Die schönen jungen Darsteller in "Der Rote Baron" wirken wie aus einem Mode-Katalog. Aufpassen müssen sie nur, dass ihr feiner Schal nicht in den Propeller kommt.
Im Abspann des Films sind alte Fotos des Manfred von Richthofen und einiger seiner Geschwaderkollegen zu sehen: Die Männer sind nicht älter als die meisten Schauspieler, sie sehen aber reifer aus. Matthias Schweighöfer, der den Freiherrn von Richthofen darstellt, hat mit seinen 27 Jahren ein attraktives Bubengesicht. Das passt zum Film, der nur scheinbar vom Ersten Weltkrieg handelt. Letztlich ist "Der Rote Baron" eine klassische Entwicklungsgeschichte für Kinder. In dieser Variante ist sie mit Propellern versehen.
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Manfred lernt, dass es nicht genügt, sich ehrgeizig hervortun zu wollen: Nur wer mit anderen fühlen und die eigenen Interessen auch einmal hintanstellen kann, hat das Zeug, ein ganzer Mann zu sein. Für die Vermittlung dieser Einsicht ist die Krankenschwester Käte zuständig, die wunderhübsch ist und zufällig immer dorthin beordert wird, wo Manfred sich gerade befindet.
Sie bringt dem verliebten Fliegerass bei, dass Krieg "kein Spiel" ist und viele Infanteristen auf Frankreichs Schlachtfeldern elend sterben. Ohne sie käme der Pilot auf diesen Gedanken nämlich nicht. Der Zuschauer kann ihm das nicht verdenken, er selbst erfährt auch nur wenig mehr, als dass da Briten, Franzosen und andere ohne jeden Grund gegen Deutsche kämpfen. (Manches andere wird angedeutet, verständlich gemacht wird es nicht.)
Lena Headey, die Käte spielt, bringt Empfindungen vor allem dadurch zum Ausdruck, dass sie die Brauen zusammenzieht, sodass sich Falten über der Nasenwurzel bilden. So, stellt man sich als Kind vor, macht man es, wenn man Schauspieler ist.
1917 und 1918 wurde die Technik des Luftkampfs systematisch entwickelt. Die Deutschen setzten ihre Flugzeuge in massierten Verbänden ein: Im Tiefflug griffen ihre Maschinen mit Handgranaten, Maschinengewehren und Bomben die feindlichen Soldaten an, die in ihren Gräben hockten. An diesem Fortschritt in der Kriegstaktik war Manfred von Richthofen beteiligt. Dass er die Kompetenz zu taktischen Entscheidungen gehabt hat, kommt im Film zur Sprache. Da er sich aber - unter Kätes Einfluss - allmählich in einen Kriegsgegner wandelt, muss seine militärhistorische Rolle hinter dem Klischee des "Roten Barons" zurücktreten, dem Klischee des fairen Offiziers, das schon zu seinen Lebzeiten gepflegt wurde.
Manfred liebt also die Fliegerei, weil er sich da wie "ein Falke" vorkommt. Das Abschießen gegnerischer Flugzeuge betrachtet er als einen "Sport". Ein paar Minuten lang führt er denn auch ein sehr männlich-sportliches Gespräch mit einem britischen Piloten, nachdem beide zufällig gleichzeitig auf demselben Feld notgelandet sind. Und zufällig handelt es sich um denselben Piloten, den er schon einmal abgeschossen hat und der ihn im April 1918 dann seinerseits abschießen wird.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum die schöne Käte im Bademantel übers Rollfeld rennen muss.
