Misslungener Rettungsversuch in Kirche Rentnerin übermalt Jesus-Fresko

Es war nur gut gemeint: Eine ältere Dame wollte dem Verfall eines jahrhundertealten Kirchenfreskos in der spanischen Ortschaft Borja nicht länger zusehen - und hat es einfach übermalt. Nun gleicht das Bildnis nicht mehr wirklich dem Sohn Gottes.

Der arme Jesus: Um dem zunehmenden Verfall eines Kirchenfreskos in der spanischen Ortschaft Borja bei Saragossa entgegenzuwirken, hat eine ältere Dame selbst beherzt zum Pinsel gegriffen. Ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen, machte sich Cecilia Giménez auf den Weg in das Gotteshaus und übermalte die nur noch bruchstückhaft erkennbare Christusdarstellung.

Das Ergebnis der fragwürdigen Aktion veranlasst nicht nur Experten, sich die Haare zu raufen. Auch die Frau selbst wurde sich nach Vollendung ihres Werks offensichtlich der Zerstörung bewusst, die sie angerichtet hatte - und meldete sich bei Juan Maria Ojeda, dem Leiter der örtlichen Kulturbehörde. "Ich glaube, sie hat es gut gemeint", sagte Ojeda. Sie habe lediglich versucht, den immer unkenntlicher werdenden Gottessohn zu retten.

Die Malerei "Ecce homo" stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird dem Maler Elias Garcia Martinez zugeschrieben. Der materielle Wert liegt zwar nicht besonders hoch, für die Menschen aus der Umgebung soll es jedoch eine große ideelle Bedeutung haben. In der Kirche Santuario de Misericordia wird es hoch geschätzt. Im Lauf der Jahrzehnte war das Fresko durch das Eindringen von Feuchtigkeit zunehmend verfallen. Teile des Gewands und des Gesichts Jesu waren kaum mehr zu erkennen.

Anstatt das Bildnis zu restaurieren, hat die über achtzigjährige Giménez es nun aller Wahrscheinlichkeit nach endgültig ruiniert. Die feinen Pinselstriche des Originals wurden grob übermalt - die Figur gleicht in ihrer Haarigkeit eher einem Affen in schlecht sitzender Robe als einem ehrerbietig blickenden Jesus.

Fresko sollte bald restauriert werden

Ob das Bild wiederhergestellt werden kann, ist nach Angaben der Gemeinde noch unklar. Ojeda zufolge wird sich die Frau in den kommenden Tagen mit Experten treffen, um ihnen mitzuteilen, welche Materialien sie für ihre fragwürdige Kunstaktion genutzt hat. "Wenn wir es nicht wiederherstellen können, werden wir vielleicht ein Foto des Originals über das zerstörte Fresko hängen", sagte Ojeda.

Tragisch ist die "Rettung" des Christus von Borja auch deshalb, weil eine Enkelin des Malers dem örtlichen Zentrum zur Erhaltung von Kunstwerken eine großzügige Spende hatte zukommen lassen. Mit der Restaurierung sollte eigentlich in Kürze begonnen werden.

Berichten zufolge schließen die Behörden ein rechtliches Vorgehen gegen Cecilia Giménez nicht aus. In den spanischen Medien ist die Geschichte um den gutgemeinten Kunstfrevel zu einem der meistkommentierten Themen dieses Sommers avanciert.