Zwar ist Ignaz Bubis schon tot, doch Martin Walser entschuldigt sich nun, kurz vor seinem eigenen 80. Geburtstag, für die Heftigkeit im "Brandstifter"-Streit.
Kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag erklärte der Schriftsteller Martin Walser, er bedaure sehr, nach dem öffentlichen Streit um seine Friedenspreis-Rede im Herbst 1998 das Versöhnungsangebot von Ignatz Bubis nicht angenommen zu haben.
Bei Reich-Ranicki will sich Walser allerdings nicht entschuldigen: "Aussöhnen muss ich mich nicht, da ich keinen Streit wollte." (© Foto: dpa)
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In mehreren Gesprächen, unter anderem mit dem Hamburger Abendblatt und mit der Internet-Ausgabe der FAZ, bekannte er, er würde sich heute ganz anders verhalten, als er das damals getan habe: "Mein größtes Versagen hat stattgefunden im Gespräch mit Ignatz Bubis, Salomon Korn und Frank Schirrmacher im Haus der FAZ. Das war Anfang Dezember. Und ich war vom Skandal, vom Tumult und von der Heftigkeit der Vorwürfe und von der unglaublich unzureichenden Berichterstattung in den Medien so verkrampft, so erbittert, so verbohrt, dass ich auf Bubis' Angebot, den Brandstifter-Vorwurf zurückzunehmen, völlig borniert reagiert habe."
Das Gespräch war damals ohne einen Abschluss beendet worden: Bubis hatte zwar seinen Vorwurf gegenüber Walser, dieser sei ein "Brandstifter" des Antisemitismus, zurückgenommen, aber weiter darauf insistiert, die Friedenspreis-Rede sei missverständlich gewesen. Walser hingegen hatte darauf beharrt, völlig eindeutig gesprochen zu haben. Ignatz Bubis starb im Sommer des folgenden Jahres, ohne dass es zu einer Klärung der Differenzen gekommen wäre.
Auf den zwei Jahre darauf erschienenen Roman "Tod eines Kritikers" angesprochen, erklärte Martin Walser im Gespräch mit der FAZ: "Ich könnte mich nicht ein Jahr lang mit einer Figur beschäftigen, wenn ich sie nicht liebte." Das Buch handle von einer "unglücklich verlaufenden Liebesgeschichte zwischen einem Autor und einem Kritiker". Eine dermaßen private Deutung des Romans, der immerhin eine der heftigsten Kulturdebatten der vergangenen Jahre ausgelöst hatte, gab es bislang nicht.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ vom 19.3.2007/sueddeutsche.de)
Single Awareness Day
Martin Walser, das wird ein ganz Grosser. Nach seinem Tod.
Und ihn wieder hier zu reduzieren auf falsch gewogene Worte in einem interessengebundenen Beleidigtenstreit ziegt nur, dass er zu wenig gelesen wird.