11 Kultur-Desaster Davon ging die Welt nicht unter

Tamagotchi

Kulturpessimismus ist keine Weltanschauung, sondern ein Reflex. Jeder hat dieses Rousseau-Gen in sich, man sollte es nur intellektuell im Griff haben. Rousseau-Gen kann man es nennen, weil der Kulturpessimist von einem Naturzustand ausgeht, in dem der Mensch eins mit sich selbst war. Dann kam irgendwann Zivilisation, die den Menschen aus seiner Selbstidentität herausriss.

Weil es offensichtlich ist, dass der technische Fortschritt viele Erleichterungen gebracht hat, ist der Kulturpessimist vor allem auf dem Feld des Innenlebens und der Kommunikation mit brennender Sorge unterwegs. Der Preis für den Fortschritt nämlich ist die Entfremdung. Kein Wunder, dass vor allem neue Kommunikationsmedien dem Kulturpessimisten aufs Gemüt drücken. Musterbeispiel ist das Tamagotchi.

Man könnte meinen, ein Quälgeist habe es erfunden, um Kulturpessimisten bis aufs Blut zu reizen. Das Tamagotchi, wir erinnern uns, war eine Mode aus Japan um 1997: Es hatte die Form eines Eis, und es musste per Knopfdruck gefüttert, bespaßt und in den Schlaf gewiegt werden. Bei sozialer Vernachlässigung starb es.