Google sucht Autoren Köööööööööder

Eine Suchmaschine auf der Suche: Der Google-Konzern Konzern sucht in Printanzeigen für Zeitungen nach Autoren, damit er deren Bücher scannen darf. Gegen geringes Entgelt, versteht sich.

Von Jörg Häntzschel

Das Projekt erscheint grotesk, eine Idee wie ersponnen von einem Jorge Luis Borges des 21. Jahrhunderts. Doch wer den Aufstieg von Google von einer bescheidenen Suchmaschine zur Internet-Supermacht mit Monopol-Ambitionen verfolgt hat, den kann kaum noch etwas überraschen: Alle Bücher, die je erschienen sind, in allen Sprachen, will der Gigant scannen und der Welt in einer Online-Bibliothek verfügbar machen. Die technischen Schwierigkeiten hat Google seit der Vorstellung des Projekts vor gut vier Jahren gelöst. 1000 Seiten können die Google-Scanner pro Stunde verarbeiten. Mehr als sieben Millionen Bücher sind bereits online durchsuchbar.

Als hartnäckiger erwiesen sich allerdings die juristischen Probleme. Autoren und Verlage überzogen Google mit Klagen, um dessen lockere Auslegung des Urheberrechts zu stoppen. Nun versucht Google mit einer beispiellosen Anzeigenaktion, sämtliche Autoren und Rechteinhaber weltweit zu erreichen, beziehungsweise zu demonstrieren, dass man dies ernsthaft versucht hat. Sieben Millionen Dollar gibt Google für die Anzeigen aus, die seit Februar in mehreren Hundert Zeitschriften und Zeitungen und in 70 verschiedenen Sprachen geschaltet wurden. Mindestens eine Anzeige soll in jedem Land der Erde erscheinen - ein Ausflug des Online-Giganten in die alte Print-Welt, der einige Ironie birgt.

In den schmucklosen Annoncen fordert Google alle Autoren gedruckter, aber derzeit nicht mehr lieferbarer Bücher auf, sich mit Google in Verbindung zu setzen. Stimmen sie bis zum 5. Januar 2010 der Einspeisung ihrer Werke in Googles Superbibliothek zu, erhalten sie eine Einmalzahlung von 60 Dollar und werden an den Werbeeinnahmen beteiligt, die Google mit Anzeigen rund um das digitale Buch einspielt. Von den Gebühren, die Google in Zukunft für das Herunterladen kompletter Bücher erheben will, erhalten sie 63 Prozent. Stimmen sie nicht zu, bleiben ihre Bücher ungescannt. Mit der Anzeigenkampagne hofft Google, eine juristisch einwandfreie Grundlage zu schaffen und sich vor späteren Prozessen zu schützen. Wer sich trotz der weltweiten Bekanntmachung nicht meldet, so die Argumentation von Google, genehmigt stillschweigend die digitale Verbreitung seiner Werke.

Die Anzeigen gehen zurück auf eine vorläufige Einigung, die Google Ende Oktober nach zweijährigen Verhandlungen mit der amerikanischen Autorenvereinigung Authors Guild sowie der Verlagsbranche erzielte. Da der gerichtliche Segen für das Projekt, mit dem sich Google in juristisch weitgehend unbekannten Gewässern bewegt, erst im Mai erwartet wird, tut der für seine Aggressivität bekannte Konzern zur Zeit alles, um guten Willen zu zeigen.

Vorläufig betrifft die Einigung vom Herbst nur den US-Markt. Doch Google arbeitet unermüdlich weiter an der Ausweitung des Programms. Ziel ist es, Vereinbarungen mit Verlagen abzuschließen, um auch neue, noch im Buchhandel erhältliche Bücher digital zu erfassen. Schon jetzt sind Hunderttausende noch lieferbare Bücher nach Begriffen durchsuchbar. Oft lassen sie sich auch über Dutzende Seiten hinweg im Internet durchblättern. Lücken von einigen zufällig ausgewählten Seiten dienen Google jeweils dazu, diese "Voransicht" juristisch zu legitimieren.

Das Hauptgeschäft für Google besteht allerdings in nicht mehr urheberrechtlich geschützten Büchern, die es in Bibliotheken weltweit durch seine Erfassungsmaschinen laufen lässt.

Quelle: Süddeutsche Zeitung v. 06. März 2009