Kurzkritik Altmodisch zauberhaft

Liederabend mit Edita Gruberová

Von Rita Argauer

Edita Gruberová hat etwas von einer Retro-Queen. Und das hat wenig mit ihrem Alter zu tun, obwohl es schon faszinierend ist, wie klar der Sopran der knapp 70-Jährigen immer noch ist. Doch bei ihrem Liederabend im Rahmen der Münchner Opernfestspiele zeigt sie erneut, dass sie auch eine Theater- und Konzertästhetik heraufbeschwört, die man heute nicht mehr so häufig sieht.

Mit Peter Valentovic am Flügel singt sie im Nationaltheater ein romantisches Programm. In der ersten Hälfte widmet sie sich slawischen Komponisten, in der zweiten Hälfte rückt sie mit Mahler und Strauss weiter nach Westen. Doch gerade zu Beginn kreiert sie erstaunliche Momente. Tschaikowskys "Otschego" gestaltet sie kindlich-staunend, das darauffolgende "Wiegenlied" ist immer noch sanft, obwohl hier und anschließend noch stärker bei Rimsky-Korsakov diese gewisse anachronistische Erzählhaltung durchblitzt, die das Klavier laut werden lässt und die Dvořáks "Zigeunermelodien" später kernig leuchten lässt. Dessen Folklore gibt sie mehr Drama, da kippt Gruberová fast in eine moritatenähnliche Haltung. Sie hat die Energie, mit der sie auch ein Wirtshaus in Bann halten könnte, gleichzeitig macht sie das natürlich mit der hochartifiziellen Virtuosität, um die es dabei genauso geht.

Solche Bögen und der Zauber ihres altmodischen Schauspiels mögen ihr bei Strauss' Blumenliedern ("Rote Rosen", "Mädchenblumen") nicht mehr ganz so rund gelingen. Die vier Lieder von Gustav Mahler, bei denen sie sich mit "Hans und Grete" oder "Scheiden und Meiden" auch eher die volksliedhaften herausgesucht hat, fängt sie jedoch wieder wunderbar ein. Doch erst die fünf Zugaben, mit denen sie dem Bilderbuchapplaus dankt, lassen in zwei Puccini-Stücken den Abend selbst zur Inszenierung eines Opern-Diva-Konzertes werden.