Für neue Produkte von Apple machen Medien freiwillig Schleichwerbung - ein Symptom der global triumphierenden Marktwirtschaft, die zum sinnlosen Konsum animiert: Willkommen im iKapitalismus!
Man stelle sich vor, eine Firma für Hygieneartikel, die bisher nur Toilettenpapier hergestellt hat, brächte eine neue Windel auf den Markt. Sie kann das, was alle anderen Windeln auch können, nimmt nicht mehr und nicht weniger blaue Testflüssigkeit auf als die Produkte der Konkurrenz. Nur ihre Passform ist etwas vollendeter geschwungen und sie besitzt einen Klebeverschluss, den man mit nur einem Finger bedienen kann.
Das iPhone und der feine Unterschied: Bei Apple ist alles etwas anders, deshalb sollte man genauer hinschauen... (© Foto: Reuters; Montage: sueddeutsche.de)
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Der Hygieneartikelhersteller spart sich eine teure Werbekampagne: Er stellt die Windel einfach auf seiner Messe Mac-Clean-World vor, und sofort berichten alle Zeitungen und Fernsehnachrichten, sogar die staatlichen, ausführlich darüber. Was würde der Leser oder Zuschauer bei diesem Szenario denken? Die Vermutung läge nahe, dass die mediale Aufmerksamkeit teuer erkauft wurde, denn das ist der übliche Weg, um Schleichwerbung-Deals und Product placement einzufädeln.
Als kürzlich jedoch der Computerhersteller Apple das neue Mobiltelefon iPhone auf der hauseigenen Macworld-Expo in San Francisco präsentierte, da wunderte sich niemand, dass alle meinungsbildenden Medien darüber berichteten, als handele es sich um ein relevantes Ereignis: So verwandelte sich zum Beispiel das ARD-"nachtmagazin" plötzlich in die vergessen geglaubte Werbesendung "Schaufenster am Donnerstag".
Mit seiner "Keynote"-Rede lieferte Apple-Chef Steve Jobs den Medien genau die starken Bilder, die sie sehen und zeigen wollen: In seinem charakteristischen schwarzen Rollkragenpullover redete er mit der Verve eines Motivationstrainers auf das Publikum ein, während hinter ihm die übermannsgroßen Bilder eines iPhone futuristisch und 3D-haft im Raum schwebten.
Der Kapitalismus hat den Kampf der Ideologien gewonnen, durch die Globalisierung triumphiert er weltweit. Aufgrund eines Mangels an Alternativen und kritischem Bewusstsein werden seine Produkte den Konsumenten auch publizistisch immer schamloser als Must-have angedient, ohne ihre Substanz zu hinterfragen.
Ähnliches erlebte man kürzlich anlässlich der Markteinführung der konkurrierenden Spielkonsolen Wii und PlayStation 3, bei denen Bilder von Schlange stehenden Kaufwilligen um die Welt gingen, wie man sie sonst nur aus den Mangelwirtschaften des Sozialismus kannte: Künstliche Verknappung, auch so ein Trick, mit dem man großes Interesse erregen kann.
Es ist also eine Art sakrosankter Konsum entstanden, eine Kategorie von Luxusartikeln, bei denen es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass sie unverzichtbar sind. Apple ist diesbezüglich einen genaueren Blick wert, da der Computerhersteller prototypisch für Artikel steht, die qua Design einen auratischen Abglanz absoluter Wahrheit besitzen, der dem Benutzer ein besseres Leben verspricht.
Kein Zufall, dass Prada, die andere große Blendermarke der Gegenwart, jetzt ebenfalls ein Luxus-Mobiltelefon (Preis: ca. 600 Euro) auf den Markt bringt, das ebenfalls ein großes Touchscreen-Display besitzt und dem iPhone optisch wie technisch stark ähnelt. Diese direkte Riposte der Konkurrenz führt die Apple-Mär von der Einzigartigkeit ad absurdum und offenbart die lächerliche Halbwertszeit des Verkaufsarguments, ein Produkt sei "neu".
Doch die Kraft des Markenimages macht die Mehrheit der Konsumenten für solche Argumente unzugänglich. Der Markenfetischismus, der in den 1980er-Jahren in der Subkultur der Popper erblühte, ist heute ein Massenphänomen: Wir sind im Zeitalter des iKapitalismus angekommen.
Dieser ist eine gegenaufklärerische Bewegung, denn die Wahnvorstellung, Apple-Produkte seien etwas Besonderes, hat sich in den Köpfen fest gesetzt: Das haben die Marketingabteilungen und ihre journalistischen Helfer - hier passt der Schüttelreim - wirklich gefickt eingeschädelt. Es geht keinesfalls darum, Apple-Produkte abzuwerten, sondern um die Klarstellung, dass es nur Elektrogeräte sind - wie die aller anderen Hersteller.
