Kreuzigung: Klinsmann klagt gegen "taz" Wirf Witz vom Himmel!

Nicht der gekreuzigte Klinsmann, sondern Jesus müsste beleidigt sein: Jürgen Klinsmanns Klage gegen die taz offenbart eklatante Mängel beim Humorverständnis und der Bibelexegese.

Ein Kommentar von Christian Kortmann

Aus der Nacht hatte man die Bilder des so blutüberströmten wie intensiven Endes von Mel Gibsons Film "Die Passion Christi" noch im Kopf, als die taz auf dem Ostersamstagsfrühstückstisch landete. Da sorgte die taz-Titelkarikatur nur für Schulterzucken: ein gekreuzigter Jürgen Klinsmann und ein Monty-Python-Zitat. Eine kleine lustige Blasphemie nach der karfreitäglichen Passion, das ja, aber nicht sonderlich originell. Würde es reichen, um einige Unionspolitiker in Wallung zu bringen, die der taz Aufmerksamkeit und ein paar mehr Soli-Abos verschaffen?

Doch mit dem Lauf, den die Dinge jetzt nehmen, hatte man überhaupt nicht gerechnet: Nicht katholische Funktionäre beschweren sich, sondern Jürgen Klinsmann will die taz auf Schadenersatz und Unterlassung verklagen. Da fühlt sich jemand "massiv in seiner Menschenwürde verletzt", weil er mit Jesus verglichen wird. Das ist wahrlich originell, zumal in der heutigen Popkultur, in der es von Jim Morrison bis zu Jarvis Cocker zum guten Ton gehört, immer auch ein bisschen Erlöser sein zu wollen.

Man muss nicht religiös sein, um von der erzählerischen Wucht und der radikalen Konsequenz des Protagonisten der Evangelien fasziniert zu sein. Deswegen wird diese Geschichte seit Jahrtausenden erzählt, etwa von Mel Gibson oder in "Bibeln im heutigen Deutsch". Für Klinsmann übersetzt hieße das: "Jesus war der, der wo das Empowerment nach Palästina brachte und jeden Menschen jeden Tag ein bisschen besser machte." Nicht Klinsmanns, sondern Jesus' Anwälte auf Erden, so sie denn ähnlich humorlos wären, hätten also Grund zur Klage.

Markus Hörwick, dem Pressesprecher des FC Bayern München, der die Kreuzigung als "vielleicht die schlimmste Entgleisung, die es in den deutschen Medien jemals gegeben hat" bezeichnet hat, seien als Vergleich zur eher liebevollen taz-Karikatur die bisweilen drastischen Startseiten-Cartoons des Satiremagazins Titanic empfohlen, die fast jeden Tag darum betteln: "Bitte, bitte, verklagt uns!"

Buddhas für den Sperrmüll

Die Causa Klinsmann vs. taz zeigt eben auch, dass das Humorverständnis in Deutschland immer noch unterentwickelt ist. Die taz hatte mit der Zeile "Always Look on the Bright Side of Life" die Karikatur zur Sicherheit in einen humoristischen Kontext gestellt, obwohl eine Überschrift wie "Mein Hoeneß, warum hast du mich verlassen?" treffender gewesen wäre.

Wenn Jürgen Klinsmanns Anwälte nun beklagen, ihr Mandant werde "Objekt und gleichzeitig Opfer blasphemischer Angriffe", muss daran erinnert werden, dass Jürgen Klinsmann selbst öffentlich religiöse Symbole missbrauchte und einen Erlöser für Erlöse benutzte: als er nämlich zur Gewinnsteigerung eines Wirtschaftsunternehmens Buddhastatuen im Leistungszentrum des FC Bayern aufstellen und kurz darauf wieder abräumen ließ wie Spermüll.

Der Louvre des Lachens

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