Mit Mascara und Maskerade und ´ner Buddel voll Rum! Nicht nur Johnny Depp ist zauberhaft, ja hinreißend in Gore Verbinskis neuem Piratenfilm "Fluch der Karibik 2"
Man kann das, was Johnny Depp seit ein paar Jahren macht, eigentlich nicht mehr als Schauspielerei bezeichnen - eher als eine Mischung aus Performance-Kunst und Zirkusnummer.
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Hol´der Klabautermann! Gesichter wie verdorbene Fischgerichte. (© )
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Spielen, das hat etwas mit der Geschichte zu tun, mit dem Drehbuch und dem ganzen Drumherum. Johnny Depp wirkt solch irdischen Zwängen in letzter Zeit zunehmend entrückt, scheint seine eigenen Filme im Film zu machen, zieht selbstversunken eine Aufführung durch, die sich in manchen Momenten völlig loslöst von allem um ihn herum: Als opiumsüchtiger Detektiv im Jack-the-Ripper-Film "From Hell", als Schriftsteller an der Schwelle des Wahnsinns in "Das geheime Fenster" oder, demnächst bei uns im Kino, als "The Libertine", als morbider Verführer am Hofe von Charles II. Das ist eine ganz eigenen Kunstform, die er da erfunden hat, und sie ist absolut sehenswert.
Der zweite Teil von "Fluch der Karibik" hat diese Kunstform durchaus nötig. Der Schwerpunkt dieser Filmserie ist Johnny Depp, Johnny Depp und nochmals Johnny Depp. Beim ersten wäre es keine schlechte Idee gewesen, die Captain-Sparrow-Szenen als kleine Compilation-DVD für Liebhaber in den Handel zu bringen, und weil die Macher das auch so sahen, ist er nun in jeder Szene - Captain Sparrow, der Pirat mit dem Keith-Richards-Augenmakeup und dem Alkoholproblem. Er lügt, verrät und trickst, er tänzelt und torkelt, vollführt ein Kunststück aus komisch verführerischen Blicken und irgendwie schwuchteligen Handbewegungen und ist dabei auf vollkommene und verkommene Art bildschön. Ein durch und durch verdorbener Anti-Held, der auf alles pfeift, provozierend unmoralisch, aber dabei keine Sekunde scheinheilig - das ist vielleicht genau das richtige für Amerika nach anderthalb Amtszeiten von George Bush. Ein ganz schlechter Lügner, sagt Depp über Bush, und begegnet ihm so mit dem Sarkasmus, den Sparrow ihm entgegen bringen würde - Augen zu und durch, bis endlich bessere Zeiten anbrechen. Hauptsache, es ist noch Rum da.
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