Die Lehre aus dem No-Angels-Auftritt und anderen Pannen: Warum die deutsche Vorauswahl zum Eurovision Song Contest künftig auf Show und Plebiszit verzichtet.
Als im vergangenen Mai beim Eurovision Song Contest alles vorüber war, brach es aus Thomas Hermanns heraus: "Ein Desaster." Der sonst durchaus für seine Freude an billigem Pop bekannte Moderator machte sich Luft, weil nicht nur die No Angels mit einer erbärmlichen Laienspielsingshow auf dem 23. von 25 möglichen Plätzen gelandet waren - sondern weil er zudem eine Veranstaltung erlebt hatte, die in dieser Form keinem Schlagerfreund hierzulande mehr zu vermitteln ist.
Viel Körpereinsatz, wenig Erfolg: die No Angels beim Grand Prix. (© Foto: Reuters)
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Danach war klar, dass es Konsequenzen würde geben müssen, und genau die zieht der NDR nun. Künftig gibt es keine Abstimmshow mehr zum deutschen Vorentscheid, und auch beim internationalen Finale wird die Telefonplebs entmachtet.
"Es ist der Versuch, die Türen etwas weiter aufzustoßen", sagt Thomas Schreiber. Der ARD-Unterhaltungskoordinator begründet die Absage der nationalen Auslese-Show mit der Absicht, künftig auch namhafte Künstler für den Wettbewerb begeistern zu können, die bisher vom Risiko abgeschreckt wurden, bei der Vorauswahl durchzufallen.
Nun entscheidet nicht mehr das Publikum, das sich ohnehin in den vergangenen Jahren zunehmend von der früher als Grand Prix bekannten Veranstaltung abgewandt hat. Zuständig ist nun eine vom NDR bestimmte Fachjury. Wer dort aktiv wird, das will der NDR erst bekannt geben, wenn die Entscheidung gefallen ist. Dies soll dazu dienen, eventuelle Beeinflussungen innerhalb der Branche zu verhindern. Zudem werden die Beiträge der Jury in anonymisierter Form vorgestellt, was allerdings kaum von Nutzen sein dürfte, denn wenn die Mitglieder der Kommission wirklich Ahnung von ihrem Geschäft haben, dürften sie schon nach wenigen Takten wissen, wer da trällert.
Bis 22. Januar läuft nun die Einsendefrist für Beiträge "Wir freuen uns, wenn sich Künstler bewerben, die den Hunger haben, in Moskau antreten zu wollen", sagt Schreiber. Wie und in welcher Form der nationale Sieger dann bekannt gemacht wird, darüber will man beim NDR später entscheiden.
Auch beim Moskauer Finale am 16. Mai wird das Publikum entmachtet, wenn auch nur teilweise. Zur einen Hälfte wird die Wahl in den teilnehmenden Ländern bestimmt von den Telefonstimmen, zur anderen von einer fünfköpfigen Jury. Damit will man das verhindern, was als "Nachbarschafts- und Migrationsvoting" kritisiert wurde, also den Umstand, dass Künstler aus Ländern mit vielen verbandelten Nachbarstaaten besonders viele Punkte auf sich vereinen, was in osteuropäischen Ländern häufiger der Fall ist als in Old Europe.
Ein Sieger steht indes schon fest. Profitieren wird auf jeden Fall die ARD. Sie spart sich den teuren Vorentscheid - und sie bekommt 2009 auch einen besseren Kandidaten als in diesem Jahr. Das ist schon der Tatsache geschuldet, dass ein schlechterer Auftritt als jener der No Angels gar nicht denkbar ist.
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(SZ vom 17.12.2008/rus)
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laßt den 'Migrations- und Nationalitätswählern' doch ihren Spaß. Die ganze Musik, die im Rahmen dieser Sendung dargeboten wird, ist doch eh nur randständig, bestenfalls. Das, oder der berühmte Sack Reis...
Das löst das Problem nicht. Deutschland würde sogar mit einem wieder auferstandenen Quartett aus Frank Sinatra, John Lennon, Luciano Pavarotti und Elvis ganz hinten landen.
Das Problem liegt vor allem in Osteuropa, wo die Menschen bevorzugt Interpreten aus Nachbarländern wählen, und auch an Migranten, die Interpreten ihrer Heimatländer wählen. Die gut gemeinte Absicht demokratischer Entscheidungen haben die Menschen selbst ad absurdum geführt.
Das Ganze ist ein Wettbewerb nationalistischer Brüderschaften, hat aber mit Musik nur noch am Rande zu tun. Deutschlands Beiträge waren nicht schlecht, teilweise sogar hervorragend (z.B. Max Mutzke, der in der Türkei sogar eine Strophe auf türkisch sang, ohne daß es etwas genutzt hätte). Stefan Raab hat gefälligen Pop geboten, und auch die No Angels waren gar nicht so schlecht.
Das Problem kann man nur lösen, wenn man im Finale eine neutrale und fachkundige Jury entscheiden läßt. Aber dazu müßte man auf die Einnahmen aus SMS- und Telefongebühren verzichten - und daran scheitert es. So lange es keine neutrale Jury gibt, sollte Deutschland wie Thomas Herrmanns die Konsequenzen ziehen und fernbleiben.
warum nicht einfach garnicht mehr teilnehmen an diesem "Wettbewerb"? Das spart am allermeisten Kohle, noch dazu wo Deutschland ja einer der Hauptkostenträger dieser Spaß-Veranstaltung ist. Vielleicht kann man sich dann auch die GEZ-Erhöhung sparen...
Die Fachjury sollte von einer Fachjury gewählt werden, die dann die Fachjury fachlich berät.
Und dann wird noch eine Fachjury gewählt, die Möglichkeiten erarbeiten soll wie man die Intendanten und Programmdirektoren der ARD möglichst geräuchslos abwählt.
soll also ne Art von Musik sein, die von ganz vielen gern gehört wird. Von den vielen, die halt bißchen einfacher ticken als die komplizierter tickenden mit ihrer Freude an Purcell/Zappa/Bartok/TomWaits/etcetc.
daß jetzt eine Fachjury herausfinden soll, was diese vielen Leute gerne hören und nicht mehr die Leute selbst, finde ich... irgendwie... extrem witzig
hihi
t.
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