Abgesehen vom Auftritt Reich-Ranickis langweilt die Gala mal wieder - und man registriert plötzlich, wer für all das steht, was das deutsche Fernsehen so einfallslos macht.
Wenn man erfährt, dass der fast 90-jährige Marcel Reich-Ranicki nicht geehrt werden wollte, dann aber von einem glänzend eingreifenden Thomas Gottschalk in einen vorläufigen Frieden gedrängt wurde und doch noch mit der gläsernen Trophäe den Saal verließ, könnte man den diesjährigen Deutschen Fernsehpreis im Kölner Coloneum als spritzige Gala missverstehen.
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"... nichts als Blödsinn" - ist Marcel Reich-Ranickis Urteil zum Deutschen Fernsehpreis. Das war aber auch schon das einzig Interessante an der Veranstaltung. (© Foto: ddp)
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Leider machten die 20 Minuten, in denen die großartige "Gottschalk rettet das deutsche Fernsehen vor dem schwarzen Ritter"-Show ablief, nur ungefähr zehn Prozent einer langatmigen Veranstaltung aus. Man muss das wissen, weil man andernfalls die Gefühle aller missverstünde, die am Fernsehpreisjubiläum (er wurde zum zehnten Mal veranstaltet) litten.
Während der über drei-stündigen Aufzeichnung konnte man schon mal auf böse Gedanken kommen - beim direkten Blick oder bei einem Zwischenschnitt auf die Gesichter der üblichen Verdächtigen. Man registrierte plötzlich, wer für all das steht, was deutsches Fernsehen so einfallslos, so billig macht.
Es sind Typen wie Guido Cantz, der blondierte Kölner Billig-Karnevalist, der sich im Sat1-Auftrag für einen Showmaster hält, oder Thomas Bug, der ehemalige DSDS-Juror, der als charme- und talentfreie Plage das WDR-Fernsehen heimsucht, oder das ZDF-Kerner-Derivat Markus Lanz, das stets genau aufzupassen scheint, ob es mit seiner neuen Liebsten im Bild ist.
Oder Veronica Ferres, die Frau, die nur versehentlich als beste Schauspielerin für ihre Leistung im ARD-Drama Die Frau vom Checkpoint Charlie ausgezeichnet worden sein kann, weil doch eigentlich die ebenfalls nominierten Claudia Michelsen und Katharina Wackernagel auf die Bühne gehört hätten. Dort aber machte sich Ferres sehr breit und berauschte sich ausgiebig an ihrer eigenen Rührung, dass allein schon dieser Auftritt die sofortige Aberkennung des Preises zur Folge hätte haben müssen.
Es sind solche Momente, die von großer Unerträglichkeit künden, weil sie für eine vermutlich nie zu verhindernde Ungerechtigkeit eines Preissystems stehen, das sich bei vier Ausrichtern (ARD, ZDF, RTL, Sat 1) ohne offizielle Weisung dem Proporz mehr verpflichtet fühlt als der konsequenten künstlerischen Bewertung. Zweimal musste Veronica Ferres schon ohne Preis heimfahren. Eine dritte Abfuhr wollte man sich möglicherweise nicht leisten. Es wäre ein feiner Eklat gewesen, aber den hatte zum Zeitpunkt der Ferres-Danksagung schon Marcel Reich-Ranicki geliefert.
Dessen Wut erschien insbesondere angesichts einer ungeheuer trägen Inszenierung verständlich. Was die Autoren im Auftrag des ZDF an völlig unlustigen Einspielfilmen und Laudatio-Unfällen fabriziert hatten, spottete jeder Beschreibung. Ohne den virtuosen Einsatz Gottschalks und ohne das Glück der einen oder anderen spaßigen Danksagung - beispielsweise des besten männlichen Nebendarstellers, Michael Gwisdeck -, wäre dieser Fernsehpreis in Peinlichkeit ertrunken.
Unfreiwillig schöne Momente gab es natürlich trotzdem. So zeugte die Entscheidung der Organisatoren, Alice Schwarzer als Laudatorin für die Kategorie Comedy auftreten zu lassen, von einem feinen Humorverständnis. Immerhin gewann die wunderbare Parodistenshow Switch reloaded (Pro Sieben), was verdient war, auch wenn die schöne WDR-Produktion Der Popolski Show deshalb leer ausging.
Der WDR bekam dafür den Preis in der Kategorie "Bester Fernsehfilm". Contergan heißt völlig korrekt der Sieger 2008, und auch die Auszeichnung von Miel Maticevic als bester Schauspieler geht in Ordnung. Dass Matti Geschonneck und Niki Stein in der Kategorie "Beste Regie" der Kollegin Connie Walther den Vortritt lassen mussten, ist diskussionswürdig, während die Auszeichnung von Das Schweigen der Quandts als beste Dokumentation ohne Alternative war.
Sat 1 wie Eurosport
Über die Ehrung von Doctor's Diary als "Beste deutsche Serie" mag man sich im Hause RTL gefreut haben. Der Sieg markiert gewissermaßen den Schritt zurück auf dem Weg zur erfolgreichen Eigenproduktion. Zudem bekräftigte es auch die Marktführerschaft bei der Titelsammlung, schließlich kann RTL immerhin die Beteiligung an neun Preisen vorweisen, während die ARD auf sechs kommt und das ZDF auf fünf.
Dagegen kann der seit Monaten irrlichternde Sender Sat1 nur einen Preis verbuchen und kommt auf genau so viel Ertrag wie der Spartenkanal Eurosport, der für seine Olympia-Berichterstattung sehr berechenbar prämiert wurde (der Kleine zeigts den Großen), und wie Marcel Reich-Ranicki. Aber nur an Reich-Ranickis Ehrung wird man sich noch in zehn Jahren erinnern.
