Uni-Rankings sind unsinnig: Abiturienten sollten ihre Hochschule so spontan auswählen, wie sie sich im Kaufhaus für eine Küchenmaschine entscheiden.
Ich habe Volkswirtschaftslehre studiert, erst in Konstanz, später in Köln. Volkswirtschaft in Konstanz hatte damals einen mittelmäßigen Ruf, Köln einen sehr guten. Ich glaube, das ist heute so ähnlich, stand jedenfalls vor einiger Zeit im Focus. Zu meiner Zeit gab es diese Uni-Rankings noch nicht, es gab nicht mal den Focus, was vielleicht erklärt, warum Leute in meinem Alter sagen, dass damals nicht alles schlecht war. Ehrlich gesagt wurde mir erst während des Studiums klar, dass es überhaupt so etwas wie gute oder schlechte Unis in Deutschland gibt. Die Sache mit der Elite-Uni war irgendwie amerikanisch. Da gab es Harvard, Princeton, Yale, und wer zur Nasa wollte, der musste dahin. Ich bin in Hanau aufgewachsen, im Main-Kinzig-Kreis, hier wollte meines Wissens niemand zur Nasa.
Ein Leben im Medaillenspiegel: Heute muss man nur ein paar Minuten im Internet surfen und weiß, dass man ein Auto fährt, das nur Platz 36 in der Zufriedenheitsstudie eines Automagazins erreicht hat. (© Foto: dpa)
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Es hat während meiner ganzen Kindheit keine guten oder schlechten Schulen gegeben. Man ging in die Schule, die in der Nähe war oder zu der es eine vernünftige Busverbindung gab. Das waren die Kriterien. Meine Eltern brauchten für die Auswahl der richtigen Schule ungefähr so lange wie für den Kauf unserer Küchenmaschine oder des faltbaren Gästebetts. Ich halte sie für sehr gute Eltern.
Irgendwann muss das mit dem Ranking-Denken entstanden sein. Der beste Orthopäde, das gesündeste Dinkel-Hirse-Kissen. Irgendjemand muss es geschafft haben, die Menschen davon zu überzeugen, dass man alles in eine Reihenfolge bringen kann, dass alles bewertbar ist, dass wir ein Medaillenspiegel-Leben führen können, in dem es Platzierungen gibt, Reihenfolgen, Gewinner und Verlierer. Jeder kann der Beste sein, sogar ein Dinkel-Hirse-Kissen.
Früher kaufte man ein Auto, aß Joghurt oder zahlte ein Haus ab und machte sich nicht mehr Gedanken als nötig. Heute muss man nur ein paar Minuten im Internet surfen und weiß, dass man ein Auto fährt, das nur Platz 36 in der Zufriedenheitsstudie eines Automagazins erreicht hat, dass der Joghurt nur ein "ausreichend" geholt hat und dass man in den nächsten vierzig Jahren 2000 Euro hätte sparen können, wenn man seinen Bausparvertrag beim Testsieger abgeschlossen hätte. Man führt ein Durchschnittsleben, man ist im Medaillenspiegel ein Verliererland. Das erfährt man aus diesen Rankings, ich frage mich, wozu das gut sein soll.
Vermutlich gibt es gerade sehr viele Studenten, die sich fragen, wo sie studieren sollen. Ich kann nur für meinen Fall sprechen. Ich würde alle diese Listen nehmen, sie kurz durchblättern und dann in den Müll werfen. Es gibt keinen Grund, warum Volkswirtschaft in Köln einen besseren Ruf hat als in Konstanz. Vielleicht außer dass die Kölner Fakultät deutlich größer ist, somit jedes Jahr mehr Absolventen hat, die bei Umfragen nach der besten Volkswirtschafts-Fakultät Deutschlands nicht sagen werden, dass sie an einer schlechten Uni studiert haben. Ich hatte während meines Studiums in Köln bei drei der fünf Wirtschaftsweisen Vorlesungen. Die fünf Wirtschaftsweisen bewerten jedes Jahr die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Sie sind so etwas wie die coolen Hunde der VWL. Die Nasa-Jungs.
Die Wahrheit ist, ich habe von ihren Assistenten mehr gelernt als von ihnen. Ich saß in Übungen mit 400 Leuten. Dass es die Übung eines berühmten Professors war, mag irgendjemandem, der die Rankings macht, imponieren, ich hielt es für einen Witz.
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Christopher Lee zum 90.
Der Beitrag von Herrn Moreno spricht mir aus der Seele. Nur ein Beispiel: Laut "internationalem Ranking" in der SZ (Hochschulranking - Die Top Ten weltweit) liegt das University College London auf Platz neun, im innerbritischen Ranking der Times liegt es aber auf Platz 7, hinter Unis wie Warwick oder St. Andrews - die kommen im internationalen Vergleich aber gar nicht vor, weil zu unbedeutend oder schlecht. Auch die Uni in Singapur, fachlich Spitze, taucht international nicht auf. Die Juroren scheinen mehr Namen zu beurteilen als Leistung.
Die aufgeführten Unis haben mehrere Vorteile:
Einen beeindruckenden Namen.
Ein funktionierendes Netzwerk zur Karriereförderung.
Englisch als Landessprache.
Viel Geld aus Spenden und Gebühren.
Dass Sie auch Elite ausbilden entspricht nicht meinen Erfahrungen.
Nur ganz kurz:
Schön, daß Juan Moreno wieder da ist.
Ich vermisse seine Kolumne in der Wochenend-SZ, als er damit aufgehört hat, hatte ich schon überlegt das Zeitungsabo zu kündigen.
Herrlich, sein Witz und seine Weltsicht! - Bitte mehr davon.
Von Volkswirtin zu Volkswirt.
Aber leider ist Herr Moreno nur ein weiterer Rufer in der Wüste der selbsternannten geldgeilen Pseudeliten.
Viele Dank fuer den schoenen Artikel, das war doch wieder mal herzerfrischend.
Ich unterrichte an einer englischen Uni, und hier geht alles aber auch wirklich alles nach laegue tables. Das faengt mit den Grundschulen an, fuehrt zu extrem hohen Hauspreisen in der Nachbarschaft von Schulen mit guten Tabellenplaetzen, etc.
Die Tricksereien, um in der Tabelle ein paar Stellen weiter rauf zu kommen, sind unglaublich. Das geht so weit, dass wir doch bitteschon in der Zeit, wenn die Frageboegen verschickt werden, doch besonders nett zu unseren Studis sein sollen. (Danach duerfen wir sie dann wieder durch die Pruefungen fallen lassen).
Ich will eigentlich nichts zum Thema Ranking sagen.
Sondern nur, daß Juan Moreno doch mal wieder eine Kolumne in der SZ schreiben sollte.
Das waren meiner Meinung nach nämlich mit Martenstein in der ZEIT immer die Besten!
Paging