In den vergangenen Tagen löste die "Element"-Studie zur sechsjährigen Grundschule heftige Reaktionen aus. Nun ist sie endlich erschienen und zeichnet ein erstaunliches Bild.
Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Schulstudien interpretiert werden. In den vergangenen Tagen löste die "Element"-Studie des Berliner Forschers Rainer Lehmann heftige Reaktionen aus. So sieht der Philologenverband, der die Interessen von Gymnasiallehrern vertritt, die Studie als Beleg dafür, dass das Modell einer längeren Grundschulzeit "mit Pauken und Trompeten" gescheitert sei. Die Lehrergewerkschaft GEW spricht dagegen von einem "Triumph des längeren gemeinsamen Lernens". Wissenschaftler halten beide Schlüsse für überzogen. Über die Studie wurde schon debattiert, als sie noch gar nicht publiziert war. Nun liegt sie endlich vor - und das Bild, das sie zeichnet, ist sehr facettenreich.
Eine Studie zeigt auf, dass das Leseverständnis von Berliner Schülern in der 6. Klasse einer Grundschule höher ist als bei Schülern in der entsprechenden Klasse eines Gymnasiums. (© Foto: dpa)
Anzeige
Gegenstand der Studie: Anders als in anderen Bundesländern dauert die Grundschule in Berlin sechs Jahre. Leistungsstarke Schüler können aber auch schon nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium wechseln. So verlassen sieben Prozent die Grundschule vorzeitig. Die Leistungen in dieser speziellen Gruppe vergleicht die Element-Studie mit Kindern, die regulär bis zum Ende der sechsten Klasse an den Grundschulen bleiben. Die Leistungen mehrerer tausend Schüler wurden zu drei Zeitpunkten zwischen Ende der vierten und Ende der sechsten Klasse getestet. "Element" steht für Erhebungen zum Lese- und Mathematikverständnis - Entwicklungen in den Jahrgangsstufen vier bis sechs.
Bemerkenswerte Lernzuwächse in Grundschulen
Leistungen in Lesen und Mathe: Gymnasiasten erzielten im Durchschnitt zu jedem Zeitpunkt bessere Leistungen. Dies überrascht nicht, da sie ja bereits am Ende der vierten Klasse besonders stark waren und deshalb vorzeitig die Schule wechseln konnten. Die durchschnittlichen Lernfortschritte in Mathematik sind aber annähernd gleich, im Leseverständnis in der sechsten Klasse der Grundschule sogar höher als im Gymnasium. "Es gelingt den Grundschulen, den Abstand zu den Gymnasien etwas zu verringern", heißt es in der Studie. Dies liegt vor allem daran, dass schlechtere Schüler an den Grundschulen aufholen; die Studie spricht von "bemerkenswerten Lernzuwächsen" und einer erfolgreichen Umsetzung kompensatorischer Ziele.
Nach dem großen Lob kommt der Haken: Auch stärkere Schüler machen an Berliner Grundschulen Fortschritte, am Gymnasium schreiten Kinder mit vergleichbarem Vorwissen aber noch etwas schneller voran. Zwar bescheinigt die Studie den Grundschulen, dass sie auch an der Spitze mathematischer Leistungen "die Intensität gymnasialer Förderung fast erreichen". Insgesamt wachse aber bei den guten Schülern der Abstand zum Gymnasium. Lehmann, der an der Humboldt-Universität lehrt, bezeichnet den vorzeitigen Wechsel aufs Gymnasium daher als eine "rationale individuelle Entscheidung".
Offene Fragen: Ob die Daten tatsächlich einen größeren Lernfortschritt der Gymnasiasten belegen, ist unter Forschern umstritten. Klaus-Jürgen Tillmann, Professor in Bielefeld, hat Zweifel angemeldet. Hans Brügelmann (Siegen) und andere mahnen zu Vorsicht. Doch von solcher Skepsis einmal abgesehen, kann die Element-Studie nicht sagen, wie sich die größeren Fortschritte eigentlich erklären: aus der Kompetenz der Gymnasiallehrer, aus der recht homogenen Schülergruppe (Kinder gebildeter Eltern) mit hohem Ausgangsniveau, aus verstärkter Förderung daheim oder einer Kombination dieser Faktoren?
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Kinder abschnitten, die bereits seit dem dritten Schuljahr Englisch lernen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Da wohl rd. 1/3 aller Kinder bei Alleinerziehenden aufwachsen, wäre für die Chancengleichheit erst mal eine Ganztagsschule angesagt. Aber: Nicht, wie oftmals jetzt aus dem Boden gestampft als "Nachmittags-Verwahranstalt", sondern wirklich als Tagesschule mit gemeinsamen Sportaktivitäten und Hausaufgaben-Betreuung in der zweiten Tageshälfte. Inclusive warmer Mahlzeit. (Die viele Kinder erschreckenderweise gar nicht kennen !!!)