- Eklat-Rede von Reich-Ranicki ".... nicht diesen Blödsinn" 12.10.2008
- Thomas Gottschalk zum Gala-Eklat "Gewisse Logik" 12.10.2008
- Eklat bei Fernsehgala Der alte Mann und der Blödsinn 12.10.2008
- Nach dem Eklat ZDF bietet Ranicki Sendung an 12.10.2008
- Gala des Deutschen Fernsehpreises Reich-Ranicki sorgt für Eklat 12.10.2008
(SZ vom 13.10.2008)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Die Statistik an und für sich ist der wahre Hohn.
Man nimmt eine Gruppe im Alter bis 49 Jahre. Jeder Soziologe und Statistiker schlägt sich vor Entsetzen vor den Kopf.
Die Altersgruppe bis 25 Jahre also die überwiegend Internet informierten selektieren die für sie interessanten Programme innerhalb einer Woche indem sie Hilfsprogramme einsetzen.
Wenn ein Programm nun nicht den Anforderungen entspricht, wir es einfach aus dem Tableau entfernt. Letztendlich kommen sie dann auf höchstens 5 Stunden in der Woche.
Zitat: "Aber, Fakt ist auch, der durchschnittliche Deutsche schaut einfach dreieinhalb Stunden Fernsehen pro Tag. "
Na ja, was wollen Sie machen wenn meinetwegen eine riesengroße Gruppe teilweise bis zu 10 Stunden pro Tag Fernsehen sieht. Der durchschnittliche Deutsche verdient auch sehr viel Geld, nämlich 41.068 Euro Brutto meinetwegen im Jahre 2004. Fakt ist jedoch auch, dass Millionen Arbeitnehmer unter 12.000 Euro Brutto verdienen.
Unseriös wäre jetzt, wenn Sie folgende Frage stellten: Warum konsumieren die Deutschen nicht mehr, verdienen sie doch immerhin 41.068 Euro Brutto im Jahr?
Das stimmt natürlich, dass es ein Totschlagargument ist, aber damit ja noch nicht weniger wahr. Der Rückgang des Fersehkonsums, insebesondere bei Kindern und Jugendlichen ist in der Tat erfreulich.
Aber, Fakt ist auch, der durchschnittliche Deutsche schaut einfach dreieinhalb Stunden Fernsehen pro Tag. Ich finde die Zahl unvorstellbar hoch. Nimmt man einen Menschen, der achst Stunden Aarbeitet und acht Stunden schläft ist dies fast die Hälfte der verbleibenden Zeit.
Das mag natürlich unfassbar naiv sein, aber ich würde einfach mal behaupten, die Toleranz gegenüber dem Mist wird auch dadurch so gross, dass die Leute soviel schauen. Es ist ein Gewöhnungseffekt, der vielleicht nicht einmal mit dem Programm an sich zu tun hat sondern einfach sozusagen mit der Physiologie des Fernsehens. Ich weiss nicht wie es geübten Glotzern geht, aber ich bin nach dreieinhalb Stunden Fernsehen (kommt ca einmal alle 2 Jahre vor) komplett gerädert, leer und stumpf. Vermutlich selbst nach dreieinahalb Stunden Arte.
Zitat:"Man fragt sich bei all dieser systemimmanenten Kritik nur, ob die Menschen vergessen haben, dass sich auch heute noch (wie lange noch?) an jedem Fernsehgerät ein Abschaltknopf befindet? "
Das ist wieder das berühmt berüchtigte Totschlagargument.
Die Leute schalten ja ab oder gar nicht erst an,warum meinen Sie wohl warum in der Gruppe bis 25 Jahren nur rudimentär Fernsehen gesehen wird? Die setzen sich lieber an ihre Playstation, Xbox oder Wii.
Das fatale an diesen Fernsehschaffenden ist doch, die finden sich wirklich gut, und weil die sich gut finden, meinen die sie würden auch Gutes schaffen.Uns, ihre Konsumenten, nehmen sie nur über die Statistiken wahr.
Das MRR recht hat, ist bei rational denken Menschen unstrittig, deshalb wird das jetzt von der anderen Seite mit dem allseits bekannten Zerredungsritual verarbeitet.Dieses Ritual wird kurzerhand MRR als alterssenilen zurückgebliebenen als Ergebnis zurücklassen.
Und weiter geht es mit der 765. Sendung: Hilfe meine Tochter hatte Sex mit der Zitruspresse.
Ein Wenig fühlt man sich an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert, nur dass es hier statt eines Kindes ein 88jähriger Greis ist, der frei genug das zu sagen, was jeder sieht. Oder sieht es wirklich keiner mehr?
Nun erregt sich also die gesamte Medienwelt. Bezeichnend für die Allumfassendheit dieser Medien ist, dass die Medienschelte innerhalb kürzester Zeit -Gottschalk brauchte ja nur wenige Sekunden- selbst zum Medienereignis geworden ist. Ausserhalb der Medien kann, wie es scheint, nichts mehr stattfinden.
Man fragt sich bei all dieser systemimmanenten Kritik nur, ob die Menschen vergessen haben, dass sich auch heute noch (wie lange noch?) an jedem Fernsehgerät ein Abschaltknopf befindet?
Statt Goethe und Brecht hätte Reich-Ranicki nur einen anderen Fernsehschaffenden zitieren zu brauchen, Peter Lustig und sein legendäres: "Abschalten!"
ich hab mir den Schwachsinn nicht angesehen. Aber eins muß man dem Herrn M.R.R. lassen der erkennt den Schwachsinn der Volksverdummungsmedien in seinem Alter immer noch. Hochachtung Herr MRR
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