Steuerfahnder "Besser als man glaubt"

Eine gelöschte Datei? Kein Problem. Betrügereien, die schon Jahre zurückliegen? Ihr Job. Wie Steuerfahnder ihr Ziel erreichen.

Wenn die Steuerfahndung kommt, wird es ungemütlich. Höflich, aber bestimmt beginnen die Mitglieder des Teams mit der Durchsuchung der Geschäftsunterlagen, sichten persönliche Papiere, blättern in den elektronischen Dateien und stellen Fragen. Das für sie Interessante nehmen sie mit in ihre Dienststelle im Finanzamt.

"Wir treten nur in Erscheinung, wenn Anhaltspunkte für den Verdacht einer Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit vorliegen", erläutert Michael Thelen, Leiter der Steuerfahndung in Hamburg. Die Diplom-Finanzwirte treten dann als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft auf und haben Polizeibefugnisse. "Im Gegensatz zu Polizisten, die bei einer Durchsuchung nur gezielt Material für die Anklage beschlagnahmen, können wir jedoch schon an Ort und Stelle alle Unterlagen genau sichten und auswählen."

"In Deutschland gibt es etwa 2000 Steuerfahnder", sagt Dieter Ondracek, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) in Berlin. Auf die Fahnder entfallen, wie aus den Statistiken des Bundesfinanzministeriums hervorgeht, durchschnittlich 46.000 Fälle pro Jahr.

Die Karriere in der Steuerfahndung beginnt mit einer umfassenden Ausbildung zum Finanzbeamten oder zur Finanzbeamtin im gehobenen Dienst. "Ein exzellentes Abitur ist Voraussetzung", sagt Thelen. Nach erfolgreichem Besuch der Fachhochschule - Studiendauer drei Jahre - bekommen die Diplom-Finanzwirte und ihre Kolleginnen eine "allgemeine steuerliche Ausbildung im breiten Rahmen". Die Bezahlung des Steuerinspektors und der Steuerinspektorin beginnt mit der Besoldungsgruppe A 9 (etwa 1900 Euro im Monat).

"Am Praxisanfang steht der mehrjährige Einsatz in einer Veranlagungsstelle", sagt Thelen. Dann kann der Wechsel in die Abteilung für Betriebsprüfungen erfolgen. Das heißt Außendienst - "für mindestens zwei Jahre", wie Ondracek ergänzt. Nächster Schritt wäre die Versetzung in die Bußgeld- und Strafsachenstelle.

Der Beruf ist mit besonderen Belastungen verbunden: "Es gibt Nachteinsätze, Überstunden sind keine Seltenheit. Und wir stoßen auf Feindseligkeit, wenn wir auftauchen", sagt Thelen. Notfalls holen die Steuerfahnder die Polizei - und wenn massiver Widerstand abzusehen ist auch das Mobile Einsatzkommando.

Steuerfahndung besteht darin, Berge von Dokumenten aufmerksam zu sichten, Daten exakt zu vergleichen und Widersprüche bei finanziellen Transaktionen aufzudecken. "Wir sind Historiker", sagt Thelen und weist darauf hin, dass sich das Aktenstudium auf eigentlich abgeschlossene Geschäftstätigkeiten bezieht. "Wir können bis zu zehn Jahre zurück ermitteln."

Breiten Raum nimmt die elektronische Datenverarbeitung ein. Darin müssen die Steuerfahnder auf dem neuesten Stand sein. Eine bereits gelöschte Datei ist für sie kein Problem. "Die Steuerfahndung ist besser und weiß mehr als man glaubt", beschreibt der Steuer-Fachanwalt Robin L. Fritz in Frankfurt die Qualität der Fahndungsmethoden.