Zulassungstests an Hochschulen Die Qual der Auswahl

"Wie lange dauerte der Erste Weltkrieg? Wie lautet der Satz des Pythagoras?" Tapfer kämpfen sich Studienbewerber durch Auswahltests. Doch sind sie überhaupt erlaubt? Und wer stellt eigentlich die Fragen?

Von Maria Huber

Medizin, Psychologie, Biologie: Immer mehr Studiengänge setzen Auswahltests ein, um die besten zukünftigen Studenten auszusuchen. Wo früher nur die Abiturnote zählte, müssen sich Anwärter jetzt auf Sprachgewandtheit und räumliches Vorstellungsvermögen prüfen lassen.

"Welche Zahl vervollständigt die Reihe?" Auswahltests können schwierig sein, mit der richtigen Vorbereitung sind sie aber kein Problem.

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In Zukunft werden die Tests sogar noch zunehmen. So hat das Verwaltungsgericht München der Uni München (LMU) bereits untersagt, die Medizinstudenten allein auf Basis der Abiturnote auszuwählen. Außerdem sind die Kosten, die den Universitäten für Studienabbrecher entstehen, immens. Auch wenn sie viel Geld schlucken, sind Auswahltests auf lange Sicht günstiger als die Kosten, die zahlreiche Studienabbrecher verursachen.

"Die Nachfrage nach Tests wird steigen", sagt auch Benedikt Hell, Psychologe an der Universität Hohenheim. Er hat in einem Forschungsprojekt eignungsdiagnostische Verfahren erforscht und einen Auswahltest für die zukünftigen Lehramts-Studenten der Biologie an der Uni Hohenheim entwickelt. "Auch die Psychologen haben eine Aufnahmeprüfung konstruiert, die liegt aber noch in der Schublade, weil nicht klar ist, wie die Gebühreneintreibung funktionieren soll."

Die Studienanwärter müssen bezahlen

Auswahltests sind nämlich vor allem eines: teuer. Noch ist unklar, wie die Hochschulen den Aufwand für Konzipierung, Durchführung und Auswertung decken sollen oder wollen. "Momentan gehen die Modelle dahin, dass Studienbewerber 50 Euro für den Test zahlen sollen", sagt Hell. Bisher ist aber strittig, ob es erlaubt ist, von den Schulabsolventen Geld zu verlangen.

Die Hochschulrektorenkonferenz hat dazu ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das in den nächsten Wochen erwartet wird. Wenn die Universitäten ihre Studenten in spe nicht zur Kasse bitten dürfen, bleiben sie auf den Kosten sitzen oder müssen die Auswahltests sogar outsourcen. Was ein Test genau kostet, kann Ernst Fay, der mit seiner Firma ITB Consulting beispielsweise den Medizinertest konzipiert hat, nicht sagen. "Das liegt aber immer im sechsstelligen Bereich", sagt er.

Alternativen, wie persönliche Gespräche, seien jedoch noch um einiges teurer: "1000 Interviews führen? Dagegen ist ein Test wirklich billig." Ein bis zwei Jahre Vorlaufzeit sind nötig, um den Auswahltest für einen Studiengang zu entwerfen. "Man muss sich in den Studiengang hineindenken und sich überlegen, was man eigentlich prüfen will", sagt Benedikt Hell, der den Biologentest entworfen hat. "Dann folgen Gespräche mit den Studenten und Professoren, welche Fähigkeiten nötig sind." Außerdem testet eine Versuchsgruppe die Fragen. "Und die Aufgaben müssen natürlich regelmäßig neu formuliert werden, weil die Studenten die Lösungen ja weitergeben", sagt Hell.

Kein simpler Intelligenztest

Auch valide, also gültig, sollte das Auswahlverfahren sein. "Man muss herausfinden, ob der Test tatsächlich das misst, was er messen soll. Ich kann die tollsten Fragen stellen, ohne herauszufinden, ob der Student geeignet ist für das Fach." Daneben sind jedoch auch noch einige gesetzliche Vorgaben zu beachten. So ist es Pflicht, dass die Aufnahmeprüfungen studiengangspezifisch sind. "Der Jura-Test darf nicht der gleiche sein wie der in Medizin. Außerdem ist ein allgemeiner Intelligenztest verboten", erklärt Ernst Fay.

Die Test-Konstrukteure müssen sich in den Auswahltests auch gegen Beschwerden wappnen: "Ein Bewerber klagte beim Medizinertest einmal, dass er als Linkshänder beim Ankreuzen der Kästchen benachteiligt sei", schildert Fay. Diese Dinge klärt man am besten gleich durch Fragen im Test selbst ab: "Dann wird in den Fragebogen einfach die Frage eingebaut, wer Linkshänder ist." So kann die Universität nachher beweisen, dass Linkshänder insgesamt genauso gut waren wie der Rest.

Für Schulabgänger, die einen Auswahltest vor sich haben, hat Fay noch ein paar Tipps. So sollten Bewerber Strategien einüben, mit denen man Leistungstests besser bewälltigen kann: "Es ist immer sinnvoll, die verfügbare Zeit pro Aufgabe auszurechnen. Die zukünftigen Studenten können auch vor dem Test üben, beim Lösen der Aufgaben die Zeit im Blick zu behalten." Bei den meisten Tests erhalten die Prüflinge außerdem ein Aufgabenblatt und einen Lösungsbogen. Das parallele Umgehen mit den beiden Blättern sollten Bewerber ebenfalls trainieren. Auch den Abiturienten, die nur mit einem bestimmten Aufgabentyp Probleme haben, verrät Fay einen Trick: "Je mehr Aufgaben eines bestimmten Typs man löst, desto schneller wird das Prinzip deutlich, das die Schwierigkeiten bereitet."

Wer schon mal einen kleinen Probetest absolvieren will, kann sich auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit versuchen, die einen Minitest mit allgemeinen Fragen und einige spezielle Fächer-Fragen bereitstellt. Auch Benedikt Hell hat einen Fragebogen entworfen, der schon vor den Auswahltests ansetzt. Auf www.was-studiere-ich.de können Abiturienten herausfinden, welcher Studiengang wirklich zu ihnen passt - um dann im Auswahlgespräch punkten zu können.