Sicherheitskonferenz Schlimm und schlimmer

Scharfe Worte: Israels Premier Benjamin Netanjahu bezichtigt bei der Sicherheitskonferenz in München Iran eines Drohnen-Angriffs.

(Foto: AFP)

USA gegen Russland, Israel gegen Iran - bei der Münchner Sicherheitskonferenz wurden scharfe Töne angeschlagen. Für Leserinnen und Leser ein Grund, weltweit mehr auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen.

"Die Konfrontation ist zurück" und "Israel droht Iran mit Angriff" vom 19. Februar, "Die Welt wartet auf Deutschland" und "Militärisch Stärke zeigen" vom 17./18. Februar sowie SZ-Spezial "Sicherheit 2018" vom 15. Februar, darin insbesondere die Artikel "Über die Neuvermessung der Welt" und "Lüge wird Wahrheit", "Leere Lehren" und "Zurück auf die Insel":

Nichts herbeirufen

"Ach, ja, ja! - so seufz' ich immer -; / Denn die Zeit wird schlimm und schlimmer." Das bemerkte schon 1870 Wilhelm Busch (der sich über die pompösen Gebäude am Münchner Promenadeplatz belustigte, an dem das Hotel Bayerischer Hof steht). Die Symbolik der Jahreszahlen 1618 oder 1918 hilft nicht, die Gegenwart von 2018 besser zu verstehen (auch wenn die beiden letzten Ziffern gleich sind), denn die Probleme der Zeit sind völlig andere. Und gewiss ist es die Aufgabe der Presse, auf diese hinzuweisen und sie vernünftig zu interpretieren. Möglichst ohne sensationelle Übertreibungen, die die Boulevardpresse am Leben hält. Denn Kassandrarufe über "bröckelnde Stabilität und Ordnung", ja "Haltlosigkeit" verleiten unsichere Zeitgenossen zu Hysterie, ja sie rufen ein "Gefühl großer Unsicherheit" geradezu herbei. So konnte letztendlich aus einem einzigen Doppelmord in Sarajewo 1914 ein millionenfaches Morden in einem Weltkrieg werden. Dr. Dietrich W. Schmidt, Stuttgart

Wo bleibt der Aufschrei?

Wenn man die Zitate der Eröffnungsrede unserer Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zur Münchner Sicherheitskonferenz liest, entsteht der Eindruck, dass es mal wieder Zeit ist, einen Krieg vom Zaun zu brechen. Mehr als 70 Jahre Frieden in Europa scheint wohl eine zu lange Zeit zu sein. Die europäische Zukunftsaufgabe erfordere den Willen, militärisches Gewicht auch tatsächlich einzusetzen, wenn es die Umstände erfordern, meinte sie. Und die Europäer müssten unabhängig von den USA in der Lage sein, militärisch zu intervenieren. Es ist unglaublich, dass sich dies Hunderte von Politikern anhören und kein Aufschrei durch die Versammlung geht und niemand aus Protest den Saal verlässt. Wie wäre es denn, wenn die Staatsmänner wirklich mal den Satz von Sigmar Gabriel beherzigen würden, auf Kooperation statt auf Konfrontation zu setzen? Auch unabhängig von den USA? Ilse Nitzsche, Wolfratshausen

Prävention gegen Fake News

Was sich die nächste durch Wahl legitimierte Regierung vornehmen sollte, ist nicht die Vergewisserung in der fernen Vergangenheit, nicht mal die Neuvermessung der frühen Nachkriegsgeschichte. Die allerjüngste Vergangenheit täte mir schon völlig reichen - beherzt die 190 Kabinettsbeschlüsse zu Auslandseinsätzen und die zugehörigen ca. 4000 Seiten eng bedruckter Parlamentsprotokolle zu evaluieren: Was hatten die wechselnden Regierungen und Mehrheiten durch die einzelnen Einsätze mit scharfem Schuss bezweckt, was haben sie in welcher Frist erreicht oder gerade nicht erreicht, was hat das alles gekostet - an Leben und Gesundheit, Umwelt, Geld, Disruption & Displacement. Evidenzbasierte Politik und die wirksamste Prävention gegen Fake News, sie sähen für mich genau so aus. Insbesondere, wenn wir uns, sicherheitspolitisch gesprochen, nun bald noch größere Stiefel anziehen wollen oder sollen. Sicher unnötig anzumerken: Unsere hoch qualifizierte Friedens- und Konfliktforschung wäre mit einem Auftrag zur systematischen Analyse, wenn er denn käme, keineswegs überfordert. Dr. Karl Ulrich Voss, Burscheid

