Er duzt Boris Becker, raucht mit Helmut Schmidt Zigarette und bleibt vor Harald Schmidt angezogen. Im SZ-Interview spricht der Moderator Reinhold Beckmann über Talkshows, Stilfragen und den Wettkampf mit "Kerner".
SZ: Herr Beckmann, Frank Plasberg bekommt für sein Streitgespräch Hart, aber fair den Grimmepreis. Hat seit Michel Friedman das Streitgespräch als Talkshow gefehlt?
Vom Hobbyfilmer zum Talkshow-Moderator - Reinhold Beckmann. (© Foto: AP)
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Reinhold Beckmann: Eigentlich ja. Die klassische Auseinandersetzung als Stilform finde ich gut. Ich habe mich immer gewundert, warum Politiker das Prinzip Friedman nie durchbrochen haben, in dem sie es umkehren. Ich hätte Friedman befragt und das Körperliche, das Anfassen, das Tief-in-die-Augen-Gucken thematisiert.
Er hat sich im Laufe der Zeit immer weniger für die Antworten, sondern vorwiegend für die Fragen interessiert. Das war Teil seiner Haltung, eine konsequente Ignoranz. Immerhin bekamen die Gespräche dadurch Tempo. Ich war oft überrascht, wie die Politiker bei ihm in den Seilen hingen, schweißnass auf der Oberlippe.
SZ: Plasberg dagegen?
Beckmann: Frank Plasberg ist hartnäckig, aber im Wesen warmherzig. Er wird nie abschätzig, deshalb macht er eine erfolgreiche Sendung. Er ist ein richtig guter Gastgeber.
SZ: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Studio-Gäste vor?
Beckmann: Sehr sorgfältig: Recherche im Archiv, Recherche im Umfeld des Gastes, Gespräche mit Kollegen, die den Gast kennen, ein direktes Vorgespräch meiner Redaktion. Der Gast soll merken, dass wir uns für ihn interessieren.
SZ: Merkt er das nicht schon daran, dass er eingeladen wird?
Beckmann: Viele Gäste kommen zu uns, die nicht medienerfahren sind. Denen möchte ich vorher die Schüchternheit nehmen. Ich will ja keine bloßen Plaudereien, sondern Verdichtung. Dafür muss der Gast frei sein.
SZ: Täuschen Talkshows nicht eine Intimität vor, die sie gar nicht haben?
Beckmann: Wir täuschen weder vor noch an, sondern sprechen mit Menschen über Themen. Wir sind die Talkshow mit den längsten Gesprächen, mit der größten Konzentration, Nähe und Intensität. Wir haben kein Publikum.
Das heißt, unsere Gäste können nicht über eine Pointe flüchten und mit dem Publikum fraternisieren. Wenn das Publikum klatscht und lacht, ist Nachfragen oft kaum noch möglich. Das Nachfragen wird zum Bohren, und Bohren ist schlecht.
SZ: Sie bohren doch auch.
Beckmann: Nein, ich frage dann nach, wenn es mir um die Sache geht und wenn ich das Gefühl habe, dass die Antwort nicht umfassend war.
SZ: Neulich haben Sie mit Helmut Schmidt eine Zigarette geraucht. Ist das nicht fraternisieren?
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