Doch eben dies wird im iKapitalismus kaschiert: Das "i" steht nicht nur für den "Imperativ" des Kaufbefehls, sondern zugleich für "Ideologie" und "Ich". Es ist ein ideologisches Phänomen, weil Produkte von scheinbar distanziert-objektiven Instanzen als unabdingbar verklärt werden. Der Wunsch nach neuen Dingen erzeugt beim Konsumenten einen persönlichen Mangel und damit eine sinnlose Unzufriedenheit. Die Menschen in den Industrieländern besitzen nämlich nicht zu wenig, sondern zu viel, um glücklich zu sein: "Let your boat of life be light", schrieb Jerome K. Jerome so treffend in seinem klugen Lebenskunst-Roman "Three Men in a Boat".
Für das Ich steht das "i", weil im Grunde jeder weiß, dass man Glück nicht kaufen kann. Aber was kaufen wir dann, wenn wir ein altes gegen ein neues Telefon auswechseln? Vor allem suchen wir in den Dingen Ablenkungen von der existenzialistischen Misere und wollen über dem Gegenstand uns selbst vergessen. Eduard von Keyserling beschrieb schon 1905 in seinem Essay "Zur Psychologie des Komforts", wie der Mensch versucht, sein Ich in die gegenständliche Welt auszudehnen: "Wir vermenschlichen unwillkürlich die Geräte und Sachen, die uns dienen, und je besser sie sich uns anpassen, um so mehr Leben leihen wir ihnen und sie scheinen uns freiwillig zu dienen, sie werden dann nicht nur bequem, sondern tröstlich."
Lesen Sie im zweiten Teil, wie virtuos Apple die Klaviatur der Konsumentenmanipulation bedient.
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Anti-Piraterie-Abkommen
http://www.heise.de/mobil/artikel/101402/0
beste Grüsse, Untersendlnger
@seamon und den Autor
Der Artikel klingt für mich ein bisschen wie ein Klagelied derer, die sich strikt gegen Neues und wirklich gut vermarktetes richten.Und zwar aus Prinzip.
Nokia, Samsung, LG, Sony Erricson und wie sie alle heißen sind seit vielen Jahren damit beschäftigt immer bessere Mobiltelefone zu entwickeln. Und was macht Apple? Sie steigen in einen Markt ein, in dem sie bislang nichts zu tun hatten und bringen alle zum Heulen.
Wenn ein Handybenutzer eine Telefonnummer sucht, ruft er die Auskunft an. Der iPhone-Nutzer benutzt Google Maps, spart geld und Zeit. Wenn ein Handynutzer seine Mailbox abruft, hört er sich zehn sinnlose Nachrichten an, zehn Nachrichten, bei denen der Anrufer nach dem Piep aufgelegt hat und die 21. ist dann wichtig. Der iPhone-Nutzer sieht, wer Nachrichten hinterlassen hat und selektiert noch vor dem Abhören. Der Handynutzer schreibt zehn SMS an zehn verschiedene Empfänger und sucht später die eine SMS mit der wichtigen Info in seinem Eingang. Der iPhone-Nutzer schlägt das Protokoll der einzelnen Empfänger auf und hat es auf einen Blick.
Wieso werben Samsung und LG plötzlich mit "dem echten Internet"?
Ja, das iPhone kann das gleiche, was andere Telefone auch können. Nur eben immer einen Tick cleverer. Wer mit Macs arbeitet, weiß was ich meine.
Sicher ist es nicht frei von Nachteilen. Ein Akku, den man nicht austauschen kann ist ein enormer Nachteil für ein Mobiltelefon. Kein UMTS ist auch ein großer Nachteil. Eine bessere Kamera wünschen sich auch eineige....
Aber:
Multitouch IST eine revolutionäre Bedienung.
Seine Podcasts und seine Musik in seinem Handy mitzunehemen IST der Hammer.
überall ins Internet gehe zu können ist super.
Und wer sich jetzt fragt, wer das alles braucht, dem sei gesagt: Kein Mensch!
Aber es ist toll. Genau wie die Mikrowelle mit Grillfunktion und die Sitzheizung in Eurem Audi. Genau wie der Autofocus in der Digitalkamera.
Wer Trends, Fortschritt und gutes Marketing, so verschreit wie der Autor dieses Artikels, der sollte sich einen anderen Ort zum Leben suchen, denn hier wird es schwer, glücklich zu sein.
