East Side Gallery in Berlin Investor rechtfertigt Nacht- und Nebelaktion

Die Lage an der East Side Gallery wird immer verworrener: Überraschend rückten am Morgen die Bagger an und setzten den umstrittenen Abriss des Teilabschnitts der früheren Berliner Mauer fort. Der Investor, der die Aktion veranlasst hatte, versprach die Wiedereinsetzung der entfernten Mauerteile. Der Senat kritisierte die Aktion.

Der Investor des umstrittenen Bauprojekts an der East Side Gallery in Berlin hat angekündigt, herausgetrennte Mauerteile später wieder einzusetzen. Die "temporäre Mauerversetzung" sei aber notwendig geworden, weil in Gesprächen mit dem Senat, Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Investoren des Nachbargrundstücks auch nach vier Wochen keine Alternative gefunden worden sei, teilte das Unternehmen Living Bauhaus mit.

Am Morgen waren überraschend vier weitere Mauerteile aus der weltbekannten Mauer-Galerie herausgetrennt worden. "Wir bedauern, dass es aktuell keinen anderen Weg gibt", teilte ein Sprecher von Living Bauhaus weiter mit. Damit soll eine provisorische Zufahrt zur Baustelle für das geplante Wohnhochhaus geschaffen werden.

Der Sprecher bat das das Bezirksamt eindringlich um einen neuen Vorschlag, wie das Baugrundstück zwischen früherer Hinterlandmauer und Spree erschlossen werden könne: "Wir würden uns über weitere Gespräche mit allen Beteiligten freuen."

Der Berliner Senat hatte am Mittwochmorgen das Vorgehen des Investors kritisiert. Senatssprecher Richard Meng sagte, offenbar habe der Investor vor den anstehenden Kompromissgesprächen Fakten schaffen wollen. Das sei kein Zeichen für Kooperationsbereitschaft.

Die von internationalen Künstlern bemalte East Side Gallery ist das längste noch erhaltene Stück Berliner Mauer. Weil Investoren nun aber in attraktiver Wasserlage Luxuswohnungen bauen wollen und weil der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg direkt daneben eine Fußgänger- und Fahrradbrücke plant, wurde bereits ein Stück abgerissen. Geplant ist eine Lücke von insgesamt 22 Metern.

Nach Protesten in den vergangenen Wochen hatte der Investor die Bagger zunächst anhalten lassen. Gespräche, unter anderem mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), waren jedoch ohne konkretes Ergebnis geblieben.

Am Morgen waren zunächst nur wenige Demonstranten an der East Side Gallery. Ein Vertreter der Initiative "Mediaspree versenken", die sich für den Erhalt des Mauerstücks einsetzt, kündigte an, dass die Gegner des Projektes jetzt wieder aktiv würden. In den vergangenen Wochen hatten bis zu 6000 Demonstranten gegen den Abriss protestiert. Auch der US-Schauspieler und -Sänger David Hasselhoff war bei einer Protestaktion anwesend.