Nachrichten aus dem Netz (69) Die Krise im Internet

Die Misere auf den Finanzmärkten macht auch vor dem World Wide Web nicht Halt - und teilt Blogger weltweit in zwei Lager. Nur wenige haben Erhellendes zu sagen.

Von Niklas Hofmann

Die Krise an den internationale Finanzmärkten teilt Online-Journalisten und Blogger weltweit in zwei nicht eben gleich große Lager. Auf der einen Seite gibt es die große Masse, die verzweifelt nach Orientierung und Erklärung sucht. Auf der anderen Seite steht die kleine Zahl derjenigen, die zu dem Thema Erhellendes zu sagen haben und den nötigen ökonomischen Sachverstand besitzen, um die unübersichtliche Lage wenigstens in Ansätzen zu durchschauen.

Einen angenehm übersichtlichen Einstieg in das Thema bietet die amerikanische Seite "The Money Meltdown", die zu ausgewählt guten Artikeln über die Krise verlinkt. Großes Lob erhalten etwa die beiden US-Rundfunkjournalisten Adam Davidson und Alex Blumberg vom öffentlichen National Public Radio für ihr Hintergrund-Feature "The Big Pool of Money", in dem sie erklären, wie sich die amerikanische Subprime-Krise zur globalen Finanzkrise auswachsen konnte. Auf der NPR-Website bloggen die beiden auch über die Finanzkrise.

Eine gute Adresse für Fortgeschrittene ist der Blog des niederländischen Ökonomen Willem Buiter, Professor an der London School of Economics, der für die britische Financial Times schreibt. Noch vor wenigen Monaten erarbeitete er im Auftrag der isländischen Landsbanki eine schonungslose Analyse des Finanzsystems des Inselstaats, die so niederschmetternd ausfiel, dass Buiter zustimmte sie unter Verschluss zu halten.

Nach der Verstaatlichung seiner damaligen Auftraggeber stellte Buiter seine harschen Befunde online. Und zum Fünfpunkteplan der G7-Staaten schreibt er zornig: "Wo bleiben bloß entschiedene Maßnahmen? Wo sind die international koordinierten Aktionen, von denen doch die Rede war?"

Für das US-Internetmagazin Salon zählt es zu den "Segnungen unserer internetvermittelten Informationswirtschaft", dass die Analysen des Princeton-Ökonomen Paul Krugman im Netz gleich in mehreren Schwierigkeitsgraden erhältlich sind - von der für Interviews im Kabelfernsehen komplexitätsreduzierten Version, die man auf Youtube findet, bis zu den Papers voll mathematischer Formeln und Kurven zur Erklärung der Krise, die Krugman über sein Weblog abrufbar macht.

Für viele amerikanische Blogger ist in diesen Wochen der New-York-Times-Kommentator endgültig zur Leitfigur in ökonomischen Fragen geworden. Als im US-Kongress das Rettungspaket für die Bankenbranche geschnürt wurde, blickten viele sonst meinungsstarke Vertreter der ersten amerikanischen Blog-Liga mit angehaltenem Atem auf Krugman und waren sich erst dann sicher, Henry Paulsons "Bailout" gutzuheißen, als der Princeton-Professor - wenn auch widerwillig - sein Placet gegeben hatte.