Von Hans-Jürgen Jakobs

Die ARD ist ein medienpolitisches Problem losgeworden: RTL-Star Günther Jauch sagt dem öffentlich-rechtlichen Senderverbund ab - und wird nicht wie geplant als Nachfolger von Sabine Christiansen von Herbst an die politische Talkshow am Sonntag im Ersten moderieren.

Das erklärte Jauch ganz offiziell. Als Grund gab der 50-Jährige an, dass die ARD darauf gedrungen habe, er solle "journalistisch exklusiv" für das Erste tätig sein und eine weitere Sendung übernehmen: "Ich wollte aber keine Zusagen über den Sonntagabend hinaus geben."

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Als weiteren Grund nannte Jauch, dass die ARD die Zuständigkeit für seine Show den Chefredakteuren habe unterstellen wollen. "Damit wäre nach meiner Auffassung die Sendung dem ständigen Risiko ausgesetzt, zum Spielball der politischen Farbenlehre innerhalb der ARD zu werden." Dies entspreche nicht seinem Empfinden von "innerer Freiheit und äußerer Unabhängigkeit". Nun sind sie geschiedene Leute: verliebt, verlobt, nicht verheiratet.

Tatsächlich hatten die Rundfunkräte der ARD-Sender große Bedenken, dass Jauch neben seinen RTL-Shows wie "Wer wird Millionär?" und "Stern TV" die wichtigste Talkrunde der ARD quasi nebenbei übernehmen sollte. Eine solche Doppel-Nummer passt nicht zu den Vorgaben der Bundesländer und der EU-Kommission, den privaten und den gebührenfinanzierten Fernsehsektor strikt voneinander zu trennen.

Die bisherige Lösung, die politische Plauderrunde Sabine Christiansen unter die Obhut der Unterhaltung zu stellen, war immer stärker als sehr unglücklich empfunden worden. Jetzt hat der WDR-Moderator Frank Plasberg eine Chance, mit seiner substantiellen und populären Talkshow "Hart aber fair" den Sonntagabend zu bestimmen.

Um Jauch hatte sich vor allem der NDR-Intendant Jobst Plog und der ARD-Programmdirektor Günter Struve bemüht. Sie wollten Jauch langsam ganz von RTL weg zur ARD hinüberziehen. Der TV-Star selbst konnte sich im Alter eine seriöse journalistische Tätigkeit gut vorstellen - doch gleichzeitig denkt er sehr merkantil. Seine Produktionsfirma I + U lebt stark von RTL-Aufträgen.

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