Wenn der Kopf im Internet nicht mehr mitkommt: Frank Schirrmachers Buch "Payback" bringt die digitale Debatte zwar auf den neuesten Stand, aber nicht weiter.
Es gibt in der industrialisierten Welt kein Land, in dem die Debatte um den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft mit so vielen dogmatischen Verkrustungen und ideologischen Verschärfungen geführt wird, wie in Deutschland. Die digitale Kluft, die sich durch unser Land zieht, verläuft meist entlang der Generationengrenze zwischen "Digital Natives" und "Digital Immigrants", also zwischen jenen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, und jenen, die den digitalen Technologien erst als Erwachsene begegneten.
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Schirrmachers Stärke ist es, den intellektuellen Wissensdurst mit den Jagdinstinkten eines Boulevardjournalisten zu verbinden. (© Foto: dpa)
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Dabei ist das Thema längst größer als der knickrige Streit um alte und neue Mediengewohnheiten und Urheberrechtsfragen oder die politische Panikmache vor Amokspielen und Kinderpornos, auf die die digitalen Debatten in Deutschland meist hinauslaufen. Das neue Buch des FAZ-Herausgebers und Feuilletonisten Frank Schirrmacher "Payback" (Blessing Verlag München, 2009, 240 Seiten, 17,95 Euro) erweitert die Debatte nun endlich um kluge Gedanken. Auch wenn der Untertitel "Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen" zunächst nach der üblichen Mischung aus Kulturpessimismus und Selbsthilfe klingt.
Unterschätzen darf man den Untertitel nicht. Schirrmachers publizistische Stärke ist es, den intellektuellen Wissensdurst eines Universalgelehrten mit den Jagdinstinkten eines Boulevardjournalisten zu verbinden. Das macht den Konkurrenzkampf mit ihm so sportlich und seine Bücher und Debattenanstöße zu Punktlandungen im Zeitgeist. Dass er dabei oft mit Ängsten spielt, wie der Angst vor der Überalterung der Gesellschaft in seinem Bestseller "Das Methusalem-Komplott" oder der Furcht vor der sozialen Entwurzelung in "Minimum", ist seinem Boulevard-Instinkt geschuldet, der solche Ängste schon früh aufspüren und in einen Kontext setzen kann.
Druck der sozialen Verpflichtungen
Auch "Payback" verkauft sich als Begleitbuch zu aktuellen Ängsten. Schirrmacher greift jenes Gefühl der digitalen Überforderung auf, das sich nicht nur in Deutschland, sondern in allen digitalisierten Ländern breitmacht. Denn die Siegeszüge dreier digitaler Technologien haben in den vergangenen beiden Jahren die Grenzen der digitalen Aufnahmebereitschaft ausgereizt.
Da war zunächst das iPhone mit seinen inzwischen rund 20000 "Apps" - Programmen, die aus dem Apple-Handy einen Supercomputer machen. Dann erhöhte die Netzwerkseite Facebook den Druck der sozialen Verpflichtungen im Netz ins Unermessliche. Und schließlich öffnete der Kurznachrichtendienst Twitter die Schleusen für eine Informationsflut, die sich nur noch mit einer Palette von Hilfsprogrammen bewältigen lässt. Längst gibt es in Europa und Amerika unzählige Artikel und Bücher, die diese Überforderung thematisieren.
"Mein Kopf kommt nicht mehr mit", heißt auch das erste Kapitel von "Payback". Da beschreibt Schirrmacher, stellvertretend für viele, seine ganz persönliche kognitive Krise, in die ihn die digitalen Datenmengen gestürzt haben. Wie ein Fluglotse fühle er sich, immer bemüht, einen Zusammenstoß zu vermeiden, immer in Sorge, das Entscheidende übersehen zu haben. Mehr als ein Lassowurf ist dieser Einstieg nicht, denn letztlich führt er über den Identifikationsmoment nur in den ersten der beiden Teile des Buches ein. Und da geht es um mehr.
Lesen Sie auf Seite 2, wie es im zweiten Teil von "Payback" weitergeht.
