründer Wolff liebevoll zu dieser Show, die längst eine Institution ist, unglaubliche 435 Mal ist sie bereits über die Bühne gegangen. Jeden Sonntag ("man hat sich dran gewöhnt") um halb acht, außer während des Oktoberfests und bei Fußball-Meisterschaften, findet man den Autor, Kabarettisten, Hansdampf-in-allen-Gassen Wolff in der Occamstraße - zusammen mit seinen Mitstreitern, dem Autor Michael Sailer (den man getrost zum Inventar des Vereinsheims zählen darf) und dem Liedermacher Christoph Theussl. Immer haben sie "jeweils einen neuen und einen alten Text" dabei, den sie vortragen. Immer holen sie ein paar illustre Gäste dazu, und jeder darf in der ersten und zweiten Hälfte des Abends je einmal auftreten.

Und immer wartet da ein treues, bunt gemischtes Publikum, das sich in ein paar Sitzreihen drückt, rund um einen gewaltigen Tresen schart und bei Bier und Currywurst mit Pommes über einen unterhaltsamen Abend freut. Etwa 80 Zuhörer sind es am 435. Sonntag, und sie genießen sichtlich die familiäre Atmosphäre, die den Schaumschlägern wichtig ist. "Es ist wie ein Wohnzimmer auf der Bühne", sagt Wolff, ein gemütliches Wohnzimmer mit ein paar Bildern, Pokalen und Fußballer-Fotos, mit vielen untereinander Bekannten. Stets beginnt Sailer mit einem feinen "Theaterstück zum Vorlesen", dann singt Theussl vielleicht vom "Käfer Eva", erklären Gäste wie Ludwig Müller den Schüttelreim oder wie Philipp Potthast die Kreuzung von Battle-Rap und klassischer Lyrik. Und immer endet es mit dem gemeinsamen Schwabinger Schaumschläger Song: "Der Schaum ist jetzt geschlagen, leicht wie ein Flaum - lass dich von ihm tragen in den Traum." Ein paar Stammgäste singen traumselig mit.