Interview: Birgit Weidinger

Das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich: Die blinde Bestsellerautorin Sue Townsend schreibt böse Texte über die Royals - und erklärt, warum Komik wichtig ist, wenn es ernst wird.

Selbst zu Zeiten weltweiter Rezession: Die britische Königin scheint von Sparzwängen nicht viel zu halten. Sie hat die Regierung wissen lassen, dass sie einen Extra-Etat benötige für die Sanierung und Bewirtschaftung ihrer Schlösser. Gegner der Royals halten das nach Berichten der Zeitung Independent für obszön und plädieren wieder einmal für die Abschaffung der Monarchie.

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Aus dem Amt entfernt: Zumindest in Sue Townsends Buch "The Queen and I" wird die Monarchie abgeschafft. (© Foto: dpa)

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Damit sprechen sie ganz im Sinn der Autorin Sue Townsend, 62, die sich in ihren Romanen seit Jahren satirisch-kritisch mit der Existenz des Königshauses auseinandersetzt. Townsend lebt in ihrer englischen Geburtstadt Leicester. Die Serienromane über den Teenager Adrian Mole und seinen Kampf gegen die Tücken des Daseins machten die Tochter einer Arbeiterfamilie international bekannt. Seit 2001 ist die Autorin blind, hat aber das Schreiben nie aufgegeben.

SZ: Mrs. Townsend, woher, glauben Sie, kommt Ihr eigenes Bedürfnis, zu provozieren?

Townsend: Ich glaube, es ist genauso Teil meines Naturells wie meiner Erziehung. Ich hatte nie Angst vor Respektspersonen und vor Autoritäten. Und wenn mich jemand bevormunden wollte, dachte ich immer daran, welch winzige Pünktchen im Universum wir sind - und nichts und niemand konnte mir etwas anhaben.

SZ: Sie schreiben, obwohl Sie blind sind.

Townsend: Seit 2001 bin ich als blind registriert. Das ist die Folge meiner Diabetes, die Blindheit war nicht aufzuhalten. Nun wollte ich aber keinesfalls zu einem professionellen Invaliden werden. Dagegen habe ich mich von Anfang an gewehrt. Schon gegen die Art und Weise, wie ich per Post die endgültige Mitteilung bekam. Auf einer Karte, die in einem billigen braunen Umschlag steckte. Schrecklich.

SZ: Ihre Gegenwehr hat Ihnen geholfen, mit der Blindheit besser umzugehen?

Townsend: Außerdem hat mir die Vertrautheit meiner Umgebung und meiner Leute geholfen. Leicester ist meine Heimat, hier bin ich vor 62 Jahren geboren und großgeworden, hier wohne ich mit meinem zweiten Mann, hier sind unsere Kinder aufgewachsen. Natürlich hat die Blindheit Auswirkungen auf meine Gemütsverfassung und meinen Alltag: Ich sitze viel im Rollstuhl, und das Leben spielt sich nun zwangsläufig mehr in meinem Kopf ab, in meinem Inneren. Ich war allerdings immer der Ansicht, Schriftsteller sollten im Hintergrund bleiben und beobachten. Sie sollten nicht als Teil des Show- und Leistungsbusiness auftreten.

SZ: Das sehen nicht alle so. Für alle die, die ihn nicht kennen: Erzählen Sie doch mal ein bisschen was über Ihren Helden, den Teenager Adrian Mole.

Townsend: Nun, Mole ist auch so ein Underdog, der sich aber nicht unterkriegen lassen will. Auf eine verschrobene Art pflegt er sein Durchsetzungsvermögen, er fühlt sich vom Leben herausgefordert. Als 1982 das erste Tagebuch erschien "The Secret Diary of Adrian Mole, Aged 13 3/4", und dann 1985 "The Growing Pains of Adrian Mole", wurde er zum Liebling der Leser. 1985 wurde auch die erste Fernsehserie produziert.

SZ: Ihre Mole-Charaktere sind sehr englisch.

Townsend: Das stimmt schon. Doch die Bücher verkauften sich auch anderswo recht gut, etwa in Deutschland.

SZ: Die Fernsehserie, die die BBC nach den Mole-Büchern drehte, wurde in der deutschen Fassung zwischen 1987 und 1994 mehrmals ausgestrahlt.

Townsend: Der neurotische, akne-gequälte Adrian kam deshalb so gut an, weil doch die Teenager überall die gleichen intensiven oder übersteigerten Gefühle kennen: Freude, Liebe, Trauer, Übermut, Spaß, sie haben soviel gemeinsam in diesem Alter.

SZ: Sie befassen sich auch gerne mit der königlichen Familie und deren Zukunft. Was reizt Sie an den Royals?

Townsend: Die sind für mich ein Reizgegenstand. 1992 habe ich die Royals in meinem Buch "The Queen and I" aus dem Amt entfernt und verbannt, die Monarchie ist out, wird abgeschafft. Nichts ist mehr wie früher für sie, mit dem Luxusleben ist es vorbei, die Königin muss auf den Markt gehen, sie ahnt ein wenig, was Not, Arbeit, Einschränkung bedeuten.

SZ: Sie lehnen die Monarchie ab?

Townsend: Das kann man wohl sagen - ich will Bürgerin sein, keine Untertanin.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, warum die Royals in Sue Townsends Büchern sprechende Hunde haben.

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