Interview: Anthony Hopkins Sein, Schein, Schwein gehabt

Anthony Hopkins über Freud und Leid der Schauspielerei - und des Schauspielunterrichts

Sir Anthony Hopkins lässt sich bei öffentlichen Äußerungen nicht gerne auf etwas festlegen - aber als Schauspieler ist er eine so große Nummer, dass er seinen Titel behalten durfte, als er die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm.

(Foto: SZ v. 30.10.2002)

SZ: Ist noch irgendetwas übrig an Hannibal Lecter, was Sie noch nicht kennen?

Anthony Hopkins: Nein, eigentlich nicht. Ich war mir ja gar nicht sicher, ob ich ihn noch einmal spielen wollte. Dann las ich das Script und sagte: Machen wir's. Ich dachte mir, ich kann ihn noch gefährlicher und wütender spielen.

SZ: Mit mehr Ironie?

Hopkins: Das ist mein Job. Aber er ist ein Mörder, als solchen muss man ihn nehmen. Er ist nicht charmant. Aber das war es jetzt auch. Ich würde Hannibal schon wegen dieser nicht endenwollenden Interviews nicht wieder spielen. Ich habe so viele andere Rollen gespielt

SZ: Sie unterhalten sich überhaupt nicht gern über Schauspielerei, oder?

Hopkins: Nein - das macht mich zu einem sehr schlechten Interviewpartner.

SZ: Siegeben in L. A. umsonst Schauspielunterricht - da muss man doch auch über Schauspielerei reden.

Hopkins: Das mache ich wirklich wahnsinnig gern. Wir spielen Szenen von Ibsen oder Shakespeare, in Zweiergruppen, meist eine Frau und ein Mann. Was ich tun kann, ist, den Leuten bei der Vereinfachung zu helfen, dabei, die Übertreibungen wegzulassen und zum eigentlich Charakter der Figuren vorzustoßen. Ich lerne selbst sehr viel dabei - deswegen gefällt es mir. Wenn ich ihnen zuschaue, wie sie Hamlet spielen, eröffnet mir das neue Perspektiven. Schauspielerei kann man sowieso keinem beibringen.

SZ: Sie halben nicht viel vom Method Acting und Vertiefen in Rollen, dass man abends nicht loslassen kann?

Hopkins: Ich habe nach Stanislawski gelernt, als Schauspielschüler, mich mit Stella Adler befasst. Aber im Laufe der Jahre fand ich, dass man es einfacher haben kann. Ich denke, ich verstehe vielleicht einfach nicht sehr viel von Schauspielerei, ich tu es einfach. Ich sitze nicht drei Stunden in der Ecke und vertiefe mich in meine Rolle, diese Vorbereitung habe ich zuhause erledigt.

SZ: Und dann können Sie einfach Han nibal einschalten und er ist da?

Hopkins : Wissen Sie was? Ich spreche einfach seinen Text, und schon ist er da.

SZ: Das kann man wohl wirklich keinem beibringen.

Hopkins: Wahrscheinlich. Man braucht einfach Erfahrung und die Fähigkeit, sich zu entspannen. Ich war als junger Schauspieler immer wahnsinng angespannt, und dachte, das sei richtig, bis ich mit Laurence Olivier gespielt habe - ich weiß gar nicht mehr, in welchem Stück. Plötzlich war die Anspannung weg. Das war mein Take-off. Das ist bei jedem großen Pianisten oder Spitzen-Tennisspieler genauso: Es geht um eine optimierte Spannung, die aus totaler Entspanntheit heraus entsteht. Und der Regisseur entscheidet, wo die Kamera steht, er ist der Dirigent, der dafür sorgt, dass nicht lauter Egos einander im Weg stehen. Die Leute machen eine solche Geheimwissenschaft daraus, das ist doch Quatsch. Oder vielleicht ist es kein Quatsch und ich werde nur langsam zu alt dafür. Ich bin so eine Art filmischer Fabrikarbeiter.

SZ: Der entscheidet, was produziert wird - und Sie machen lieber großes Hollywood-Kino als britische Kitchen-Sink-Movies, oder?

Hopkins: Kommt drauf an, ich denke eigentlich nicht so. Tom Cruise und Tom Hanks entscheiden, welche Art von Rollen gut für sie sind. Aber diese Art Leben interessiert mich nicht besonders. Ich liebe meine Arbeit und werde sie machen, bis mir keiner mehr Drehbücher anbietet - aber es ist nur ein Job. Cagney, Bogart, Mitchum, die kamen einfach raus und haben gespielt - und da gehöre ich hin...

Interview: Susan Vahabzadeh