Friedrich Schoenfelder gestorben Tod eines Gentlemans

Sonore Stimme und eine überaus elegante Erscheinung: Friedrich Schoenfelder war auf der Bühne wie auch im Leben stets der perfekte Gentleman. Jetzt ist der Schauspieler und Synchronsprecher, der vor allem durch seine Rollen in Edgar-Wallace-Filmen bekannt wurde, im Alter von 94 Jahren in Berlin gestorben.

Er war ein Kavalier der alten Schule, auf der Bühne und der Leinwand, aber auch im Leben. Ein Grandseigneur der Bühnenkunst und einer der beliebtesten deutschen Gentleman-Schauspieler des vergangenen Jahrhunderts. Am Sonntagabend ist Friedrich Schoenfelder im Alter von 94 Jahren in Berlin gestorben - "friedlich im Kreise seiner Familie", wie seine Agentin mitteilte.

Schoenfelder spielte hunderte Rollen auf der Bühne und im Fernsehen. Begehrt war er auch als Synchronsprecher. Zu Schoenfelders größten Erfolgen zählte das Musical "My Fair Lady", in dem er im Berliner Theater des Westens seit 1961 mehr als 1200 Mal auftrat - zunächst als Oberst Pickering, dann auch als Professor Higgins. Bekannt wurde er auch durch seine Rollen in den in den 1960er und 70er Jahren gedrehten Edgar-Wallace-Filmen und seine Auftritte in Theater und Komödie am Kurfürstendamm.

Als Schoenfelders Markenzeichen galten Jahrzehnte lang seine sonore Stimme und die elegante Erscheinung. Seine letzte Rolle spielte Schoenfelder im Jahr 2008 am Berliner Renaissance-Theater im Stück "November". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit äußerte sich betroffen über Schoenfelders Tod. Bis ins hohe Alter habe Schoenfelder die Berliner und die Theaterwelt überhaupt beeindruckt und begeistert, so der Regierungschef.

"Theaterspielen war für ihn keine Frage des Alters", hieß es in dem Nachruf von Theater und Komödie am Kurfürstendamm. An dem Haus hatte er zuletzt im Alter von 91 Jahren in "Pension Schöller" auf der Bühne gestanden. Die Rolle sei ihm auf den Leib geschnitten gewesen, ein zackiger Major, der mit seiner markanten Stimme bis in die letzte Reihe mühelos zu hören war, unterstrich der langjährige Chef der beiden Kudamm-Bühnen, Jürgen Wölffer. An den Häusern spielte Schoenfelder unter anderen zusammen mit Georg Thomalla, Harald Juhnke, Peer Schmidt, Gisela Uhlen, Edith Hancke und Klaus Sonnenschein.

Geboren wurde Schoenfelder am 17. Oktober 1916 in Sorau in der Niederlausitz (heute Polen). Er wuchs in Frankfurt/Oder und Berlin auf. Auf den Berliner Bühnen war der Spandauer schon seit den 50er Jahren zu Hause. Auf Gastspielen war er an vielen anderen deutschsprachigen Bühnen gern gesehen - natürlich in seinem Fach klassisch besetzt. Dabei hätte er gerne andere Partien übernommen. "Ich kriege aber immer 'ne gut aussehende Rolle, und bei Herrn Shakespeare sind es die langweiligen doofen Herzöge, die ich spielen muss."

Schoenfelder lernte sein Handwerk noch zu Gustaf Gründgens Zeiten. Ihn prägten neben Gründgens Regisseure wie Helmut Käutner, Harry Meyen und Erwin Piscator.

Als Partner von Georg Thomalla spielte Schoenfelder in Flatows Bühnenerfolg "Vater einer Tochter" am Ku'damm, wo er auch als Baron Münchhausen, in dem Schwank "Pension Schöller" und in der Boulevardkomödie "Mein Freund Harvey" auf der Bühne stand. Auf der Leinwand war er in Edgar-Wallace-Verfilmungen zu sehen. 1987 spielte er in einem Streifen von Otto Waalkes mit.

Auf dem Bildschirm übernahm er nach dem Tod von Willi Schwabe zeitweise die im DDR-Fernsehen populäre "Rumpelkammer" mit Ausschnitten aus alten Ufa-Filmen. Im Radio erzählte er "Geschichten zur Guten Nacht", stellte Neuerscheinungen der von ihm so geliebten Jazzmusik vor und wirkte in zahlreichen Hörspielen mit. Seinen Memoiren gab Schoenfelder den Titel "Ich war doch immer ich".