Wer glaubt, Männer mit Familie seien irgendwie freundschaftlicher, der möge gelegentlich mit 130 auf der Autobahn die linke Spur benutzen. Mit Heckklappen-Besitzern ist nicht zu spaßen.
In einem langen Autofahrerleben lernt man so manches. Wenn es zum Beispiel früher nach Süden in den Urlaub ging, lagen am Rande der einschlägigen Pässe vom Wurzen bis zum Reschen stets viele Havaristen mit qualmenden Kühlern. "Der Motor überhitzt", sagte der Vater dann fachmännisch, und brummelte noch dazu: "Keilriemen". Vorbei. Zwar hat die Zahl der Autos enorm zugenommen, über die Pässe schiebt man sich im dichten Stau. Verluste gibt es dabei aber kaum. Kühler qualmen nicht mehr, und wenn am Straßenrand mal einer eine Panne hat, dann ist das in aller Regel auch phänotypisch ein Schrottkarren oder zumindest ein in Frankreich gebautes Auto.
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Trendsetter mit Seltenheitswert: Der Citroën CX Break war einer der Ersten. Irgendwann setzte dann der Kombiwahn ein. (© Foto: dpa)
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Völlig ungefährlich waren früher auch Kombis, also verlängerte Limousinen mit größerer Ladefläche. Erstens gab es davon nicht so viele. Zweitens wurden die meistens von Handwerkern oder anderen kleingewerbetreibenden Stützen der Wirtschaft benutzt. Irgendwann setzte dann aber der Kombiwahn ein, der auch noch auf das Syndrom "Dynamischer-Familienvater-mit-Dienstwagen" traf. Den Folgen dieser unglücklichen Koinzidenz ist man täglich auf Landstraßen und Autobahnen ausgesetzt.
Wurde man früher auf der linken Spur gerne von normal kofferraumigen BMWs und Benzen sowie dem einen oder anderen 911er weggefernlichtet, ist heute das klassische Scheuch-Gefährt ein Audi-Kombi, der mit ungefähr 220 Kilometer in der Stunde, getrieben von, was weiß man, 320 PS dahindonnert. Am Steuer sitzt ein stellvertretender Abteilungsleiter, auf dem Heck kleben zwei Papperln: "Anja on board" und "Sven on tour". Morgens sind Anja und Sven zu ihrem Glück nicht dabei, weswegen der Papa so fährt, als gelte es zwischen Kabul und dem Khyberpass einem X5 voller Taliban zu entkommen. Dabei ist der Papa nicht sehr rücksichtsvoll, denn warum sollte er, der vielleicht bald Abteilungsleiter wird und dann einen A6 Kombi bekommt, beim Spurwechsel auch noch blinken?
Selbstverständlich fahren die Kombi-Kamikazes nicht nur Audi (obwohl sie das gern tun), sondern ein Sammelsurium all jener Typen, die es als längere Autos in Schwarz oder Dunkelblau mit viel PS gibt: VW-Passats und BMW, hin und wieder auch Opel und sogar Skoda. Was einst der Heckspoiler an aggressivem Vortriebspotential symbolisierte, ist heute die Heckklappe.
Wer die Illusion hat, Menschen, gar Männer, mit Familie seien irgendwie weicher, freundlicher, nachbarschaftlicher, der möge gelegentlich mit 130 auf der Garmischer Autobahn die linke Spur benützen. Die Avants, Variants und Tourings werden ihn jagen, als habe Schwarz-Gelb endgültig den Verzicht auf die Besteuerung des Dienstwagens als geldwerten Vorteil beschlossen.
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(SZ vom 14.11.2009/iko)
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Horch, was braust von hinten ran - hollahi, hollaho - ist wohl'n smarter Audi-Mann - hollahi, hollaho. Blinkt mich schon von weitem an, zum Rasen da ist Autobahn?! Knurrig wechsle ich die Spur, bin ja willig von Natur, gucke rüber voller Frust. Nein, der tut es nicht aus Lust, wirkt wie Dieter Thomas Heck - Klappe auf, er grinst nicht keck. Panik herrscht in seinem Blick - rauscht vorbei, schaut nicht zurück. Ah, Kollege im Scénic, fährst, als säß' Dir im Genick Oberteufel Lucifer, welcher hinter Seele her.
Bloß ein alter BMW, Kombi - jetzt geht's auf, kein Schmäh! (Was tun mir die Augen weh, wenn ich diesen Bazi seh). Mit der Schnauze möglichst nah, singt gewiß: O quel cul t'as! Gott mit dir, du Stenz der Baywa, frißt zur Weißwurscht gleich nen Leihwa-gen, gern den Benz, besser Renault, zwengs Red Bull, und sowieso. Wuider Stier soff fruaah bis spaat fünf Maß Bier fei akkurat.
Doch tobt hier nicht Rinderwahn - ihn scheucht ein übler Caravan: Nordlicht du, auf frischer Tat, Piechs Fluch, VW Passat, Kiki Wulffens ärgstes Stück, kommst auch grad aus Osnabrück, hast die Pappnasen-Attrappe auf ganzer Breite an der Klappe. Denkt der Bayer, sakradi - ja, was stoist mi denn da hi?
Tja, wenn er men wissen tät, dat dem Wolf die Muffe geht, as dahinter (kombiniere), der Schrecken aller Kombi-Tiere, gräßlich wie Behemoth wacht - Audis fetter Abgott S 8. Blauer Panther faucht, owei, Ingolstädter Volkspartei, Feuer speit der heil'ge Geist - weiß doch jeder, wie er heißt, aller Schwarzen Schutzpatron war der Moritz immer schon. Nur daß in der Spätmoderne Hoasti schickt in Nah und Ferne Seinige als zwangsbeglückte Freistaat-G'sandte, nicht geschickte. Treibt die Herde dieser Schlimme dem Abgrund näher in vollem Grimme, zur Arena der Allianz, schluckt die Bayern nunmehr ganz.
Wotans Wilde Jagd, husch, husch, tobt vorbei, 3,4mal wusch. Hinterm Horizont geht's weiter - ich jedoch denk mir nun heiter: Und die Moral von der Geschicht', kauf dir keinen Kombi nicht; denn es dient sein Klappenheck fraglos einem Doppelzweck. Kister und die Moralisten lieben es, sich zu entrüsten. Praktiker und and're Pappis probier'n nur aus, wie eng und knapp is: Abstandhalten unter Druck. Mut hat auch der lahme Muck (gar Philipp?). Verborgen liegt der tief're Sinn freilich in Schwarz-Gelb-Doktrin: Tigerente in der Mitten, gewählt von jedem braven Dritten, spielt zwar munter Ententiger, weil doch zweifelsohne Sieger. Fürs Gemeinwohl schalten, walten darf sie nicht - nur Klappe halten.