Musiktheater Überirdische Liebschaften

Virtuoses Topfklopfen: Das komplette Gesangsensemble der "Welt auf dem Mond" in einer Szene vereint.

(Foto: Sabina Tuscany/oh)

Die Münchner Kammeroper entdeckt Haydns "Die Welt auf dem Mond" für sich und haucht dem 1777 auf Schloss Eszterhazy uraufgeführten Werk neues Leben ein. Und dies an sehr passendem Ort: Schloss Nymphenburg

Von Egbert Tholl

Als Joseph Haydns Oper "Die Welt auf dem Mond" 1777 auf Schloss Eszterhazy uraufgeführt wurde, wurden noch ein Ballett und ein deutsches Singspiel als Marionettenoper gegeben. Anlass war die Hochzeit eines der Fürstensöhne, gleichzeitig aber war die Aufführung Teil des Opernbetriebs im Theater des kunstsinnigen Fürsten. Nach der Hochzeit verschwand das Stück erst einmal, bis recht weit ins 20. Jahrhundert hinein, bis es 1932 in Schwerin ausgegraben wurde. Haydn selbst schlachtete es aus, baute einige Nummern in andere Werke ein. Vielleicht, so kann man kühn behaupten, erfährt nun das Stück seine erste ihm adäquate Umsetzung, im Hubertussaal in Nymphenburg, denn das einzige, was der Aufführung durch die Kammeroper München fehlt, ist eine Hochzeit. Ein Schlossgarten, in dem diese stattfinden könnte, ist bekanntlich ebenfalls vorhanden.

Man kann sich kaum eine konfliktfreiere Oper vorstellen als diese. Zu Teilen beruht das Libretto auf Goldoni, was die Sache nicht schärfer macht. Ein Patriarch - in der Inszenierung durch Dominik Wilgenbus heißt er Herr von Gutglauben - verschließt seinen beiden Töchtern Helene und Klärchen die Außenwelt, weil er die bestmöglichen Partien für sie ersehnt, selbst flirtet er mit der Zofe Liese. Nun gibt es da einen selbsternannten Forscher, der es auf Klärchen abgesehen hat; er gaukelt dem Papa vor, der könnte durch ein Teleskop den Mond sehen, ein schwedischer Graf trifft ein, verknallt sich in Helene, sein Diener in Liese, gemeinsam macht man den Papa schlafend und dann glaubend, er sei auf dem Mond. Dort herrschen andere Gesetze, und in der Folge gibt es drei mehr oder weniger glückliche Paare.

Es wäre Klamauk, hätte Haydn nicht eine Ebene der echten Sehnsucht eingezogen, die Wilgenbus zunehmend schöner herausarbeitet. Der erste Teil erinnert an Filmkomödien der Fünfzigerjahre, ist also lieblich, der zweite bietet eine exzellente Verwirrnis und tiefere Einsichten. Auf dem Mond erklingen Celsta und Bassklarinette, wunderschön, das Orchester unter Nabil Shehata spielt entzückend, gleiches gilt für die Darsteller.

Der Counter Thomas Lichtenecker als schwedischer Graf ist reine Verzauberung, sehr lustig, die Damen Friedrike Mauß, Polly Ott und Vanessa Fasoli stehen dem in den unterschiedlichen Ausprägungen der Facetten von Weiblichkeit kaum nach, Oliver Weidinger schafft es mit Würde, den Trottel-Papa von der Aura der Knallcharge zu befreien. Stefan Hahn und Henning Jendritza vollenden das reizende Fest von Gesang und Schauspiel.

Die Welt auf dem Mond, Kammeroper München, Hubertussaal in Schloss Nymphenburg, bis 17. September, jeweils Mittwoch bis Sonntag