Wie wird der Journalismus morgen aussehen? Wer über die Zukunft reden will, muss die Vergangenheit kennen. Henri Nannen, Rudolf Augstein, Axel Springer - bei allen Differenzen und Unterschieden wussten sie, dass der Journalismus eine Aufgabe hat, die über das Geldverdienen hinausgeht. Es ist wichtig, dass Journalistenschüler und Volontäre nicht nur lernen, wie der "Crossover-Journalismus" funktioniert, dass sie nicht nur lernen, wie man effektiv und schnell schreibt und produziert, sondern dass sie auch erfahren, dass es journalistische Vorbilder gibt - und warum sie es sind und wie sie es wurden. Warum? Weil sie nicht nur wunderbare journalistische Handwerker waren, weil sie nicht nur kluge Verleger waren - sondern weil sie eine Haltung hatten.
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Haltung: das Wort ist aus der Mode gekommen. Haltung heißt: für etwas einstehen, Haltung heißt: sich nicht verbiegen lassen, nicht von kurzfristigen Moden, nicht von unrealistischen Renditeerwartungen, nicht von Bilanzen. Wenn die journalistische Bilanz der Zeitung, eines Medienunternehmens stimmt, dann stimmt langfristig auch die ökonomische. Zur angemessenen journalistischen Haltung heute gehört auch, sich gemeinsam zu überlegen, wie man auf "kreative" Weise sparen kann. Das heißt: Man muss sich darüber klar werden, was eine Presse braucht, die ihre Freiheit gegen die Ökonomisierung von Nachrichten- und Medienmärkten politisch verteidigen will. Es hat einen Grund, warum es das Grundrecht der Pressefreiheit gibt: Pressefreiheit ist Voraussetzung dafür, dass Demokratie funktioniert. Wird dieser Grundsatz nicht mehr geachtet, wird das Grundrecht grundlos. Dann verlieren Zeitungen wirklich ihre Zukunft.
Geist mutiert zu Geistlosigkeit
Zuletzt hat sich in Deutschland David Montgomery bemüht, der Berliner Zeitung den Journalismus auszutreiben und aus der Zeitung eine Benutzeroberfläche zu machen, auf der immer weniger von dem platziert wird, was Geld kostet (gute Artikel), aber immer mehr von dem, was Geld bringt (Product-Placement). Das Muster kennt man aus den USA: Journalisten werden entlassen, Korrespondenten eingespart, Redaktionen aufgelöst, eigene Texte durch solche von Agenturen ersetzt oder billig eingekauft. Die Chefredaktion verwandelt sich in eine Geschäftsführung. Geist mutiert in Geistlosigkeit. Man spart, bis die Leser gehen. Es ist wie eine absonderliche Version des Märchens vom Rumpelstilzchen: Es wird - aus Geldsucht und Unverstand - Gold zu Stroh gesponnen. Bei der Berliner Zeitung hat sich das Blatt nun hoffentlich zum Besseren gewendet. Montgomery ist weg, trotzdem muss man befürchten, dass sein Beispiel Schule macht.
Die gute Zukunft der Zeitung sieht anders aus: Die Tageszeitung wird sich des Internets wegen verändern - sehr viel mehr, als die Konkurrenz von Rundfunk und Fernsehen sie verändert hat. Der Inhalt der Zeitung wird ein anderer sein, aber die Zeitung wird erst recht Zeitung sein: Die Texte, die dort stehen, werden Nachrichten im Ursinne sein müssen, Texte zum Sich-danach-Richten. Es wird Texte und Formen geben, die den Datentrash des Internets sortieren, ordnen, bewerten. Das kriegt man nicht umsonst, das kostet. Ein Billigjournalismus ist zum Wegwerfen, nicht zum Lesen.
Viele Zeitungsleute reden über das Internet wie von einem neuen Hunneneinfall. Die Hunnen kamen vor 1500 Jahren aus dem Nichts, schlugen alles kurz und klein und verschwanden hundert Jahre später wieder. Das Internet schlägt gar nichts kurz und klein. Das ist die Lehre aus jeder mediengeschichtlichen Revolution: Kein neues Medium hat je die alten Medien verdrängt. Es kommt zu Koexistenzen. Das Internet ersetzt nicht gute Redakteure, es macht gute Journalisten nicht überflüssig; im Gegenteil: Es macht sie wichtiger als bisher.