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- Richthofen-Biographie Durchschossene Herzen 09.04.2008
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Ich finde es interessant, wie hier kommentiert wird... Metropolenfan hat sich den Film mal schnell vor Kinostart angeschaut, andere ("Ich habe zwar den Film noch nicht gesehen, aber was ich an Ausschnitten und Kritiken gesehen habe, reicht mir völlig") scheinen über übersinnliche Urteilskraft zu verfügen. Klar ist das Thema schwierig, die Aussage des Films vielleicht kontrovers (im übrigen findet die Verherrlichung des Titelhelden wenn überhaupt im Kopf des Betrachters statt - der Film versucht eindeutig auch die negativen Seiten zu transportieren), dennoch finde ich es lustig, dass der "verhetzungs"-Reflex auch bei diesem Werk anspringt. Mir ist absolut verständlich, warum aus Deutschland quasi nur jugendromanhafte coming-of-age stories, dümmliche komödien und staubige, oberlehrerhaft pingelige historien-docutainment Filme kommen. Ich bin sowieso dafür, dass Kriegsfilme nur mit hässichen, unausstehlichen Charakteren dargestellt werden sollten, damit man nicht gefahr läuft, den Film auf die ein oder andere Art irgendwie interessant zu finden. Wo kämen wir denn da hin ? Btw. hat der Rote Baron das Prädikat besonders wertvoll von der Filmbewetungsstelle erhalten. Was da für patriotische Gewaltverherrlicher sitzen ist ja allgemein bekannt...
Das ist meiner Ansicht nach aber genau der Punkt: die vielgescholtene US-Filmindustrie produziert zweifellos zu einem großen Teil völligen Mist. Aber sie produziert eben auch immer wieder gute, einfallsreiche, toll gemachte Filme die auch einen Sinn haben und meiner Meinung nach auch echte Kunst sind. Ich kann da wieder nur an die Coens erinnern, aber auch viele andere machen wirklich gute UND unterhaltsame Filme (Soderbergh z.B., oder Michael Mann). Auch bei sogenannten Kriegsfilmen kommen aus den USA einerseits furchtbar naive und dumme Heldenfilme (Z.b. "We were soldiers" mit Mel Gibson) andererseits aber auch Filme, die den Krieg sehr realistisch, brutal und menschenverachtend darstellen (Z.B. "the thin red line"). Bei vielen dieser Filmen schafft es eben das US-Kino, einerseits den Geschmack eines breiteren Publikums zu treffen und andererseits nicht in die BElanglosigkeit abzustürzen. Hier in Deutschland klappt das meiner Meinung nach nur äußerst selten; statt dessen wird so ein Mist wie "der rote Baron" abgedreht.
@Hoplit: P.S.: Sie waren schon auf dem richtigen Dampfer. Die Coen Brüder wurden nur wie in Amerika üblich bei der Migration umbenannt. Ursprünglich war der Familienname der alte Biblische Name Cohn.
@ottonormalverbraucher125:
Menschen, die mittels Filmen diese Mörder noch glorifizieren, gehörten wegen Volksverhetzung angezeigt
^^
Ansichtssache, ich finde Ihren Ansatz deutlich zu radikal. Da halte ich mich an die Philosophie. "Wer den Tod für das Vaterland als ehrenvoll betrachtet hat niemals den Krieg gesehen". Erfahrungen kann man eben oft schwer vermietteln, haben Sie also Nachsicht mit den Menschen.
wenn man von Kriegshelden spricht
in einem krieg kann es keine Helden geben nur Auftragskiller
Menschen, die mittels Filmen diese Mörder noch glorifizieren, gehörten wegen Volksverhetzung angezeigt
die Werbung im TV hat mir gereicht um diesen Schund anscheinend richtig einzustufen, der Film dürfte ja wirklich grottenschlecht sein
kitschig, dämlich und am Zeitgeist: es ist eben wieder modern Krieg zu spielen, Menschen umzubringen, zu unterdrücken auszubeuten und das alles für sehr fragwürdige Ideale
dass sich jetzt schon Filmemacher und Schauspieler daran beteiligen ist erschreckend, aber sie verdienen Geld damit und das heiligt ja alle Mittel
Die Kritik mag fair sein, aber fairer wäre es diesen Ansatz bei amerikanischen, bzw. Holywood Filmen anzusetzen. Dann nämlich würde man das historische wohl eher als purer nationalistisch anglikanischer Fantasy Käse übersetzen müssen.
Der Film versucht sich anzubiedern an das Internationale Milieu und das muss er, ansonsten hätte wir einen historischen Langweiler mit max. einen Flugzeug der auf ARD läuft und den keiner sehen will.
Das traurig ist nun mal das Geld verdient werden muss und daher die Wahrheit nur oft zu kurz kommt. 'Das Boot' war damals ein Ausnahmefall, wahrscheinlich international der realistischste Kriegsfilm aller Teiten. Immerhin hat der Film eine Botschaft, Mode schützt nicht vor Mord!
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