Um die Chancengleichheit weiter zu fördern, wäre während der Unterrichtszeit eine einheitliche Kleidung angesagt. Ich kenne Familien, die ihren Kinder sog. "Trend-T-Shirts" für 139 Euro mangels Einkommensmöglichkeiten auf Pump kaufen, damit die Sprösslinge im sozialen Umfeld "mithalten" können. Dito Handies, I-pods, etc. Schwachsinn !!!
Grundschule 6 Jahre halte ich für den richtigen Weg. Die Kinder werden zu früh "aussortiert". Es gibt Frühentwickler und Spätentwickler. Es gibt Jungen und Mädchen.
Unsere heutige Schulpolitik ist eine "kleine-brave-Mädchen-Schulpolitik" !
Ich habe 2 Jungen und 2 Mädchen. Im gleichen Alter können sich die Mädchen deutlich besser konzentrieren als die Jungen. Ergebnis: In allen Klassenstufen sind die Mädchen vorn. Die Jungen bleiben bis zum Schulende, vorzeitig aussortiert und "unbequem", auf der Strecke !!!
Integration von Migranten-Kindern wäre bei 6-jähriger Grundschule einfacher. Denn die spätere Weichenstellung läßt länger eine Chance auf gleiche elementare Fähigkeiten wie Sprechen, Lesen, Rechnen. Einen vorzeitigen Wechsel nach 4 Jahren müsste aber um eben dieser Chancengleichheit willen ausschließen. Sonst bleiben nur die Schwachen über 6 Jahre bzw die, die keinen entsprechend etablierten Elternhintergrund haben.
Danach kann durchaus eine Differenzierung erfolgen in Gymnasium und Mittelschule.
Die Hauptschulen können m.E. entfallen. Sie avanchieren zu "Aufbewahrungsanstalten für Chancenlose". Leider.
Und: Es müsste eine Männer-Quote an deutschen Grundschulen geben !
Ein "Damen-Anteil" von bis zu 90 % in den Grundschulen (Bayern rd. 84,6 % !) ist beschämend ! Wo sollen denn die Jungen Authorität und Vorbildfunktion hernehmen ?
Und: Beamtentum abschaffen. Siehe Kommentare anderer Leser.
Die Versorgungsmentalität einerseits und die "Hausmütterchen mit Halbtagsjob im Beamtenverhältnis-Mentalität" vieler Lehrerinnen ist hier - gerade für den männlichen Nachwuchs - nach meiner Beobachtung fast schon chancenbedrohend, wenn nicht vernichtend !!!
Nunja sogar in Polen wird schon das Rechnen sowie das ganze Alphabet gelernt und anschließend muss man 8 Jahre lang die Schulbankdrücken bis man sich für eine entsprechender Oberstufe entscheidet. Dann heißts nach der allgemeinen Schulbildung entweder eine technische Schulausbildung zu machen, zu studieren oder verpflichtend eine andere Oberstufe zu nehmen.
In meinen Augen wäre es ein gutes Konzept für Deutschland. Eine Obestufenpflicht für alle(!) Schüler würde viele vor sich selbst schützen die keine Lust auf Bildung haben und nicht merken, dass das coole "Gangsta"- und Party-Verhalten ihre Zukunft ruiniert. Wenn jeder verpflichtend in eine Obestufe kommt kriegt er zumindest Bildung ab.
Viel zu spät! Vielleicht könnte das eine oder andere ausrangierte Sprachlabor reaktiviert und für Schwangere zur spätembryonalen Sprachbildung bereitgestellt werden. Mit Teilnahmepflicht.
Vorsicht Ironie!
Das sind wahrscheinlich die Schüler, die zu Schulen in privater Trägerschaft wechseln - vorzugsweise Kinder von sich links fühlenden Politikern.
das mit dem beamtentum als größtes gift für eine freie (gedanken) welt sehe ich nun wirklich nicht als das 'konzept/reform wagnis' an, auf das es einzuknüppeln gilt.
wer gestaltet diese reformen? wer bringt konzepte auf den weg? bildung ist ländersache...hier darf jeder mal, der noch nicht hatte - auch im csu ländle vor der wahl.
solange eine reform immer nur aus der wählergunst-perspektive kreiert wird und nach der wahl in einem sensiblen koalitionskompromiss endet, was bitte hat dieses mit beamtentum zu tun?
Paging