Autor von "Fahrenheit 451" Ray Bradbury ist tot

Sein größter Erfolg blieb die düstere Zukunftsvision "Fahrenheit 451", doch Ray Bradbury hörte nie auf zu schreiben. Ob Science-Fiction, Märchen oder Horror, ob Drehbuch, Essay oder Roman - der Amerikaner wurde nach eigener Aussage jeden Morgen von der Inspiration geweckt und schuf ein vielfältiges Werk. Nun ist er im Alter von 91 Jahren in Los Angeles verstorben.

Er sei einer dieser seltenen Autoren, deren Bücher die Denkweise der Menschen verändert haben. Mit diesen Worten wird Ray Bradbury auf seiner eigenen Homepage charakterisiert. Jetzt ist der amerikanische Schriftsteller im Alter von 91 Jahren in Los Angeles verstorben. Das berichtet das US-Blog io9 unter Berufung auf Bradburys Familie und Biographen.

Bradbury war Autor von unzähligen Kurzgeschichten, Romanen und Drehbüchern. Der Amerikaner galt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des Science-Fiction-Genres. Sein größter Erfolg war "Fahrenheit 451".

Raymond Douglas Bradbury wurde am 22. August 1920 in Waukegan im US-Staat Illinois geboren. Sein Vater stammte aus einer Familie von Redakteuren und Druckern. Das Schreiben lag ihm also quasi im Blut, doch Bradbury selbst sagte dazu später, er habe sich als Kind seiner Ahnin Mary wesentlich näher gefühlt, die im 17. Jahrhundert in Salem als Hexe verurteilt worden sei.

Düsterer Visionär

Bradbury begann bereits als Schüler mit dem Schreiben. Nach seinem High-School-Abschluss verkaufte er zunächst Zeitungen und begann rasch, erste eigene Stories an Zeitschriften zu verkaufen. 1941 wurde mit "Pendulum" erstmals eine seiner Kurzgeschichten publiziert. Mit Anfang 20 widmete er sich voll und ganz dem Schreiben. Innerhalb von zehn Jahren arbeitete er sich von Billigblättern zu renommierteren Magazinen wie Esquire hoch.

Der erste große Erfolg gelang ihm mit dem utopischen Roman "The Martian Chronicles" im Jahre 1950. Darin beschrieb er das Scheitern einer Marskolonialisierung in der (damaligen) Zukunftswelt in den Jahren 1999 bis 2026. Der ganz große Durchbruch kam 1953 mit "Fahrenheit 451". Gedankenzensur und Bücherverbrennung prägten diese düstere Vision, die spätestens durch die Verfilmung von François Truffaut (1966) mit Oskar Werner und Julie Christie in den Hauptrollen ein weltweiter und vielzitierter Erfolg wurde.

Hochproduktives Multitalent

Bradbury war Zeit seines Lebens ein extrem produktiver Autor, der neben Science-Fiction auch das Märchen-, Krimi-, Fantasy- und Horror-Genre bediente. In seinen Geschichte brachte er Ängste und Albtraumszenarien zu Papier. Rummelplätze, Karrussells und Jahrmarktbuden etwa wurden bei ihm zu gruseligen Kulissen, unter anderem in "Something Wicked This Way Comes" (1962, verfilmt 1983) und "Death is a Lonely Business" (1985).

Auch der B-Movie-Klassiker "It Came from Outer Space" aus dem Jahr 1953 entstammt Bradburys scheinbar unerschöpflicher Phantasie. Der Welt sagte er in einem Interview 2006, auf Inspiration habe er niemals warten müssen - "die rüttelt mich jeden Morgen wach".

"I wrote, I wrote, I wrote"

Bradbury war für sein enormes Schreibtempo bekannt. Zum Teil veröffentlichte er unter eigenem Namen, zum Teil unter Pseudonymen wie Edward Banks oder Leonard Douglas, William Elliott und Douglas Spaulding. Sein Werk umfasst Hunderte von Kurzgeschichten, ein Dutzend Romane, sowie Gedichte, Theaterstücke, Essays und Drehbücher für Film und Fernsehen (etwa "Moby Dick" mit Gregory Peck von 1956).

Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, so mit dem World Fantasy Award (1977) und dem amerikanischen TV-Oscar Emmy (1994). 2002 bekam er seinen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame in Los Angeles. Im Jahr 2007 wurde er bei der Verleihung der Pulitzer-Preise in New York für sein Lebenswerk geehrt. Vielen gilt er - neben George Orwell und Aldous Huxley - als wichtigster US-Autor gesellschaftskritischer Zukunftsvisionen im vergangenen Jahrhundert.

Bradbury, seit 2003 verwitwet, hinterlässt vier Töchter und acht Enkelkinder. Einer seiner Enkel, Danny Karapetian, sagte dem Blog io9, seine Lieblingspassage aus dem Werk des Großvaters finde sich in dessen Buch "The Illustrated Man" von 1951: "My tunes and numbers are here. They have filled my years, the years when I refused to die. And in order to do that I wrote, I wrote, I wrote, at noon or 3:00 A.M. So as not to be dead." ("Meine Lieder und Ziffern sind hier. Sie haben meine Jahre ausgefüllt, die Jahre, in denen ich mich weigerte zu sterben. Dafür habe ich geschrieben, geschrieben, geschrieben, mittags und um drei Uhr nachts. Um nicht tot zu sein.")