Ermittler im Flick-Skandal ist tot Unerschrockener Aufräumer

"Wollen Sie Aufsehen erregen, oder was ist los?": Anwalt und Steuerfahnder Klaus Förster, der einen der größten Polit-Skandale in Deutschland aufdeckte, ist tot.

Von Hans Leyendecker

Von allen Polit-Skandalen der Nachkriegszeit war der Flick-Skandal wahrscheinlich die größte Affäre: Um eine Steuerbefreiung in dreistelliger Millionenhöhe zu erreichen, hatte der Flick-Konzern die Republik inventarisiert und Politiker, Parteien, Stiftungen sowie Vereine mit Barem bedacht. In Erinnerung blieben Begriffe wie die "gekaufte Republik", die "Bonner Landschaftspflege" und, bei den Älteren zumindest, der Name des 1933 in Lübeck geborenen Beamten Klaus Förster.

Durch einen Zufallsfund war der Regierungsdirektor Mitte der siebziger Jahre als Leiter der Steuerfahndung Sankt Augustin auf die Parteispendenaffäre gestoßen, die schließlich den Flick-Skandal auslöste. Staatstragende Parteien hatten am Staat vorbei Finanzmittel nach Liechtenstein geschafft, gewaschen, zurückgeschmuggelt und den deutschen Fiskus betrogen.

Das Ausmaß der Schwindeleien konnte Förster am Anfang noch nicht übersehen, aber schon seine ersten Ermittlungen hatten Panik in der Finanzverwaltung ausgelöst. Düsseldorfer Ministeriale versuchten, die Handbremse von oben zu ziehen. Wenn er weitermache, wurde ihm beispielsweise bei einem Treffen mit acht Spitzenbeamten in Düsseldorf mitgeteilt, könne der westdeutsche Staat aus den Fugen geraten. "Wollen Sie Aufsehen erregen, oder was ist los?" Förster ließ sich nicht einschüchtern, machte weiter und eines Tages stand er dann in der Flick-Zentrale. Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat dem "erfahrenen Angler" Förster in einem Essay über die Flick-Affäre mit dem Titel "Kassensturz - Ein Bonner Memorandum" ein Denkmal gesetzt.

Ungewöhnliche Gradlinigkeit, Mut und Unerschrockenheit zeichneten Förster zeitlebens aus. Der Großvater war Justizrat in Bad Wildungen gewesen, der Vater Landgerichtsdirektor in Bonn, Sohn Klaus war auch in kleinen Dingen unbestechlich und er sagte stets, dass niemand gleicher als gleich sein dürfe. Er wurde ans Finanzamt Köln-Ost versetzt. Als er dagegen vor Verwaltungsgerichten klagte, war der Anwalt Otto Schily, der damals noch bei den Grünen war, an seiner Seite. Förster schied schließlich aus dem Staatsdienst aus und wurde Steueranwalt in Bonn. Vier Jahre lang plagte sich später die damals SPD-regierte Düsseldorfer Staatskanzlei mit der Frage, ob Förster ein Bundesverdienstkreuz zustehe. Er bekam es nicht, weil er ja nur "seine Pflicht getan" habe. Förster hat diese Entscheidung bedauert, weil er gern das Bundesverdienstkreuz abgelehnt hätte. 1988 wurde er von den Grünen mit dem Preis "Aufrechter Gang" ausgezeichnet.

Der Mann, der eine Vorliebe für Cordhosen und Tweedjacken hatte, konnte dem Druck von oben auch widerstehen, weil er finanziell unabhängiger war als andere. Seine Frau Margarete, die er 1961 geheiratet hatte, führte eine gutgehende Apotheke. Vor vier Jahren erkrankte Förster an Krebs und er litt auch unter Parkinson. Er ist, wie erst jetzt bekannt wurde, am 26. Januar in einem Bonner Hospiz gestorben. Seine Frau Margarete war an seiner Seite. Er hinterlässt drei erwachsene Kinder.