Von Lothar Müller

Günter Grass beklagt die "anhaltende Pressekampagne" seit seinen Einlassungen zur eigenen SS_Vergangenheit. In einem Brief wirbt er dafür, seine späteren Arbeiten "als Gegengewicht" zu zählen. Die Ehrendoktorwürde einer israelischen Universität bleibt ihm dennoch versagt.

Ende letzter Woche haben die israelische Zeitung Haaretz, die New York Times, die Frankfurter Rundschau und die Schweizer Wochenschrift Tacheles einen Brief dokumentiert, den Günter Grass an Leser in Israel geschrieben hat. Grass erläutert darin, Passagen in seinem Buch "Beim Häuten der Zwiebel" zusammenfassend, noch einmal die Umstände seiner Mitgliedschaft als 17-Jähriger in der Waffen-SS, beklagt die "anhaltende Pressekampagne", der er seit dem Eingeständnis dieser Episode ausgesetzt sei und gibt seinem Schreiben einen doppelten Schluss: zum einen sei ihm "das doppelte S als Kainsmal für meine restlichen Jahre gewiss"; zum anderen möge, "was ich als Schriftsteller und Künstler sowie als engagierter Bürger meines Landes geleistet habe, als Gegengewicht wahrgenommen werden".

Bitte um Verständnis "für unsere Entscheidung, die Verleihung der Ehrendoktorwürde aufzuschieben." (© Foto: ddp)

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Grass" Brief hat einen individuellen Adressaten: den ehemaligen israelischen Botschafter Yitzchak Mayer, der zum Beratergremium der privaten Hochschule "Netanya Academic College" gehört. Mit deren Vizepräsident, David Altman, war Mayer im Mai 2006 zu Günter Grass nach Behlendorf gereist, um die Verleihungsmodalitäten der Ehrendoktorwürde zu erörtern, die das Netanya College dem deutschen Autor angetragen hatte.

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