Kampf gegen Raubkopierer Der gläserne Zuschauer

Im Kino festgenommen: Die Filmbranche setzt auf moderne Technik und drakonische Strafen, um Raubkopien zu verhindern. Sogar Gefängnis ist möglich.

Von Martin Zips

Von außen sieht das Dresdner Rundkino wie ein Ufo aus. Kein modernes Ufo, mehr so eins aus den dilettantisch-liebevollen Filmen eines Ed Wood. Das drei Jahrzehnte alte Gebäude steht unter Denkmalschutz. Nachdem es lange Zeit leer stand - der ehemalige Eigentümer ging pleite, vor sechs Jahren beschädigte Hochwasser das Haus - wird es erst seit ein paar Tagen wieder vollständig als Kino genutzt. Eine finanzielle Herausforderung, schließlich sind im großen Saal fast 900 Sitzplätze in jeder Vorstellung neu zu besetzen. Dieser Tage läuft in diesem Saal - natürlich - "James Bond". Was die Besucherzahlen angeht, ist "Ein Quantum Trost" schon jetzt recht erfolgreich.

Es ist dem schönen Rundkino zu gönnen, dass es vom Bond-Erfolg profitiert. Profitieren wollten indes auch die zwei Slowaken, die am Sonntag in der Nachmittagsvorstellung von einem Kinobesucher dabei beobachtet wurden, wie sie eine kleine, rot blinkende Videokamera auf die Leinwand richteten. Im Kinosaal begann eine Art Krimi:

Kein Quantum Trost

Der 41-jährige Filmfreund, wahrscheinlich sensibilisiert von Kampagnen wie "Respect Copyrights", meldete seine Beobachtungen umgehend dem Kinopersonal, das sogleich die Polizei informierte. Die Beamten nahmen das Raubkopierer-Duo samt dem neuen Bond - er befand sich in einer erschreckend miesen Bild- und Tonqualität auf einer 8GB-Speicherkarte - noch im Kino fest. In der Pressemitteilung konnten sich die Polizisten ein kleines Wortspiel nicht verkneifen: "Die Polizeibeamten", so hieß es, "spendeten (k)ein Quantum Trost für den verpatzten Einsatz der Hobbyagenten. Vielmehr leiteten sie ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Kunst- und Urheberrechtsgesetz ein."

Da die Festgenommenen "nicht einschlägig bekannt" waren, ließ sie die Polizei gegen "ein paar hundert Euro Sicherheitsleistung wieder frei". Bald werden sich der 29-Jährige und sein 30-jähriger Komplize vor Gericht verantworten müssen. Ihnen drohen Freiheitsstrafen und Schadensersatzforderungen. Schließlich ist nicht nur das Dresdner Rundkino auf zahlende Filmfans angewiesen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum die Bond-Vorpremiere in Bukarest gestoppt werden musste.