Ach und eine Frage noch: Wenn jemandem doch so viel an "den wirklich wichtigen Dingen" liegt, wieso stößt ihm dann der Rollkragenpulover auf?
@Raffinade
Aha. Mehr sag ich dazu mal nicht.
@flo-git
Wer behauptet, das iPhone "revolutioniere" den Handymarkt, hat ebenso wenig Ahnung wie jemand, der das Gegenteil behauptet.
Was bringt nun dieses Stück Elektronik Neues? Bei der Bedienbarkeit setzt es Akzente, die man so noch nicht kennt, nicht zuletzt dank eines Bildschirms mit Multitouch.
Und nun? Ist das nun die grosse Revolution? Entschuldige, das Ding kann nicht mal MMS verschicken - ob das jeder benutzt, sei mal dahin gestellt, aber in der Ausstattung ist das iPhone jedem anderen Handy unterlegen. Es erfindet das Handy nicht neu, es sieht edel aus, kann weniger als Andere, ist robust und hat eine neue Bedienung.
Das ist alles. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht "schlecht", es ist aber auch völlig überbewertet und dieser ganze Hype wäre sowas von überflüssig.
Das Problem daran ist, dass so viele Leute sich von so einem Hype anstecken lassen. Und genau darum gehts dem Autor ja. Und er hat ja nicht NUR Apple angegriffen.
Insofern bin ich seiner Meinung, dass die Kundschaft systematisch manipuliert wird - wobei auch das nichts Neues ist, Apple perfektioniert das Ganze nur. Allerdings sind die Leute auch irgendwo selber Schuld, wenn sie sich manipulieren LASSEN.
Dass die Produkte gar nichts besser können als die Konkurrenz, kann man so aber nicht sagen (wie ich schon gesagt habe: Bedienung ist zweifellos oberstes Niveau).
Ansonsten kann ich diese ganzen "Apple-Jünger", wie man sie schon lange (treffend!) nennt nicht mehr hören. Alles, was keinen Apfel trägt ist per se Elektronikschrott. Das erinnert mich langsam an eine Religion, was da abgeht. Ich kenne jedenfalls keinen Benutzer irgendeiner anderen Marke, der sich so aufführen würde.
Es scheint, als würde jeder, der von Apple überzeugt ist, den Fokus für alles Andere völlig verlieren und selbst Hardware oder Software, die erwiesenermassen besser ist, verteufeln.
Sowas hat mit "Normalität" nichts mehr zu tun.
Verallgemeinerungen sind nicht gewollt und unterstützt.
Ich denke Apple ist mit der Aktion die iPhones an deutsche Promis zu verschenken ein genialer Schachzug gelungen. Was sonst sicher Millionen gekostet hätte, nur einen Promi als Werbeikone zu verpflichten, ist somit für Apple-Verhältnisse kostenlos gelungen. Denn so haben sie viele Promis als Werbeträger gewonnen und die deutschen Medien berichten darüber kostenlos in Printmedien und im Fernsehen. Besser und billiger geht es kaum. Ob der Preis für das Handy gerechtfertigt ist, sei einmal dahingestellt. Der Markt bestimmt die Preise und wenn es zu teuer ist, wird der Markt den Preis von allein regulieren.
Dieser Artikel verkennt leider total was Apple mit dem iPod für eine Revolution am Markt ausgelöst hat. Und wenn man sich auf Youtube die Rede von Steve Jobs zur Einführung des Ipod anschaut, muss man sagen dass er damals schon den heutigen Trend vorhergesehen hat. Er sah nicht nur aus heutiger Scht die Entwicklung genau voraus, sondern erklärte auch genau warum der iPod erfolg haben wird. Es war nicht die große Marketingstrategie allein, wie uns dieser Artikel suggeriert, was den iProdukten zum Erfolg verhalf, nein es waren vor allem die durchdachten Konzept und wie zum Beispiel beim iPod, die genialen Vission die dahinter stand. ähnlich ist es mit dem iPhone, es wird den Handymarkt und auch auf lange Sicht den Pc-Markt verändern. Deshalb ist es meiner Meinung die Pflicht der Medien darüber zu berichten. Wenn man behauptet der das iPhone sei technisch nichts neues, fehlt jedes Fachwissen!!! Ich werde mir kein iPhone in den nächsten Monaten anschaffen, aber sicher so wie die meisten Handybenutzer bald ähnliche Technik auf meinem Handy haben. In 1den nächsten5 Jahren glaube ich auch das ein Touchscreen endlich in den heimatlichen Pc einzug nimmt, weil bis dahin die Technik so ausgereift sein wird dass es ein große Arbeitserleichterung mit sich bringt.
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