Im Netz ist Wut: Das Magazin Dummy wollte seine Herbst-Ausgabe "Neger" nennen. Warum man nun zurückrudert - ein Interview mit Chefredakteur Oliver Gehrs.
Darf ein Magazin "Neger" heißen? Die Chefredaktion von Dummy hat sich mit dieser Fragestellung ans Netz gewandt.
(© Screenshot: blog.dummy-magazin.de)
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"Wir hatten uns das nämlich so schön gedacht: Ein Magazin voller Geschichten über Schwarze, über Malcolm X, Obama, Hiphop, Roberto Blanco, den Sarotti-Mohr, über Rassismus und Afrika. 138 Seiten black power. Ein aufregendes, journalistisches Projekt. Wir wollten das Heft Dummy-"Neger" nennen, um gleich mal mit der Diskussion um inkriminierte Bezeichnungen loszulegen. Um Lust zu machen auf eine anregende Debatte fern einer beschränkten politischen Korrektheit. Wir recherchierten also, ob man denn überhaupt 'Neger' sagen darf. Und kamen zu dem Ergebnis: Man kann. Und mit einiger Hybris dachten wir sogar: Wenn, dann wir." Soweit Chefredakteur Oliver Gehrs im Dummy-Blog. Doch der Schuss ging nach hinten los.
Im Netz tobt seither der Bezeichnungskrieg. Dummy-Blog-Einträge voller Unverständnis, Hunderte E-Mails und Briefe, viele voller Wut. Und was macht Dummy? Zieht den Vorschlag zurück. Und stellt "Zehn Gründe, warum das Magazin nicht Neger heißen kann", ins Netz. Darunter: "Weil es wohl doch nur Helmut Schmidt nicht übel genommen wird, das Wort in den Mund zu nehmen", "Weil wir keine Lust auf weitere Hass-Mails haben". Oder: "Weil die beabsichtigte Dialektik, dass das Wort auf dem Cover eben nicht nur eine Personengruppe beschreibt, sondern den Diskurs um begriffliche Zuschreibung und Diskriminierung gleich mit, anscheinend von zu wenigen auf Anhieb verstanden wird".
War das wirklich nicht vorhersehbar? Ist das ganze vielleicht ein Akt von Aufmerksamkeits-Strategie? Nachgefragt bei Dummy-Chefredakteur Oliver Gehrs:
sueddeutsche.de: Herr Gehrs, wie kamen Sie auf die Idee, ihr Magazin "Neger" zu nennen?
Oliver Gehrs: Wir haben gedacht, das sei ein wichtiges Thema von gesellschaftlicher Relevanz - gerade in einem Land, das sich schwer tut mit der Einbürgerung von Fremden, und wo es noch viel unausgesprochene Diskriminierung gibt. Außerdem hat das Thema einen ganz hohen Glamour-Faktor. Black Power hat ja die Kultur ganz stark bereichert durch Film und Musik.
sueddeutsche.de: Haben Sie nicht mit einer Welle von Protest gerechnet?
Gehrs: Es wäre eine Lüge, zu sagen, wir hätten die Debatte nicht vorhergesehen. Wir wollten sie als Regulativ haben. Deshalb haben wir den Blog dazu benutzt, uns eines Besseren oder Schlechteren belehren zu lassen. Das Bild vom Journalisten hat sich ja gewandelt über das Mitspracherecht im Netz. Der Journalist ist nicht mehr der allwissende Fachmann. Erstaunlich ist aber das Maß an Verve, das wir in den Einträgen finden.
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Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Der Beitrag von mikeem bleibt also stehen? "Deutschsprachige Neger regen sich auf"? "Ein Wort wird ohne guten Grund denunziert"? Sehr aufschlussreich.
..niemand hat jemals behauptet, dass die Abwesenheit von den Bezeichneten als rassistisch empfundener Bezeichnungen die Abwesenheit von Rassismus bedeutete. Umgekehrt aber sind als rassistische empfundene Bezeichnungen Manifestationsformen von Rassismus, eine notwendige, keine hinreichende Bedingung fuer das Verschwinden von Rassismus in ebensolchen Gesellschaften ist also das Verschwinden rassistischer Bezichnungen und das Verwenden der von den Minderheiten selbst gewaehlten. Soweit klar?
"dass es in Deutschland eine jahrhundertealte rassistische und koloniale Konnotation des Wortes 'Neger' gibt, ..:"
Ebenso wie beim Wort "Jude" (oder "Eskimo") - aber das darf man doch noch sagen, oder, äh, hat die Gedanken-Polizei das auch schon...?
Wie ist eigentlich der momentane Stand für die offensichtlich Unaussprechlichen in den USA: colored people? negroes? blacks? Afro-Americans? persons of color?
"Die Namensänderungen haben nichts an den Fakten des Rassismus geändert. ... Die Vorstellung, einem Missstand abzuhelfen, indem man ein neueres, gefälligeres Wort dafür findet, ... scheint eine ganz speziell amerikanische Angst zu sein." Und da ja alle Mode-Torheiten nach zwei bis fünf Jahren hier nachgemacht werden... "Kein Umbenennen dieser Welt wird den Anteil an Heuchelei in dieser oder irgendeiner Gesellschaft verringern." Man verhunzt nur die Sprache.
(Alle Zitate aus Robert Hughes "Nachrichten aus dem Jammertal - WIe sich die Amerikaner in political correctness verstrickt haben").
.. es sollte wohlbekannt sein, und jeder kann sich darueber anhand von einschlaegigen Quellen der Kolonialismus-Forschung informieren, die im uebrigen auch ueberall im Netz auffindbar sind, etwa hier:
http://www.bpb.de/themen/JSTLBP,0,Don%B4t_You_Call_Me_Neger.html
dass es in Deutschland eine jahrhundertealte rassistische und koloniale Konnotation des Wortes 'Neger' gibt, die sich unabhaengig von aehnlichen Begriffen und Zuschreibungen in den USA oder anderswo entwickelte.
Ich rufe, angesichts von offenbar ungerechtfertigten Loeschungen, im uebrigen alle hiesigen Kommentatoren, denen selbiges, also eine offenbar ungerechtfertigte Loeschung kritischer Kommentare, hier widerfahren ist, dazu auf, sich unter folgendem link zwecks Dokumentation bzw. Rekonstruktion zu melden:
http://blog.derbraunemob.info/
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