Keira Knightley "Eine Treuepille würde ich niemals nehmen"

Die britische Schauspielerin Keira Knightley über Seitensprünge, Schuldfragen und die lebenslange Monogamie der Präriewühlmaus.

Interview: Kristin Rübesamen

Rom, Via del Babuino. Provinzieller Protz, die Männer tragen gebügelte Jeans, die Damen Pelz. Berlusconi ist wie immer zuversichtlich und überall werben Plakate mit einer Frau, die in Versuchung gerät, für das anstehende Filmfestival. Jetzt kommt die britische Schauspielerin Keira Knightley, 25, herein, barfuß, in einem seidenen Minikleid, ein Paar hohe Schuhe mit der unvermeidlich roten Sohle in der Hand. Sie kichert oft, gut gelaunt, auch ohne Grund. Kaum zu glauben, dass sie mal Fußball-Mittelstürmer war, angeblich magersüchtig ist und in 'Fluch der Karibik' schon dreimal eine Piratenbraut gespielt hat. Ab 30. Dezember ist sie im Ehe- und Eifersuchtsdrama 'Last Night' zu sehen, weshalb sich der Schwerpunkt 'Seitensprung' anbietet.

Süddeutsche Zeitung: Frau Knightley, in Ihrem neuen Film geht es um Affären. Ist es schwieriger geworden, eine Affäre geheim zu halten?

Keira Knightley: Auf jeden Fall für alle, die sich mit den neuen Kommunikationsmitteln schwer tun. Aber sonst? Es ist immer noch nicht möglich, Gedanken zu lesen, oder?

SZ: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Kontrolle des Staates über seine Bürger und dem Misstrauen der Menschen untereinander?

Knightley: Ich weiß nicht, ob sich meine Eltern mehr vertraut haben oder meine Großeltern, ich denke, die menschliche Natur hat sich nicht verändert. Menschen waren schon immer misstrauisch und auf der Hut. Früher hätte man eben die Briefe des Ehepartners über Wasserdampf geöffnet oder heimlich im Tagebuch gelesen. Natürlich kann man eine SMS lesen, aber man wird nie erfahren, aus welcher Situation heraus sie geschrieben wurde, welche Gedanken dahinter stehen. Wir glauben, wir können in die Köpfe der anderen hineinschauen, aber wir können es nicht, denn Menschen sind widersprüchlich. Wir werden niemals eine feste Aussage treffen können, und das begeistert mich wirklich.

SZ: Wie beurteilen wir dann strittige Situationen?

Knightley: Aus unserer eigenen Erfahrung heraus. Die entscheidende Frage im Film ist, ab wann beginnt der Verrat, ab wann macht sich eine Figur schuldig?

SZ: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass gelogene Antworten Sekundenbruchteile später kommen als wahre.

Knightley: Sie lügen ja nicht mal, sie sagen nur nicht die ganze Wahrheit.

SZ: Wie viel Aufrichtigkeit verträgt die Ehe?

Knightley: Oh je, ich bin nicht verheiratet. Oder sagen wir, Gott sei Dank.

Lesen Sie auf Seite 2, weshalb sich Keira Knightley über den Stellenwert von Treue in unserer Gesellschaft ärgert.

Schön durchsichtig

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