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Bruce Springsteen in Frankfurt
Beim besten Willen kann ich nicht finden, dass Schirrmacher die Debatte auf ihren Stand brächte. Wenn dieses unterschiedslose Verrühren unterschiedlichster Aspekte der Computerisierung und des Internet bereits als sinnstiftender Beitrag zur Debatte gewertet werden kann, dann verstehe ich, warum wir eher von einem Land der Bildungsferne und RTL+ sprechen müssten, als von einem Land der Dichter und Denker. Zumal ein Großteil der von Schirrmacher thematisierten Phänomene einen ähnlich ursächlichen Zusammenhang mit dem Internet haben, wie der Stand der Bananenernte mit dem Wechselkurs des Euro zum Dollar. Reizüberflutung, Überforderung durch die Komplexität der Welt, Informationen statt Inhalte, wichtiges neben unwichtigem - das alles ist erst seit dem Aufkommen des Internet ein Thema? Vollends wirr wirds dann, wenn Schirrmacher seiner Angst vor einem digitalen Leviathan freien Lauf lässt. Die neurotische Angst des ewigen Mathematikversagers vor der nächsten Prüfungsfrage wurde hier hemmungslos und selbsttherapeutisch ausgelebt. Dieses Buch trägt zu einem Verständnis des Internet sowie seiner Chancen und Risiken so gut wie gar nichts bei.
Autor Kreye hat festgestellt, daß im zweiten Absawtz des Buches "payback" von "Tweeds" die Rede ist, wo es "Tweets heißen müßte. Daraus wird in Karl-Kraus-Manier Grundsatzkritik an dem Buch abgeleitet - und schon wird die vermeinteliche Genauigkeit von Kreyes Lektüre in der "Berliner Zeitung" vom 20. 11. gelobt. Eher ist diese "Aufdeckung" ein Beleg dafür, daß die Fähigkeit zu gründlicher Lektüre verlorengegangen ist. Denn zwei Seiten später (S. 15.) ist korrekt von "Tweets" die Rede ist. Also letztlich ein Korrektoren/Lektoenfehler, aber kein Ausweis grundsätzlicher Unkenntnis.
Was offensichtliche Schlamperei ist, sollte nicht mit grundsätzlicher Bedeutung aufgeladen werden.
Zitat:
Die Frage bleibt - lässt sich die digitale Kluft überhaupt schließen? Widersprechen sich das lineare und das vernetzte Denken nicht so sehr, dass sie keine gemeinsame Ebene finden können?
So unterschiedlich sind lineares Denken und vernetztes Denken vielleicht gar nicht. Sind Facebook und Twitter nicht gerade deshalb so große Erfolge, weil die umgekehrte Chronologie in der Darstellung eine erzählerische Struktur erzeugt, die den Eindruck erweckt, das Leben folge einem Lauf?
Lieber Frank,
ganz hemdsärmelig nenne ich Sie mal so, weil mir v.a. Ihr Aufsatz "Verteidigung der Schrift" immer noch sehr gut gefällt. Ich möchte Sie zu einer kurzen Reflexion einladen: Stellen wir uns einen Wissensdurstigen des 19. Jahrhunderts vor auf der Suche nach einigen für ihn wichtigen Büchern. Kutschengalopp von einer Bibliothek in die andere. Dort sucht er gierig, guckt hier und da, findet haufenweise Trivialliteratur, Diätbücher, schließlich findet er nicht, was er sucht, er galoppiert weiter und weiter, von Bibliothek zu Bibliothek.
Plötzlich kommt ein Jules Verne daher und setzt ihn in ein Gefährt, in dem unser Wissensdurstiger jede beliebige Bibliothek der Welt in Bruchteilen von Sekunden erreichen kann. Es ist nur die Geschwindigkeit, und von *der* darf man sich nicht irre machen lassen. "Surfen" kann man auch langsam...
Beste Grüße
jens57
es ist natuerlich wirklich nicht leicht ,das lesen einzustellen ...wenn man gewohnt ist es gerne zu tun solange und sofort als buchstaben vorm auge auftauchen ...
das ist fuer menschen die auch noch schreiben noch ungleich viel schwerer...als fuer nurleser
das muss man trainieren ---ueben---wirklich erlernen ,manchmal erzwingen... einfach jezt nicht zu lesen ...wenns einen nicht interessiert....wenns doof ist ...das ist in zeiten des internet unverzichtbar ...weil man sonst leicht ..schwer wahnsinnig wird....mit sms tweet oder tweed hat das raketenzeitalter im schriftverkehr eingesetzt ohne rakete und so ist es eben...nun..heute ..und veraendern tut es die welt weniger ...ausser in der automatisierung der arbeit der produktion die mehr aufmerksamkeit und niederschlag in der politik finden sollte ...damit die windfalls auch gerecht verteilt werden...
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