Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten Dienstleister der Demokratie sein. Die privaten haben hingegen keinen kulturellen Auftrag. Trotzdem dürfen auch sie sich nicht alles leisten.
Als vor 55 Jahren die erste deutsche Fernsehanstalt ihren Betrieb aufnahm, waren nicht alle vom neuen Medium begeistert. Der Bundestagspräsident telegraphierte an den Intendanten: "Sah eben das Fernsehprogramm. Bedauere, dass Technik uns kein Mittel gibt, darauf zu schießen."
Ein Bild aus der SWR-Doku "Du nix deutsch? -Gastarbeiter in Deutschland": Die spanische Gastarbeiter-Familie Pascual mit ihrem ganzen Stolz - einem Fernseher. (© Foto: SWR)
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Das Bedauern hält an. Die Technik, das Fernsehen, die Rundfunkgebühren und die Zahl der Sender haben sich atemberaubend entwickelt, die Zufriedenheit des Publikums nicht.
In den sechziger Jahren gab es eine einheitliche Fernsehnation, die sich allabendlich vor dem einzigen nationalen Fernsehprogramm wie um ein Lagerfeuer versammelte und sich so ins Gemeinwesen integrieren ließ; die Soziologen nannten das formierte Gesellschaft.
Aus dieser formierten Fernsehgesellschaft ist eine disparierte Unterhaltungsgesellschaft geworden. Es gibt nicht mehr nur ein, zwei oder drei öffentlich-rechtlich organisierte Lagerfeuer, sondern Dutzende, bald Hunderte, in ganz verschiedener Größe - die meisten davon privat organisiert.
Und das ehemals einheitliche Fernsehvolk wärmt sich mal hier und mal da; vor allem die Jungen rennen zu privaten Feuerzauberern. "Wärmegeld" zahlt man überall: bei den Öffentlich-Rechtlichen in Form von Gebühren; bei den Privaten in Form von Werbung, die in so kurzer Folge verabreicht wird, dass man unmöglich jedesmal aufs Klo gehen kann.
Grundversorgung: News oder Sex?
Zwischen den Veranstaltern herrscht ein kriegsähnlicher Zustand. Die einen neiden den anderen die Werbung und die anderen den einen die Gebühren. Jeder will den anderen zum Teufel jagen. Aber das geht nicht, weil Gesetzgeber und Bundesverfassungsgericht es so geordnet haben; man nennt das Ganze duales System.
Das höchste Gericht hat versucht, Grundregeln dafür zu entwickeln. Und auch soeben, bei der großen Verhandlung über die Rundfunkgebühren, ging es in Karlsruhe nicht um ein paar Cent mehr oder weniger, sondern um Grundsätzliches: Wie sieht die Zukunft des Fernsehens in Deutschland aus, was bedeutet die Rundfunkfreiheit des Grundgesetzes, was verlangt sie von den öffentlich-rechtlichen Sendern und was von den privaten?
Das Verfassungsgericht hat die Rundfunkfreiheit nicht, wie die Pressefreiheit, als Abwehrrecht gegen Staatseingriffe angelegt, sondern als dienende Freiheit - als Dienstpflicht an der Demokratie.
Die Rundfunkfreiheit soll Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt garantieren; das war besonders wichtig, solange es wenige Sender gab: die mussten die demokratische und kulturelle Grundversorgung der Bürger gewährleisten. TV soll der Gemeinschaft dienen.
Also hat die Politik, als es die kommerziellen Sender zulassen wollten, das Blaue vom Himmel darüber erzählt, wie dienlich das für die Demokratie sein werde: Die Meinungsvielfalt werde noch vielfältiger, die Informationen noch dichter, die Kultur noch besser. In Wahrheit war es so, dass die Union hoffte, mittels der Privaten neue Meinungsmacht zu erlangen.
"Rammeln, Töten, Lallen"
Die "geistig-moralische Wende", die Helmut Kohl beim Amtsantritt als Kanzler propagierte, sollte eine politische Wende in der Medienlandschaft sein. Dem angeblich "linken" öffentlichen wollte man ein "rechtes" kommerzielles Fernsehen entgegensetzen. Das Erwachen aus diesem Traum war überwiegend grässlich.
Die neue Informationsvielfalt bestand vor allem aus "Rammeln, Töten, Lallen". So wurde in der ersten Phase des Privat-TV das Kürzel des Senders RTL übersetzt, der sich mittlerweile seriös gemacht hat. Jetzt sind 9Live, RTL II oder das Deutsche Sportfernsehen Symbol für die Verblödung der Republik.
