Das Netz ist kein Raum ohne rechtliche Regeln, aber oft genug ohne Anstand und zivilisierten Umgangston. Ein Paradies für Chauvinisten und Sexisten.
Nein, es stimmt nicht, dass Kinderpornografie "im echten Leben nicht möglich" sei, im Internet aber schon. Und dass das Netz keinesfalls ein "rechtsfreier Raum" ist, werden Deutschlands Fachanwälte für IT-Recht gerne jedermann bestätigen. Es waren tatsächlich kritikwürdige Sätze, die einer Spiegel-Redakteurin da am sehr frühen Morgen herausgerutscht waren, als sie vergangene Woche im Frühstücksfernsehen die Titelgeschichte "Netz ohne Gesetz" ihres eigenen Magazins kommentieren sollte.
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Am Wahlplakat der Politikerin Vera Lengsfeld arbeiteten sich die Kommentatoren mit Gehässigkeiten auf Pennälerniveau an der Körperlichkeit der 57-Jährigen ab. (© Foto: dpa)
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Wie aber danach mit diesem Lapsus in den Kommentarspalten der führenden deutschen Weblogs umgegangen wurde, das ließ fast annehmen, einige der Blog-Leser wollten partout beweisen, dass das Netz wo schon kein Raum ohne Recht, so aber doch einer ohne Anstandsregeln sei. Ob in den Kommentaren bei Netzpolitik, im Lawblog oder bei Stefan Niggemeier, überall, wo das Youtube-Video des Auftritts verlinkt wurde, schütteten User kübelweise chauvinistische Herabsetzungen über der jungen Journalistin aus, die größtenteils um ihr Alter, ihre Haarfarbe und ihr Aussehen kreisten. Die permanente Betitelung als Praktikantin war noch harmlos, bei Twitter ging es hin zu sexistischen Anmachsprüchen.
Ein solcher Umgangston, der einem in der Kneipe eine Ohrfeige, in anderen Zusammenhängen eine Beleidigungsklage einbringen würde, ist zwar in den Kommentarspalten der Blogosphäre nicht der allein dominierende, er bildet aber doch ein stetes Hintergrundrauschen, das gewaltig anschwellen kann, wenn ein Zielobjekt geboten wird. Dass die von jungen Männern geprägte Netzgesellschaft hier gelegentlich an einem Mindestmaß an Zivilität des Diskurses scheitert, den im Offline-Alltag ja auch keine Zensurbehörde erst mühsam erzwingen müsste, macht auch einige Protagonisten der digitalen Welt selbst nachdenklich.
"Es ist heute, online, ungleich einfacher, sich wirkungsvoll schlecht zu benehmen", räumt Christian Stöcker in einem lesenswerten Essay bei Spiegel Online ein. Nicht aber am Internet, so Stöcker, sondern an der Erziehung der Nutzer liege das. Hier anzusetzen versuchte Johnny Haeusler von Spreeblick, der seine Kommentatoren jüngst mahnte, man solle doch "den Ton so halten, wie man ihn auch im echten Leben hielte".
Anlass dafür bot die Häme über jenes Wahlplakat der Berliner CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, das sie tief dekolletiert an der Seite Angela Merkels zeigt. Statt an den politischen Vorstellungen Lengsfelds, die viel Angriffsfläche böten, arbeiteten sich auch hier die Kommentatoren vielerorts mit Gehässigkeiten auf Pennälerniveau an der Körperlichkeit der 57-Jährigen ab. Auf Lengsfelds Blog wurden die Kommentare daraufhin zumindest zeitweise geschlossen - was ihr prompt den Zensurvorwurf einhandelte. Spreeblick-Autor Frédéric Valin konnte angesichts ihn abstoßender Äußerungen unter seinem Blogeintrag zum Lengsfeld-Plakat die andere Seite verstehen: "Das Erschrecken vor dem unzivilisierten Raum ist meiner Meinung nach auch der Hauptgrund, warum viele Offliner glauben, das Netz sei ein rechtsfreier Raum."
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(SZ vom 17.8.2009/jeder)
......ein kollege berufen dem andern an die seite zu springen.
Wenn ich heute meinen arbeitgeber öffentlich so dumm dastehen lasse dann kann ich meine sachen packen bzw. wars das mit der karriere.
Und Spiegel und SZ wollen uns vormachen das sie einen funken besser sind als unsere politiker.
Keinen plan von nix aber schön nach vorne preschen.
Ne rampensau muß man halt sein, gelle.
mit dem Internet haben halt die Menschen ein besseres Sprachrohr um ihren Unmut kundzutun.
Vorbei sind die Zeiten wo Journalisten ihre Meinungen ohne Kontra abgeben konnten.
Jetzt weht ein anderer Wind, dumme Aussagen werden von der Netzgemeinschaft analysiert, bewertet und und mit einem Kommentar zurück an den Journalisten geworfen.
Und das ist auch gut so.
Sich darüber auszuheulen, zeigt davon das man immer noch nicht in der heutigen Zeit angekommen ist und den alten Zeiten nachheult, als man noch ohne die Gefahr der Kritik, Beiträge verfassen konnte.
Das anomische Potential des Netzes ist erkannt und bekannt, das ist doch nun wirklich nichts Neues. Statt das zu beklagen, sollte man eigentlich dankbar sein, daß man derart leicht einen relativ ungefilterten Blick auf die Triebstruktur des westlichen (männlichen) Menschen erhält. Wenn einem das nicht paßt, muß man gut kantisch (des Mensch ist aus krummem Holz) die Normen durchsetzen.
Zu Lengsfeld: Sie wirbt mit ihrem Körper und dort mit ihren sekundären G.smerkmalen, da wird sie sich darauf bezogene Kommentare gefallen lassen müssen.
Und wenn sich eine Spiegel-Blondine coram publico lächerlich macht, so gut sie eben kann, dann gilt noch immer: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
"Es waren tatsächlich kritikwürdige Sätze, die einer Spiegel-Redakteurin da am sehr frühen Morgen herausgerutscht waren, als sie vergangene Woche im Frühstücksfernsehen die Titelgeschichte "Netz ohne Gesetz" ihres eigenen Magazins kommentieren sollte."
Ist nichts Neues. Beim Spiegel gibt es so einige Gestalten die man in Frage stellen sollte. Einer davon ist Henryk M. Broder, meiner Meinung nach ein Rechtspopulist der Hass gegen das Fremde schürrt. Ja ja beliebt soll er sein? Ja zumindest bei Chaoten von PI-News...
@gepi1969:
Ich glaube, es liegt hier ein Missverständnis vor. ICH schätze Frauen wie die von mir zitierte "Zensi" sehr und bewundere, wie geschickt und freundlich sie ihre harte Arbeit machen. Dass sie ein Dirndl tragen, ist OK, zumal sie ja auch gar nichts anders dürfen, wenn sie diese spezielle Arbeit haben. Wenn aber diese beiden Politikerinnen ohne Grund mit ihren (nicht vorhandenen) Reizen spielen, so ist das m.E. unterste Schiene. Wäre es übrigens auch, wenn eine der Politikerinnen in jeder Beziehung die Schönheit in Person wäre. Was wollen sie überhaupt damit bezwecken und wo sind wir inzwischen hingekommen, dass Frauen in der Politik sich über so was anscheinend in die Köpfe und andere Körperteile der Menschen schleichen wollen? Und- die Frage tauchte bereits auf - was sagen die Feministinnen eigentlich dazu, vor allem die von Merkel doch stets so begeisterte Alice Schwarzer?
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