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Wer war noch mal "Clint Eastwood"? War das nicht dieser rüstige Unruheständler, der im Alter von fast 75 ganz Hollywood aufmischt? Der Mann ist größer als je zuvor. Also mussten wir ihn besuchen auf seiner Ranch in Kalifornien - und wurden dort bekehrt. Von Tobias Kniebe

Ein Weg, der zu ihm führt, ist der Highway One Richtung Norden.

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"Ich will mich zurückzuziehen. Ich möchte nicht alles erklären, nicht hinter jedes Gefühl ein Ausrufezeichen setzen." (© Foto: Warner)

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Die Straße beginnt in Feuerland, sie endet in Alaska, aber hier vor dem kalifornischen Städtchen Carmel muss sie am schönsten sein.

Bergzacken ragen ins Meer, Gischt liegt über der Brandung, dahinter verliert sich der Horizont in Swimmingpoolblau, endlos winden sich die Kurven. Schon in der Vorstellung steht Eastwood vor diesem Stück Natur als Rückenfigur, Blick: raus auf den Horizont.

In dieser Vorstellung, die man sich nunmal macht auf der Reise zu Clint Eastwood, kneift er die Augen zusammen. Er steht so da, wie nur Eastwood dastehen kann, mal Standbein, mal Spielbein, die Züge versteinert, eingemeißelt ins Bildgedächtnis der Welt. Im Fernsehen mag er bescheiden und humorvoll wirken, wie neulich bei den Academy Awards. Aber ehrlich gesagt, das kann ja wohl nicht die ganze Wahrheit sein.

Hochphilosophische Einstiege hat man ausgeheckt und ist dann doch, Stichwort München: sofort beim Spaghettiwestern. Den ersten davon hat nämlich eine gewisse Constantin mitproduziert. Eastwood schaut zurückhaltend und nett, sagt, dass München eine so unglaublich schöne und klassische Stadt sei, und dass es die erste Stadt gewesen sei, die er, als er damals mit der Constantin zu tun gehabt habe, besuchte in Deutschland.

Also gleich los mit der Frage, die wirklich auf den Nägeln brennt. Es geht um diese Szene in "Zwei glorreiche Halunken" (The Good, The Bad And The Ugly), sein Meisterwerk mit Sergio Leone, fast vierzig Jahre alt. Keine große, brutale oder dramatische Szene, aber sie ist: quintessentieller Eastwood.

Eine Stadtruine, vom Bürgerkrieg zerstört. Rauchschwaden, einschlagende Kanonenkugeln. Blondie aka The Good (Eastwood) und Tuco aka The Ugly (Eli Wallach) bilden eine Allianz gegen sechs Schurken, die irgendwo um die Ecke lauern müssen. Ennio Morricones Crash-Gitarren. Dann laufen sie die Straße entlang: Tuco geduckt, schleichend, extrem auf der Lauer, die Augen aufgerissen.

Eastwood dagegen: majestätisch. Steigt über die Trümmer, seine Hände hängen am Körper herab wie Flossen, seine Hüfte wird vom Gewicht des Colts leicht nach rechts gezogen, im Gegenzug lehnt er sich etwas nach links. Cowboystiefel, Sporen, eine dunkle Hose, ein blaues, von der Sonne gebleichtes Hemd, eine Weste aus Schaffell. So driftet er die Straße entlang, auf Ideallinie in die Ewigkeit, exponiert für jeden Hinterhaltund doch unaufhaltsam. Der Gang eines jungen Gottes.

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