Faust-Festival Verweile ohne Eile

Junge Kunst von Max 33 und "Unpainted" im Hearthouse

Von Evelyn Vogel

So recht zum Verweilen war keinem bei der Kälte zumute. Aber wacker hielten Freunde und Fans der Künstlerin Birthe Blauth bei der Eröffnung der Ausstellung "Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben" vor dem Hearthouse die Protest-Schilder hoch, auf denen der Satz zu lesen war "Verweile doch du bist so schön". Womit auch den Passanten klar war, wes Geistes Kind die Performance war. Und um die Verbindung zum Faust-Festival noch deutlicher zu machen, hatten Peter Hansen von der Kunstinitiative Max 33 und Irmin Rodenstock-Beck, die vor einigen Jahren zusammen mit einigen Mitstreitern die Messe für digitale Kunst "Unpainted" aus der Taufe gehoben hatte, die Macher des Festivals eingeladen, um ein wenig über die Hintergründe zu plaudern.

Roger Diederen, Direktor der Kunsthalle in den Fünf Höfen, Gasteig-Chef Max Wagner und deren Mitstreiterin Anna Kleeblatt erzählten dann zum gefühlt wohl schon hundertsten Mal von der Entstehung und der Verbreitung der Faust-Euphorie in München - und dabei fängt die Sache doch gerade erst so richtig an. Die Literaturwissenschaftlerin Bettina Blumenberg klärte im Anschluss die zahlreichen Zuhörer fein ironisierend und selbst recht amüsiert über die realen Hintergründe des Faust-Mythos auf.

Und dann ging's zum Rundgang durchs Hearthouse, wo in Clubräumen, Fluren bis hin zum Restaurant überwiegend junge Künstler ihre Werke präsentieren. Max 33 versteht sich eh als Initiative, um angehende zeitgenössische Künstler, vorwiegend von der Akademie, zu fördern. Die stellen sich denn auch mit etlichen zeitgenössichen Interpretationen des Faust-Themas vor - vom suchenden und irrenden Faust über den verführenden Mephisto bis hin zu des Pudels Kern und Gretchen. Viel Malerei ist dabei, etwas Fotografie, aber beispielsweise auch eine Arbeit, die klassische Technik mit Virtual Reality verbindet, oder ein Acrylobjekt aus dem 3D-Drucker.

Den Part "Art in the digital age" aber vertreten vor allem Birthe Blauth und Barbara Herold. Die Medienkünstlerin Herold bespielt den großen Club mit einer Videokomposition für 17 Monitore zum Menschenbild in Goethes Faust. Eine wilde digitale Bild-Inszenierung, die am Eröffnungsabend von improvisierten Live-Sounds begleitet wurde. Blauth zeigt drei Videoarbeiten, in denen es auf unterschiedliche Weise um Entstehen und Vergehen geht, um Zufall, Willkür und Ordnung. Und sie bricht ihre digital aufbereiteten Inhalte formal auf eine analoge, fast schon altmodische Ebene herab: Die Formen setzen sich in einem Memory-Spiel fort, wie man es aus Kindertagen kennt. So schlägt sie inhaltlich einen Bogen zur Eröffnung-Performance, wo es ja auch um Suchen, Festhalten und Verweilen ging.

Max 33 und Unpainted, Hearthouse, Lenbachplatz 2, bis 3. März, täglich 16 bis 20 Uhr