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DFB-Torhüter ter Stegen
von Hrrn. Prantl, aber wo er recht hat.
Aber ich sehe die öffentlichrechtlichen schon längst nicht mehr so positiv wie er. Er hat recht, wenn er Arte, 3sat und Phoenix nennt. Die einzigen Sender, die man noch ansehen kann, ohne dass man vor Wut Schaum vor dem Mund bekommt. Dumm nur, dass 95% der Gebühren - meiner Gebühren, unserer Gebühren !- nicht in diese Sender fließt, sondern in das peinliche, abwechselnd altbackene oder schlicht schlecht von den Privaten abgekupferte Programm der Doofsender ZDF und - nicht ganz so schlimm - ARD fließt. Ich bin für BEzahlfernsehen. Wer Dreck sehen wil, soll ihn auch bezahlen und wer ordentliche Nachrichten usw. sehen will, der soll eben die bezahlen. Ich will eigentlich gar nix sehen außer meinen DVDs und will daher auch nix bezahlen.
Ihr Kommentar strotzt von Schlagworten (staatliche Bevormundung, Staatsfernsehen, Zwangsgebühr, politischer Sozialismus etc.), die z. T. substanzlos sind.
Wenn Sie den Aus-Knopf häufiger betätigen würden, wäre das möglicherweise für Ihr geistiges Wohlbefinden besser. Auch wenn mir der Einfluss der Parteien auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu groß ist, er ist mir immer noch lieber als der Einfluss durch Milliardäre, denn bei der Wahl von Politikern können Sie, ich und viele Andere noch mitbestimmen. Springer, Bertelsmann (Mohn) und andere stehen nicht zur Wahl, können also leider auch nicht abgewählt werden.
Auch wenn ich es bedaure, dass die öffentlich-rechtlichen aus Quotengründen Zugeständnisse an den schlechten Geschmack machen, ihre dritten Programme weisen immer noch Qualität auf. Das müssen die Privaten erst mal bringen!
Das Beste an den Sendungen der Privaten sind die Werbeunterbrechungen!
Bravo, Herr Prantl! Zu Ihrem Leitartikel kann ich Sie nur beglückwünschen. Ich bin vollkommen Ihrer Meinung (diesmal) und froh darüber, dass Sie an einige z.T. in Vergessenheit geratene Fakten erinnert und mit der wünschenswerten Klarheit Stellung genommen haben. Es wäre höchst erfreulich, wenn Ihre Vorschläge verwirklicht würden.
Die Grenze des Zumutbaren ist bei den Werbebeiträgen der Privatsender längst überschritten und die Landesmedienanstalten sollten dringend ihrer Aufgabe gerecht werden. Auch wenn sie dies tun, bleibt noch genügend geistiger Müll übrig, der unter Berufung auf die freie Marktwirtschaft und die Meinungsfreiheit unter das Volk gebracht werden kann und der dessen Hirn vernebelt und es zu unnützen Konsumausgaben verleitet. Das lässt sich wohl nicht ändern.
In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen einen kritischen Blick auf den Titel des von Ihrem Redaktionskollegen Bartens veröffentlichen Buchs (s. meinen dortigen Kommentar). So wie ich als langjähriger Leser der SZ Sie kenne, müssten Sie sich auch ohne direkte Zuständigkeit bemüßigt sehen, Herrn Bartens die Inkompatibilität seines Buchtitels mit dem Gehalt des Artikels 1 GG klarzumachen.
Und bleiben Sie dran an dem Thema Fernsehen!
Die Privatsender bringen viel geistigen Dünnschiß, kein Thema.
Aber wenn ich daran denke, wie nach dem 11. September 2001 Peter Klöppel auf RTL moderiert hat, ich fand das souverän. Dieser Mann ist nicht dumm, Abitur, Berufsausbildung, Studium, war über Jahre in den USA.
Und auch einem Günther Jauch kann man fehlende Bildusng nicht nachsagen - der Mann ist Profi durch und durch. Mit dem Skandel über die gefälschten Beiträge bei Stern TV ist er dermaßen clever umgegangen, daß er anschließend wie Phönix aus der Asche kam.
Wenn ich dagegen an eine dümmliche Carmen Nebel denke, oder an manches auf mdr.... auch die öffentlich-rechtlichen bieten viel Schwachsinn, wo es einem übel werden kann.
Alles andere ist die Diktatur einer Scheinaufgeklärtheit und Scheindemokratie zu Gunsten von Wohlstand und Macht weniger egoistischer Zeitgenossen.
Paging