Es wird mehr denn je gelten: Autorität kommt von Autor und Qualität kommt von Qual. Dieser Qualitäts-Satz hängt zwar in der Hamburger Journalistenschule, gilt aber nicht nur für Journalistenschüler. Er meint nicht, dass man Leser und User mit dümmlichem, oberflächlichem Journalismus quälen soll. Qualität kommt von Qual: Dieser Satz verlangt von Journalisten in allen Medien, auch im Internet, dass sie sich quälen, das Beste zu leisten - und er verlangt von den Verlegern, dass sie die Journalisten in die Lage versetzen, das Beste leisten zu können.
Der Text referiert in Auszügen den Eröffnungsvortrag, den Prantl bei der Jahrestagung der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche vergangenen Samstag in Hamburg gehalten hat.
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(SZ vom 08.06.2009/kar)
Wettmanipulation im Fußball
lässt sich Tiziano Terzani, ehemaliger Spiegeljournalist, der zu dieser Thematik hätte noch einige sinnvolle Ratschläge parat (1972 - 1997 Korrespondent des Spiegel in Asien: Singapur, Hongkong, Peking, Tokio, Bangkok und NeuDehli).
Er schrieb für. Corriere della Sera, für L'espresso und La Republicca.
Mit "Das Ende ist mein Anfang" haben Jungjournalisten Gelegenheit, sich weiterbilden.
Journalist sein, heißt u.a.: "Ganz nah zu sein und doch distanziert"...........
Davon kann sich so mancher Journalist eine Scheibe abschneiden.
Grundsätzlich kann ich dem Verfasser nur zustimmen. Das soll kein Loblied sein.
Aber Journalismus muss sich, um glaubwürdig zu bleiben, den täglichen Herausforderungen immer neu stellen.
Bei den grossen überregionalen Zeitungen ebenso wie in den Lokalzeitungen.
Bei den letztgenannten habe ich aber eher den Eindruck, dass man sich dort ziemlich
sicher zu sein scheint, dass das Blatt von vielen nur deshalb abonniert wird, um zu
erfahren, wer gerade gestorben ist und genause sehen diese Blätter dann aus.
Selbstverständlich liefern die für eine Zeitung arbeitenden Journalisten auch unterschiedliche Qualität(Es wäre schlimm, wäre es anders.).
Und darüber kann man vortrefflich streiten.
Wirklich schlimm wäre ausgesprochene Hofberichterstattung.
Soll ja aber, da die Medien so unabhängig und überparteilich sind, nicht existieren.
Zensur nicht statt. Es kann also jeder schreiben, was er will und es findet sich auch immer ein Blatt, in dem es veröffentlicht wird, auch wenn es der gröbste Unfug ist.
Und da hilft eben nur die Forderung an die Schreiber, selbst gründlich zu recherchieren,
bevor man das der Öffentlichkeit zumutet.
Am Beispiel eures eigenen Blattes, der SZ, könntet ihr doch selbst den traurigen Niedergang des Journalismus festmachen - aber ihr weigert euch doch selbst, diese traurige Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen.
Ihr könnt damit der Politik, für die ihr regelmässig hofberichterstattet, die Hand reichen. Dort sieht es genauso aus wie im Blätterwald. Alle Mann stehen mit beiden beiden tief in den Wolken. Im Vordergrund steht der der eigene Egoismus in Form eines übersteigerten Selbstwertgefühls, teilweise ideologiegesteuert, grossteils pekuniär angetrieben.
Man macht gemeinsame Sache mit den Wenigen, die das ganz grosse Geld besitzen. Da lebt es sich ja auch bequemer. Und wer sich diese Krake EU z. B. nicht gefallen lassen will, der erhält sofort den Stempel "rechts", "braun" oder sogar "rechtsradikal".
Das ist ein Skandal, der hoffen lässt, dass die Bloggerwelt noch mächtiger wird, damit der Geist endlich wieder etwas freier atmen kann.