Ausstellungs-Projekt Aufbruch und Emanzipation

Die kenianische Filmemacherin Wanuri Kahui thematisiert in ihrem Film "Pumzi" von 2009 im Stil des Afrofuturismus den "Krieg um Wasser".

(Foto: oh)

"Flow of Forms" erzählt in mehreren Ausstellungen Designgeschichten aus Afrika und Europa

Von Evelyn Vogel

Das ist kein Best-of afrikanischen Designs und Architektur. Hier geht es nicht darum, It-Design made in Africa aufs Schild zu heben. Vielmehr ist das Ziel, unabhängige Ansätze, spezifische Strategien, globale Bezüge und lokale Vernetzungen deutlich zu machen. Deshalb ist dieser "Flow of Forms", der sich gerade durch einen Teil der Stadt zieht, so bemerkenswert. Da mögen die fünf Präsentationen an vier verschiedenen Ausstellungsorten jede für sich noch so bescheiden daher kommen. Aber das, was die Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte an der LMU München im Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne, im Museum Fünf Kontinente, im Kunstraum München und in der Galerie Karin Wimmer als Gesamtkonzept auf die Beine gestellt haben, gibt einen sehr interessanten Einblick in die "Design - Geschichten zwischen Afrika und Europa".

Markant ist die Wortspielerei. Sie findet sich zudem im doppelläufigen Titel "Flow of Forms / Forms of Flow" wie im gesamten Konzept. Sie erweist sich tatsächlich aber als mehr denn pure Wortspielerei. Es geht um Geschichte und Geschichten. Um Afrika und Europa. Und es geht um die Beziehungen und Bezüge zwischen den beiden Kontinenten. Dabei geht der Blick von beiden Positionen aus und immer in zwei Richtungen. Bewusst wollten die Studenten, deren Designrecherchen bei einem Workshop in Bamako in Mali begannen, die eurozentristische Ausrichtung unterlaufen. Das hat vielleicht nicht immer und überall geklappt - schließlich spiegeln wir das Gesehene immer auch vor unserem eigenen kulturellen Hintergrund. Aber man erkennt deutlich die Bemühungen, Blickwinkel und Denkräume zu öffnen.

Einen Blick in die Vergangenheit und einen auf die Zukunft werfen die beiden Konzeptteile "Transform(N)ation" und "Spekulative Formen", die in der Pinakothek der Moderne zu sehen sind. Dass die kleinen Präsentationen räumlich direkt an die Ausstellung "Radically Simple" des aus Burkina Faso stammenden Architekten Francis Kéré anschließen, passt gut - auch wenn sie dort arg eng hineingequetscht wirken. Aber dort zeigt sich schon das ganze Spektrum des Konzepts, finden sich künstlerische Umsetzungen, traditionelle Weiterentwicklungen, futuristische Ideen, auf spezifische Ressourcen heruntergebrochene, globale Probleme, Low-Budget-Architektur neben High-Tech-Design.

Kulturgeschichte und Kulturgeschichten prallen im Museum Fünf Kontinente aufeinander, wo unter dem Titel "Formen der Moderne" traditionelles und modernes afrikanisches Design von Gebrauchsobjekten bis hin zu Mode miteinander kombiniert wurden. Dabei weicht man im Haus, das sich einst Völkerkundemuseum nannte, auch nicht der Darstellung afrikanischer Kunst aus dem kolonialen Geist früherer Zeiten aus, sondern thematisiert sie mit Hilfe von Abbildungen.

Die Synthese von afrikanischem und europäischem Design, der Austausch und Dialog, steht im Mittelpunkt der Schau "Formen der Kooperation / Partizipation" im Kunstraum München. Dort werden enge Kooperationen und praxisnahe Beispiele aus jüngster Vergangenheit vorgestellt, darunter die Ansätze und Ergebnisse eines Berliner Projekts mit afrikanischen Flüchtlingen.

Am stärksten an Objekten orientiert und damit vielleicht am greifbarsten ist die Schau "Stoff-Wechsel" in der Galerie von Karin Wimmer. Dort steht das Material und damit die Kultur des Materiellen im Mittelpunkt. Stoff als Träger kultureller Ideen und nationaler Identitäten kommt in den Arbeiten bekannter Afrikanischer Künstler, Kunsthandwerker, Designer und Architekten zum Ausdruck. Schalen, Stoffe, Möbel, Schmuck, künstlerische Interventionen und Kunstobjekte sind hier vertreten. Und hier wie in den anderen Stationen der Ausstellung "Flow of Forms / Forms of Flow" ist schön zu sehen, wie emanzipiert vom kolonialen Erbe und einem eurozentristischen Blick mit Einflüssen umgegangen wird.

Afrikanische Traditionen, die man einst unter dem Stichwort "Negrophilie" in Europa auf seltsam peinliche Weise adaptierte und zur Schau stellte, sind heute selbstverständlicher Bestandteil eines globalen kulturellen Verständnisses. Wo afrikanische Architekten europäischen Baumeistern einst nur Bewunderung entgegenbrachten und sie imitierten, ohne die Ergebnisse auf lokale Rahmenbedingungen hin zu überprüfen, hat sich heute eine an Bedürfnissen, Klima und Ressourcen orientierte Bauweise entwickelt. Dies allerdings ist nicht nur das Ergebnis einer Emanzipation, sondern einer globalen Herausforderung.

Flow of Forms / Forms of Flow, Design - Geschichten zwischen Afrika und Europa: Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42, Kunstraum, Holzstraße 10, Galerie Wimmer, Amalienstraße 14, bis 12. März