Hertzkammer Am Puls

Heartthrob in der Roten Sonne

Von Sabine Gietzelt

Herzklopfen! Das ist es, was Jesse Siminski antreibt. Mit seinem Techno-Hit "Baby Kate" konnte es jeder nachfühlen, der vor knapp zehn Jahren Clubmusik gehört hat. Den Ursprung dieses Klassikers lieferte eine Melodie, kein Beat, und die hatte sich der junge DJ, der sich später Heartthrob nennen sollte, zunächst kaum getraut, jemandem vorzuspielen. Das Herz klopft immer noch, wenn man den minimalistischen und doch so tief groovenden Track "Baby Kate" hört, der so oft remixt wurde, dass es schon in Rekordnähe geht, ebenso wie bei dem nicht weniger intensiven Nachfolgehit "Nasty Girl".

Das Herz klopfte auch, als Siminski von New York nach Paris ging, der Liebe wegen. Er kam aus Michigan und hatte Zeit in Hawaii verbracht. Inzwischen ist Berlin seine temporäre Heimat. Jesse Siminski ist Tänzer, nicht nur DJ. "Saturday Night Fevers" John Travolta war sein Lehrer, zumindest ideell, als der junge Jesse Schwester und Mutter zum Tanzkurs begleitete. Später nahm er selbst Tanzkurse. Heartthrob ist also kein Theoretiker, sondern einer, der weiß, wo Tracks und Songs hinmüssen.

Auch ein Album "Dear Painter, Paint me", mit seinem Titel eine Anspielung an den Maler Martin Kippenberger, steckt voller Emotionalität, ohne dabei je einen pumpenden, klaren Groove zu vernachlässigen. Der Vater, ein Musiker, hat Jesse mit der Begeisterung für Musik angesteckt, seine Schwester setzte ihn auf den Sound von Prince an, Chaka Khan ist für Heartthrob eine der Größten. Womöglich hat Siminski die alten Helden in der Disco-Abteilung im Plattenladen seines Verwandten entdeckt, der in der Nähe von Detroit eine Fundgrube für ihn gewesen sein muss. Die Techno Ursuppe von Detroit und Chicago hat Jesse Siminski musikalischen Geschmack dann noch perfektioniert.

Heartthrob, Sa., 17. Sept., 23 Uhr, Rote Sonne, Maximiliansplatz 5