"Bild", Diekmann und die "taz" Gestatten, Genosse!

Vom Feind zum Freund: Einst prozessierte Bild-Chefredakteur Kai Diekmann gegen die linke tageszeitung - nun steigt er dort ein.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Als die tageszeitung in Berlin im Jahr 2004, zum 25. Geburtstag, auf die Idee einer "Feindes-taz" kam, hatte sie einen natürlichen "ersten Feind": Kai Diekmann, Chefredakteur der Boulevardzeitung Bild. Er durfte mit anderen Fremden die Jubiläumsausgabe gestalten und platzierte ein Interview mit Helmut Kohl.

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zeigt nach dem Herz für Kinder nun auch eins für die linke Institution "taz".

(Foto: Foto: ddp)

Ein Auftritt mit Folgen: Diekmanns Marsch durch die linke Institution schreitet weiter fort. Der bekennende konservative Journalist hat sich nun in die Reihe der 8538 Genossen im linken Gesellschafterkreis eingegliedert. Wie viele Anteile zu je 500 Euro Diekmann zeichnete, lässt er im Unklaren. Es soll sich insgesamt um einen mittleren vierstelligen Betrag handeln. Von einer Liaison zwischen "Deutschlands größter und kleinster Boulevardzeitung" spricht Diekmann.

Als der Neu-Genosse mit seiner Redaktion von Hamburg nach Berlin zog, leisteten sich die Leute im benachbarten taz-Haus noch den Luxus, seine ironischen Willkommensgrüße zu ignorieren. Jetzt aber wird im taz-Fankreis über Diekmanns Coup diskutiert. Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch wiederum sieht's locker: Mit dem Genossenmodell hält sich die anzeigenarme Zeitung über Wasser.

Über die Korrespondenz mit den taz-Genossen freut sich Diekmann. Ihnen erklärt er, wie wenig von einem Erinnerungstermin zu deutsch-deutschen Helfern in Nicaragua ("verrückte Sandinistas") zu halten sei. Hatte sich der Bild-Chef einst noch prozessual gegen eine steile taz-Satire gewehrt, geht er heute eher spielerisch mit dem Blatt um. Auf die "Feindes-taz" 2004 ist Diekmann noch heute stolz: Sie schaffte die Rekordauflage von 100 000 Stück. Mal sehen, was er als Genosse so bewegen kann!