Das ist nicht schön Liebestod?

Augsburgs Brechtfestival droht massive Planungsunsicherheit

Von Yvonne Poppek

"Kunst ist ein Luxus, den der Mensch braucht", schrieb Bertolt Brecht einmal. Und so zitiert ihn die Augsburger Stadttheaterintendantin Juliane Votteler im Programmheft zum kommenden Brechtfestival. Ein schönes Zitat, vor allem angesichts dessen, dass man in Augsburg offenbar auf diesen Luxus teilweise verzichten möchte. Die Zukunft des Festivals, auf das die Stadt lange mit Stolz geblickt hat, scheint auf wackeligen Beinen zu stehen. Nicht deshalb, weil es die letzte Ausgabe des künstlerischen Leiters Joachim A. Lang sein wird. Der Gedanke, nach sechs Ausgaben jemand anderem die Leitung zu überlassen, ist durchaus sinnvoll.

Neue Impulse, neue Ideen zur Programmgestaltung, ein neuer Blickwinkel auf den in Augsburg geborenen Dichter tun dem Festival mit überregionaler Strahlkraft gut. Allerdings ist unklar, wer dafür zuständig sein wird. Kulturreferent Thomas Weitzel möchte öffentlich keine Angaben zur Nachfolgeregelung machen. Doch selbst, wenn er bereits jemanden dafür im Auge hat, wird dieser sich schwer tun mit der Organisation der Ausgabe 2017. Wie soll er Künstler einladen, ohne berufen zu sein? Sicher: Regionale Kunstschaffende werden sich auch kurzfristig beteiligen wollen. Aber Künstler wie in den vergangenen Jahren, Stars wie Patti Smith, Nina Hagen, Element of Crime, das Berliner Ensemble oder Thomas Thieme? Unwahrscheinlich.

Und wo sollen die großen Veranstaltungen stattfinden? Das Stadttheater wird voraussichtlich schon Anfang 2017 wegen der Sanierung geschlossen sein. Zieht das Festival aufs ehemalige Gaswerkareal? Ist noch Platz in der Kongresshalle? Endet gar die viel beschworene Kooperation mit dem Stadttheater, und wird Brecht mit einem kleinen Cityfest gefeiert? Schon 2016 gibt es keine eigene Festival-Produktion des Theaters mehr. Was ein Neuanfang hätte sein können, sieht aus wie das Ende einer sehr schönen Liebe. Langs Vorgänger Albert Ostermaier hatte es einst geschafft, dem Festival bundesweite Aufmerksamkeit zu sichern. Die Stadtpolitik geht allzu leichtfertig mit dem Erreichten um. Und das ist nicht schön.