Film-Musical: "Once" Musik zwischen Mülltonnen

Steven Spielberg fühlt sich überaus inspiriert und Bob Dylan nimmt die Hauptdarsteller mit auf Tournee. Ein Filmmusical aus den Straßen von Dublin beglückt die Welt: John Carneys "Once".

Von Rainer Gansera

Ein kleiner Film, vor dem einer der ganz großen Hollywoodianer den Hut zog. "Dieser kleine Film hat mir genügend Inspiration geschenkt, um damit durchs ganze Jahr zu kommen", gestand Steven Spielberg der Zeitung USA Today, als "Once" 2007 in Amerika anlief und unaufhaltsam zum Erfolg wurde. Inspiration - das entscheidende Wort. Davon ist "Once" durchdrungen, davon handelt er, vom magischen Impuls von außen, jenem Augenblick, in dem eine zweite Stimme sich in die erste einschwingt und ihr Glanzlichter aufsetzt.

Glen Hansard und Markéta Irglová kommen sich durch das Musikspiel näher.

(Foto: Foto: dpa)

Eine irische Independent-Produktion, in 17 Tagen gedreht, mit einem lächerlich geringen Budget (130 000 Dollar) und einer Videokamera, die sich wie selbstverständlich, mit einem fast dokumentarischen Gestus den Akteuren und den Räumen anvertraut. Ein zauberhafter Troubadour-Film, der ganz ohne Spezialeffekte, Melodramatik oder Styling auskommt, wenn er von seinem einsamen Straßenmusiker in Dublin und der Magie der Musik erzählt.

Hommage an Van Morrison

Ein Film wie ein Song-Album, der zuerst von der Freundschaft zwischen Regisseur John Carney und seinem Hauptdarsteller Glen Hansard inspiriert ist. Hansard, ein bärtiger, hemdsärmeliger, erfrischend pathosfreier irischer Rotschopf, 1970 in Dublin geboren, heute berühmt als Frontmann der Folkpop-Band The Frames, verließ als 13-Jähriger die Schule, trieb sich einige Jahre als Straßenmusiker herum, bis er mit 17 die Frames gründete und John Carney als Bassist zur, mittlerweile erfolgreichen, Band holte - bevor der sich dann dem Filmemachen widmete. Beginn einer Freundschaft, aus der nun "Once" entsprungen ist, und der Prolog des Films setzt sogleich eine Reminiszenz an den Straßenmusiker-Alltag in Szene.

Da steht der Straßenmusikant - Hansard bleibt, wie auch die Pianistin, die ihm begegnen wird, namenlos - mit der Gitarre in der Fußgängerzone Dublins, singt und spielt sich die Seele aus dem Leib, aber die Menschen hasten vorüber, nur ein Jugendlicher bleibt stehen, umschleicht den Gitarrenkoffer, in dem ein paar Münzen liegen, schnappt ihn sich und rennt davon. Am Ende der Verfolgungsjagd wird Hansard dem verzweifelten Jungen eine Münze zustecken. Ein Moment, mit dem "Once" seinen generösen, melancholischen Grundakkord anschlägt.

Gleich beim ersten Song zeigt John Carney, wie er mit der Musik umgehen wird: keine Zerstückelung, keine Häppchen. Die Songs werden ganz ausgespielt, man kann sich in sie einfühlen, was wesentlich das Gelingen der Erzählung ausmacht, denn im Entstehungsprozess der Musik entfaltet sie das Gefühlsdrama ihrer Figuren. Hansard legt eine starke, ergreifende Interpretation von Van Morrisons "And the Healing has Begun" (entnommen dessen "Into the Music"-Album aus dem Jahr 1979) hin.

Hommage an Van Morrison, der für Hansard musikalisch-poetisch die größte Inspiration war und ist. Ein Song, der die heilende Kraft einer Musik beschwört, die Seelen aufleben lässt und Herzen ergreift: "When you hear the music ringin' in your soul / and it comes from the backstreet rock & roll..." Der programmatische Song für einen Film, bei dem zwei in Liebesdingen Verwundete - zumindest im gemeinsamen Musikmachen - zu einem Herz und einer Seele werden.

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