Um das Angebot der Schulen zu verbessern, sind ein paar Freizeitangebote am Nachmittag nicht ausreichend. Es braucht eine Investition in professionelle Pädagogen.
Das Motto "Viel hilft viel", wie es die aktuelle Studie aus München nahelegen könnte, ist sicher keine bildungspolitische Lösung. Schließlich entscheidet vor allem die Qualität des Unterrichts darüber, wie gut Kinder in Schulen lernen, und nicht nur die Quantität.
Schulklasse: Woran es an Gymnasien fehlt, ist eine Lernatmosphäre, in der Schüler Leidenschaft für den Stoff entwickeln. (© Foto: dpa)
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Trotzdem macht die Studie auf einen Aspekt aufmerksam, der in der Schuldebatte zu kurz kommt. Nach Pisa neigen Politiker, Lehrer und Eltern zu Überreaktionen. Sie wollen, dass die Schüler möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit erwerben. Woran es an Gymnasien aber oft fehlt, ist eine Lernatmosphäre, in der Schüler Leidenschaft für den Stoff entwickeln. Dafür brauchen sie weniger straffe Lehrpläne - aber eben auch Zeit.
Angebote zur Freizeitgestaltung reichen nicht
Ganztagsschulen sind kein Allheilmittel, das alle pädagogischen Probleme beseitigt. Eine große Chance sind sie allerdings in jedem Fall. SPD und Grüne dringen deshalb zu Recht darauf, dass beim Bildungsgipfel die Neuauflage eines Programms zum Ausbau der Ganztagsschulen ganz oben auf der Tagesordnung steht, auch wenn seit der Föderalismusreform allein die Länder die Verantwortung tragen.
Um das Lernen an den Schulen aufzulockern reicht es nicht, ein paar Betriebe und Vereine zu gewinnen, die nachmittags Angebote zur Freizeitgestaltung machen. Eine solche Öffnung der Schulen ist gut, sie ersetzt aber derzeit zu oft die Investition in professionelle Pädagogen. Die rot-grüne Bundesregierung hat 2003 vier Milliarden Euro für Schulen bereitgestellt. Das Geld ist fast aufgebraucht, doch echte Ganztagsschulen sind viel zu selten herausgekommen. Mit baulichen Veränderungen ist es eben nicht getan. Ganztagsschulen brauchen auch zusätzliche Pädagogen und Sozialarbeiter.
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(SZ vom 20.8.2008/bön)
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Die gymnasiale Schulausbildung muss dringend zwei Irrwege vermeiden und Kurskorrekturen vornehmen:
1. Irrweg: Seit den 70er Jahren wird in der Oberstufe das System der "Leistungskurse" gefahren. Mit diesen Kursen wird über eine teilweise lächerliche Detail-Versessenheit eine Vertiefung eines Unterrichtstoffes betrieben, die durch nichts begründet werden kann. Weder hilft es dem Schüler beim späteren Studium (desselben Faches wohlgemerkt), da jede Universität andere Schwerpunkte und Studien-Voraussetzungen hat. Noch wird es dem noch zu entwickelnden Geist gerecht, sich so frühzeitig zu spezialisieren.
Das Leistungskurssystem verhindert durch die Vergeudung von Ressourcen (Zeit und Ausbilder) eine umfassende Allgemeinbildung: Es fehlt z.B. an Volkswirtschaftslehre, Staatskunde, Juristik, Lerntechnik, Informationstechnik um nur wenige, grundlegende Wissensbereichslücken zu nennen.
2. Irrweg: Die Pisa-Panik treibt die Bildungs-Verantwortlichen dazu, Schulzeit zu verkürzen und zusätzliche berufsqualifizierende Abschlüsse der universitären Ausbildung anzuhängen.
Beide Irrwege haben ein großes Zielproblem: Sie fördern nicht Bildung (im Humboldtschen Sinne), sondern Ausbildung! Statt ein fundiertes Allgemeinwissen und notwendige Lerntechniken zu lernen, werden vergängliche Fakten gepaukt. Statt wissenschaftliches Arbeiten zu lehren, werden die tagesaktuellen Anforderungen der Wirtschaft kritiklos erfüllt. Der Ausgebildete soll nicht selbstständig denken sondern in definierten (Arbeits-)Zusammenhängen funktionieren.
Wird sein Spezialwissen nicht mehr gebraucht, wird er entlassen und man schreit nach den Nächsten. Sind die inländisch nicht verfügbar, kann, dank gleichgeschalteter PISA-Ausbildung, schnell Ersatz aus dem Ausland geholt werden.
Dies funktioniert offensichtlich aber nur für die etablierte Wirtschaft. Zukünftige, jetzt noch nicht einmal absehbare, Anforderungen kann ein dumpfes PISA-Volk nicht erfüllen. Das heißt Abschiednehmen vom Innovationsstandort Deutschland und Willkommen in der Welt des geistigen Fußvolks. Dann ist Schluss mit der kontinuierlichen Produktivitätssteigerung und in der Folge auch mit der Bezahlbarkeit des Staates.
Dies Entwicklung kann also nicht im Interesse der Allgemeinheit sein. In wessen Interesse dann? Nur im Interesse derer, denen das Gemeinwohl an bestimmten Standorten herzlich egal ist, da sie (und ihr Kapital) frei über alle Grenzen hinweg mal hier mal dort den Nektar saugen.