Von wegen altruistisch: Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales macht mittels kostenfreier Autoren Profite.
Vor anderthalb Wochen kam das von Bertelsmann verlegte "Wikipedia-Lexikon in einem Band" in den Handel, das auf knapp 1000 Seiten Inhalte der deutschsprachigen Version der Online-Enzyklopädie zusammenfasst. Als der Plan für den Druck des Lexikons im Frühjahr bekannt wurde, wandten sich einige der Autoren von Wikipedia ab, enttäuscht über die Kommerzialisierung ihrer kostenlos erbrachten Arbeit. "Dies spricht der ehrenamtlichen Leistung Hohn", beklagte sich einer von Ihnen.
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Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales: Unverhohlene Bewunderung für marktradikale Denker wie Friedrich August von Hayek. (© Foto: AP)
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Die Annahme, es gehe bei Wikipedia um Ehrenämter und Altruismus, ist unter den "Wikipedianern" wie in der Öffentlichkeit nicht selten anzutreffen, war aber wohl schon immer falsch.
Zwar hat sich Jimmy Wales, Mitbegründer der Seite und Ex-Präsident der Non-Profit-Organisation Wikimedia Foundation mit wolkigen Reden über Demokratie, Internet und die Weisheit der Massen das Image eines Weltverbesserers zugelegt, der irgendwo in einer Riege mit Al Gore und Bono an der Rettung unserer Zukunft beteiligt ist.
Andererseits macht der ehemalige Börsenoptionshändler Wales keinen Hehl aus seinen erzkapitalistischen Auffassungen, wie jüngst eine ganze Reihe von Artikeln über ihn vor Augen führten.
Gleiches Prinzip freiwilligen Engagements
Seine erste Frau, so berichtet sie in der Septemberausgabe des US-Magazins W, soll er davon abgebracht haben Krankenschwester zu werden, weil er von altruistischer Betätigung grundsätzlich nichts gehalten habe.
Der Economist versuchte im Juni Wales' Karriere aus seiner offen erklärten Bewunderung für libertäre und marktradikale Denker wie Ayn Rand und Friedrich August von Hayek zu erklären.
Einem Roman Ayn Rands, so findet der Blogger und Guardian-Kolumnist Seth Finkelstein, könne auch die Sprache entnommen sein, mit der Wales Menschen dazu bringe, mit Freuden ihre Arbeit kostenlos zu erbringen.
Wales' Firma Wikia Inc., gegründet 2004, ist finanziell nicht mit der Wikimedia Foundation verbunden, profitiere aber, so Seth Finkelstein, finanziell erheblich von der Assoziation mit dem Markennamen der Wikipedia.
Wikia Inc. betreibt die Suchmaschine Wikia Search und verschiedene Themen-Wikis, Spezialseiten , die nach dem gleichen Prinzip wie Wikipedia durch freiwilliges Engagement mit Informationen gefüllt werden.
Wales spricht von den Wikia-Seiten gerne als dem "Rest der Bibliothek". Allein Wookiepedia, ein Wiki zu den Star-Wars-Filmen, enthält 56.000 Artikel, mehr als etwa die kroatische Fassung der Wikipedia. Doch anders als bei der Netzenzyklopädie stellen die Autoren dieser Spezialnachschlagewerke von vornherein ihre Arbeit kostenlos einem profitorientierten Unternehmen zur Verfügung.
Nicht immer läuft das widerstandsfrei. Die Autoren eines Fan-Wikis über Transformers-Spielzeugroboter haben inzwischen im Streit um die von ihnen abgelehnte Platzierung von Anzeigen innerhalb ihrer Artikel Wikia den Rücken gekehrt und ohne Beteiligung von Wales' Firma eine eigene Seite eröffnet. "Was passiert eigentlich, wenn die digitalen Landarbeiter auf den elektronischen Plantagen nicht mehr glücklich sind?", fragt Seth Finkelstein.
Alexander Kluge, der intellektuelle Schattenspieler des deutschen Kinos und der deutschen Literatur, wird achtzig. Jetzt lesen ...
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(SZ vom 29.9.2008/pak)
Wikipedias Feldzug für die Verbreitung der westlichen Form der Demokratie gilt auch nur den anderen; bei Wikipedia selbst hält man wenig von der Herrschaft der Massen. Wenn die Foundation, in Konjektur: die Zentrale in San Francisco, sagt, etwas wird gemacht, dann endet jede Diskussion über ein neues Feature, ob die Wiki-Gemeinde das nun will, oder nicht.