Sag's mit Claudel

Die Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz sind so vermessen, die Welt neu zu vermessen. Sie sollten es lieber mit dem französischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel (1868 - 1955) halten: "Bevor man die Welt verändert, wäre es vielleicht doch wichtiger, sie nicht zugrunde zu richten." Hans-Joachim Feiner, Stephanskirchen

Israel in der "Sicherheits"-Falle

Israels Premier Benjamin Netanjahu bringt die Konfrontation Israels mit Iran, die es seit Jahren betreibt, auf die internationale Bühne und stellt sich als Opfer dar, das provoziert und angegriffen wird. Dabei bombardiert Israel seit Jahren nicht nur den Libanon, sondern auch immer wieder Syrien, es hat sogar mindestens einmal ein Ziel in Iran bombardiert. Wenn man es genauer recherchiert, ist es Israel, das seine Nachbarn immer wieder angreift und provoziert, aber damit schafft es keine Sicherheit für sich. Militäreinsätze und Militarisierung bringen weder Sicherheit noch Frieden. Sicherheit und Frieden kann es nur geben, wenn statt Militäreinsätzen Sicherheit und schließlich Frieden für beide Seiten gemeinsam geschaffen werden.

Israel besitzt selbst Atomwaffen, vermutlich mindestens 200 Atomsprengköpfe, sieht aber rot, wenn andere Staaten Uran anreichern. Folgerichtig hat Israel auch den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet. Israel hat Nachbarstaaten angegriffen und droht auch immer wieder mit Angriffen, angeblich zur Selbstverteidigung. Aber müssen sich nicht die Nachbarstaaten von Israel bedroht fühlen? Wer könnte Israel helfen, aus seiner "Sicherheits"-Falle herauszukommen? Karin Nebauer, München

Endlich abschaffen

Die USA hetzten gegen Russland, Israel mit einem wegen zahlreicher Straftaten angeklagten Premier gegen den Iran, der Iran gegen Israel. Die Nato-Staaten fordern sich gegenseitig auf, endlich mehr Geld für Waffen auszugeben und die Aufrüstung voranzutreiben. Von Abrüstung oder gar "Frieden schaffen ohne Waffen" ist kein Wort zu hören. Wolfgang Ischinger hat seine private Veranstaltung nicht mehr im Griff und gestaltet ein Freudenfest für die Waffenindustrie und eine Plattform für die Kriegshetzer dieser Erde. Man sollte die Veranstaltung endlich abschaffen. Walter Egeter, München

Die Welt lacht

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen fordert Europa zu mehr Engagement auf. Diese Aussage kann ich nur als schlechte Satire verstehen, in der Frau von der Leyen sich selbst auf den Arm nimmt. In unserer Bundeswehr stinkt der Fisch vom Kopf her. Was ist mit den kampfbereiten Leo 2? Was ist mit der fast nicht mehr einsatzbereiten Marine? Was mit den Transportflugzeugen und Helikoptern der Luftwaffe? Statt große Worte zu tönen, sollte sich von der Leyen um diese Sachen kümmern - unsere Verteidigungspartner sind zum Glück noch immer bereit, uns zu helfen -, aber so darf es nicht weiter gehen. Liebe Frau von der Leyen, machen Sie bitte Ihren Job so, dass nicht die halbe Welt über uns lacht. Bewundern kann ich nur unsere Soldaten/Soldatinnen, die dieses Problem auszubaden haben und für uns alle gegebenenfalls auch ihr Leben lassen. Jochen Langbein, Ulm

Grüne Männchen auf Rügen

Sehr nachdenklich stimmt mich, dass Schweden - der Hitzköpfigkeit eher unverdächtig - die Wehrpflicht wieder eingeführt haben soll und Militär auf Gotland stationiert. Zwar ist die Insel dem Festland direkt vorgelagert und dieser Schritt auf den ersten Blick daher nicht der Rede wert. Aber der Hinweis auf eine eventuelle Bedrohung Schwedens durch Soldaten ohne Hoheitsabzeichen ("grüne Männchen") sticht. Denn dieses Szenario lässt sich weiterdenken.

Was aber, wenn "grüne Männchen" unerwartet auf Rügen stehen? Schließlich gab es hier zu DDR-Zeiten eine direkte, strategisch wichtige Fährverbindung in die ehemalige Sowjetunion. Wenn es stimmt, dass die Bundeswehr zurzeit kaum abschreckendes einsatzfähiges Material hat, weil dieses überwiegend im Auslandseinsatz, defekt oder zur Reparatur ist - wie würde die deutsche Politik reagieren, wie schnell die Nato? Es könnte ein Testfall werden. Zeit, dass über neue Bedrohungen in geografischer Nähe ernsthaft diskutiert wird. Dr. Frank Ternow, Mettmann