Unterhalt von Eltern und Staat Mit 18 raus aus dem Haus

Auszug aus dem "Hotel Mama": Wann volljährige Kinder Anspruch auf eine eigene Bleibe haben und was Eltern und Staat dazu beisteuern müssen.

Von Rolf Winkel

Der Umzug in die eigenen vier Wände wird von 1. April an für junge Erwachsene erschwert. Das gilt jedenfalls für Hartz-IV-Empfänger und diejenigen, die Arbeitslosengeld II beantragen. Was aber gilt für volljährige Kinder, deren Eltern nicht finanziell bedürftig sind? Wann müssen sie ihren Sprösslingen eine eigene Bude finanzieren - und wann nicht?

Dürfen Volljährige eine eigene Wohnung nehmen?

Selbstverständlich. Wer 18 Jahre alt ist, darf seinen Wohnsitz frei wählen. Soweit junge Erwachsene finanziell auf eigenen Füßen stehen, brauchen sie weder ihre Eltern noch ein Amt um Erlaubnis zu fragen, wenn sie eine eigene Wohnung mieten wollen.

Auch ein 18-jähriger Schüler oder ein Arbeitsloser darf grundsätzlich von zu Hause ausziehen und eine eigene Wohnung anmieten. "Allerdings muss er dann dafür auch das Geld haben - die Eltern sind meist nicht verpflichtet, ihm eine eigene Bleibe zu finanzieren", erläutert Eva Gerz, Fachanwältin für Familienrecht aus dem rheinischen Brühl.

Wie weit geht die Unterhaltspflicht der Eltern?

Mutter und Vater müssen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zwar auch für volljährige Kinder weiterhin Unterhalt zahlen - in der Regel gilt das aber nur bis zur Beendigung der Berufsausbildung oder des Studiums. "Die Eltern haben in diesen Fällen jedoch das Recht, selbst zu bestimmen, wie sie den Unterhalt leisten", erklärt Eva Gerz. Entweder lassen sie ihr erwachsenes Kind weiterhin bei sich wohnen, kommen für seinen Lebensunterhalt auf und gewähren ihm zusätzlich ein "Taschengeld". Das nennt sich dann "Naturalunterhalt". Oder sie zahlen dem Kind eine eigene Wohnung samt Lebensunterhalt. Dann gewähren sie ihrem Sohn oder ihrer Tochter "Barunterhalt". Geregelt ist dies in Paragraph 1612 Absatz 2 BGB. "Wenn die Eltern die Wahl haben, entscheiden sie sich meistens für den Naturalunterhalt", so Anwältin Gerz. "Dieser ist zum einen meist erheblich preiswerter, und zum anderen gehen wohl viele Eltern davon aus, dass es für die Kinder besser sei, weiter zu Hause zu wohnen."

Was ist, wenn das Kind das anders sieht als die Eltern?

Wenn das erwachsene Kind dafür - so das BGB - "besondere Gründe" vorbringen kann, können die Eltern dazu verpflichtet werden, ihm eine eigene Bleibe zu finanzieren. Im Streitfall muss darüber - auf Antrag der Tochter oder des Sohnes - das Familiengericht befinden. "Bei einer tief greifenden Entfremdung zwischen beiden Seiten gestehen die Gerichte den Kindern deshalb meist Barunterhalt zu." Das gelte allerdings nicht, wenn die Entfremdung allein auf ein "provozierende Verhalten des Kindes" zurückzuführen ist.