Und wenn Features zur massenhaften Löschung von Artikeln benannt werden nach einem Massenvernichtungsmittel für Menschen, nämlich Nuke (Atombombe), dann darf man immerhin kurz zweifeln, ob jene Entwickler (und die Wiki-Gemeinde, die sich daran nicht im Geringsten stört) mit einer solch menschenverachtenden Sprache, die geradewegs aus dem Pentagon zu kommen scheint, geeignet sind, als Moral-Prediger aufzutreten.
Die Ausbeutung solcher digitalen Missionare stört mich persönlich nicht im Geringsten. Das verdienen Missionare jeder Couleur.
Je mehr Menschen von einer Sache begeistert sind und je bekannter diese Sache dann wird, umso mehr finden sich erbitterte Gegner, Anfeinder und Verleumder dieser Sache. Wikipedia ist ein wunderbares Beispiel. Es ist mit das Beste, was das Internet in den letzten Jahren hervorgebracht hat, es ist beispiellos, es ist gigantisch, tausende und abertausende von Leuten arbeiten daran mit, sowas gab's das letze Mal beim Pyramidenbau.
Und dann kommen sie aus ihren Löchern gekrochen. Die, die nichts dazu beigetragen haben; die, die immer gegen die Mehrheitsmeinung sind (aus Selbstverständnis oder was auch immer); die, denen das Modell nicht in ihr politisches Weltverständnis passt; die, denen das ganze Unheimlich ist (weil sie wie der Schreiber des Artikels selber wissen, wie aufwendig es ist, "Content" zu erstellen und die ihre Drüberstehertum dadurch zum Ausdruck bringen müssen, dass "die Anderen" als digitale Landarbeiter bezeichnet werden) und die vielen anderen, denen solche Projekte aus welchen sonstigen Gründen auch immer gegen den Strich laufen.
Es sind dann oft noch die Erzkapitalisten, die das Projekt schlecht reden, weil ein mutmasslicher Kapitalist (plötzlich böse, böse) daran beteiligt war. Wie krank ist so ein Kopf denn?
Folgendes zum Thema "Unnütze Web-Einträge", hier: "einen Landtagskandidaten":
http://www.sueddeutsche.de/,ra12l1/computer/965/311885/text/
Als ich vor 1 Woche einen Artikel über einen Landtagskandidaten veröffentlichen wollte, stand der Artikel sage und schreibe etwa 30 sek, bevor er weggelöscht wurde.
Die ganze Arbeit weg. Liest man, die AGB von Wikipedia, steht darin, dass der Artikel 7 Tage vorläufig gespeichert ist. Sollte ein Antrag über die Löschung von irgendjemand gestellt werden, würde es eine 7 tägie Diskussion über den Löschungsantrag gäben.
Wikipedia ist ein reines Lügengebilde und gaukelt den Menschen vor sie sei unabhängig. In Wirklichkeit stecken ernsthafte wirtschaftliche Interessen dahinter. Und kein Mensch kann durchblicken wie die Informationen zustande kommen.
Aber, aber. In der Wikipedia oder im Open-Source-Bereich hat (fast?) niemand "altruistisch" beigetragen, allerhöchstens aus Spaß, aber das ist auch schon alles. Dafür haben sich andere "Bezahlungsarten" herausgebildet. Statt mit konventionellen Tauschmitteln wie Geld wird mit Wissen, Zeit und vor allem Reputationen gehandelt (wer stört sich denn eigentlich daran, dass seine Ideen verbreitet werden? :-)) und das ist doch auch wichtig, weil sonst grob fehlinvestiert wird.
Das war doch auch FA Hayek's Punkt, nämlich, dass Wissen immer dezentral vorliegt und keine zentrale Instanz, kein Politbüro und kein Expertengremien das Wissen haben, was in der Gesellschaft verteilt vorliegt. Und ein Preisbildungsmechanismus, in den sich niemand einmischt, organisiert dafür, dass Wissen dort eingesetzt wird, wo es am meisten benötigt wird. Das ist ein ziemlich tiefgründiger Punkt und nicht umsonst ist Hayek derjenige Nobelpreisträger, von dem die meisten anderen Wirtschaftswissenschaftlichen Nobelpreisträger sagen, er hätte sie am meisten beeinflußt, auch Sozialisten übrigens. Der Weg zur Knechtschaft ist jedenfalls zurecht Standardliteratur und http://www.econlib.org/Library/Essays/hykKnw1.html sollte man auch gelesen haben, danach versteht man die Welt besser. Und Wikipedia.