"Eine beispiellose mediale Entgleisung"': Der Trainer von Bayern München fordert Schadenersatz von der taz.
Jürgen Klinsmann, der Trainer des FC Bayern, will die Berliner Tageszeitung taz auf Schadenersatz und Unterlassung verklagen. Das teilte sein Anwalt Bernd Gabriel dem Blatt nun in einem Schreiben mit, welches der SZ vorliegt. Klinsmann beschwert sich darin, wie zuvor schon Vereinssprecher Markus Hörwick, über den Ostertitel der taz. Darauf war der Trainer neben der Schlagzeile "Always Look on the Bright Side of Life" in einer Fotomontage am Kreuz hängend zu sehen - eine Anspielung auf den Monty-Python-Film Das Leben des Brian.
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In seiner Menschenwürde verletzt: Jürgen Klinsmann klagt die taz an. (© Foto: ddp)
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"Unser Mandant hält diese Darstellung (...) für eine beispiellose mediale Entgleisung", heißt es im Schreiben. Klinsmann werde zum "Objekt und gleichzeitig Opfer blasphemischer Angriffe, die ihn zutiefst und massiv in seiner Menschenwürde und in seinem - auch religiösen - Persönlichkeitsrecht verletzen". Die taz solle eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterzeichnen, sonst werde man "unverzüglich" gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen. Für den Fall, dass der Titel weiterverbreitet wird, fordert Gabriel 50000 Euro Vertragsstrafe.
Die taz-Chefredakteurin Bascha Mika sagte auf Anfrage, dass ihre Zeitung die Erklärung nicht zu unterzeichnen gedenke. Es handle sich bei dem Titelbild vom Samstag "eindeutig um Satire". Sie selbst habe sich über Klinsmann gewundert, sagte Mika: "Ich habe ihn immer sehr sympathisch gefunden. Dass er so wenig Humor und so wenig Sinn für Satire hat, hätte ich nicht gedacht." Der Justiziar der taz, Peter Scheibe, sagte, er sehe der Auseinandersetzung mit Klinsmann "gelassen" entgegen.
(SZ vom 15.04.2009/irup)
Bundespräsident Gauck in Israel
Ein Nachklapper (gestern nachmittag war ich nicht mehr am Computer).
Vielleicht hat die taz ja tatsächlich Klinsi mit Brian vergleichen wollen. Allerdings habe ich sofort an Jesus gedacht, obwohl ich den Film mehrmals gesehen habe. Im übrigen kann ich Ihnen natürlich zustimmen. Um Blasphemie geht es hier nicht und Klinsi wird sehr bald zu spüren bekommen, was es heißt Trainer beim FCB zu sein. Wer den Job übersteht, ohne paranoid zu werden, hat wirklich Nervenstärke.
Aber genug vom Fußball, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Getreu dem Motto "And now for something completely different wende ich mich nun wieder anderen Dingen zu.
JoJoGerstner hat mit seinem Beitrag weite Teile meiner Meinung bereits abgedeckt. Durch die Verknüpfung mit "Always look ...", dem Titelsong des "Leben des Brian", scheint hier klar erkennbar die Verknüpfung zu Brian zu stehen und nicht zu Jesus. Brian ist durch eine Verwechslung zu einer Person hochstilisiert worden, die er nicht sein wollte - das kommt ja auch deutlich im Film heraus. JK scheint, rückblickend auf seine Leistungen, das gleiche Schicksal zu erleben.
Blasphemie scheidet für mich schon von vornherein aus; ich würde JK nicht mal ansatzweise irgendetwas Göttliches unstellen wollen, so leid dies mir tut. Religiöses Empfinden gestört zu haben kann ich mir ebenfalls nicht vorstellen bei der Anzahl der Figuren, die er an der Säbenerstrasse hat verteilen lassen (mit eigenen Augen gesehen).
Dass die taz gerne mal deftig dreinhaut, ist allenthalben bekannt. Satire und Karrikatur sind, gekonnt eingesetzt, das Florett. Hier war es nunmal eher der schwere Säbel. Ich für meinen Teil fühle mich durch diese Darstellung in keiner Weise beleidigt. Darüber hinaus kann ich mir sehr gut vorstellen, was passieren wird, wenn JK nicht sehr bald deutliche Erfolge abliefern wird. Dann wahrscheinlich wird das Dreigestirn dieses Titelbild als Vorlage nehmen und es umsetzen. Ihr Punkt 3 wird dann Realität werden. Es wäre nicht die erste Kreuzigung eines Propheten durch den Hohen Rat.
Klinsmann sollte sich um Fußball kümmern, und nicht auf Satire mit Anwälten reagieren. Das ist bislang immer schief gegangen.
Vielleicht hat man ihn von Freundesseite dazu gedrängt damit man ihn los wird in Bayern.
Für die taz eine gute und kostenlose Werbung
das Lob geht zurück: ich finde Ihren Beitrag ebenfalls gelungen.
Ich gebe zu: Bei der taz-Karikatur weiß ich bis jetzt nicht, ob sie über oder schon unter der Gürtellinie liegt. Vielleicht irrietiert mich gerade das, denn in ähnlichen Fällen fühle ich mich in meinem Urteil ziemlich sicher.
Ich kann Ihnen in drei Dingen zustimmen: 1. Im Fußball geht es nicht sanft zu (und beim FCB schon gleich nicht). 2. Ich zweifle ebenfalls an der Verletzung der religiösen Gefühle des JK. Vermutlich haben das die Anwälte reingeschrieben, ihrem Mandanten haben sie damit nichts Gutes getan. 3. Der Fußball trägt tatsächlich relgiöse Züge.
Aber rechtfertigt das alles eine solche Karikatur? Das erinnert mich ein bißchen an die Argumentation, man dürfe Prominente auch im privaten oder halbprivaten Bereich fotografieren, selbst wenn sie das nicht wollen, denn sie lebten ja von der Öffentlichkeit. Aber wenn es ein Grundrecht auf Privatheit gibt oder ein Recht sich gegen Beleidigung zu wehren, dann gilt das eben auch, wenn sich ein Mensch daneben benimmt oder sich selbst für den größten hält, auch wenn er es nicht ist. Das ist manchmal schwer zu ertragen, aber trotzdem gut so.
Die Frage bleibt für mich: Liegt hier so etwas wie eine Beleidigung vor oder nicht. Und da grüble ich halt ...
Viele scheinen sich über die Satire der taz aufzuregen. Allerdings bleibt bei der Begründung "blasphemisch" oder "gegen den guten Geschmack" oder "gegen das religöse Empfinden" unklar, was genau zu der Aufregung führt.
Zunächst mal gibt es im Christentum kein Verbot der Darstellung des Kreuzes. Somit liegt kein Verstoss gegen formale Vorschriften vor. Auch inhaltlich kann wenig gegen die Montage eingewandt werden.
Zunächst ist unklar, welche Person, die am Kreuz hängt, von der taz eigentlich verulkt wird. Ist es Jesus oder nicht viel mehr Brian. Und warum stört sich Klinsmann mit Jesus oder Brian verglichen zu werden. Ist Jesus nicht ein beliebtes Vorbild? Wird Klinsmann herabgesetzt, wenn er mit Jesus oder Brian verglichen wird?
Die reflexartige Aufegung zeigt, dass keine Auseinandersetzung mit dem möglichen Inhalt des Titelbildes stattgefunden hat.
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